Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
So wie der Heilige Geist oft nur als „sanftes, leises Säuseln“ daherkommt, offenbart sich auch Gott häufig im Kleinen oder gar Winzigen. In einem kleinen Stück Brot oder einem kleinen Schluck Wein. Im Kleinen, Geringen, Niedrigen entdecken wir den wahrhaft Großen. Ein Impuls zum 9. August 2026 von Pfarrer Peter Kieweg.
Die Lesung aus dem Alten Testament beschreibt uns an diesem Sonntag eine der Gotteserfahrungen des Propheten Elija. NICHT ist der Herr im Sturm, im Erdbeben, im Feuer. Aber Vorboten sind diese drei doch, Vorboten für das „sanfte, leise Säuseln“, in dem der Herr dann offensichtlich erfahrbar wird. Auch im Neuen Testament tauchen die genannten Vorboten auf. Im Matthäus-Evangelium wird ein Erdbeben angedeutet bei der Geburt Jesu, da Herodes erschrickt und mit ihm ganz Jerusalem. Von einem tatsächlichen Erdbeben wird berichtet nach dem Tod Jesu und noch einmal nach seiner Auferstehung.
Beide Male verweisen diese Erdbeben auch hier auf ein Kommen Gottes à la „sanftes, leises Säuseln“: in einem schwachen, wehrlosen Kind, vor dem die Sterndeuter aber die Knie beugen; als der Gekreuzigt Auferstandene, dem zwar alle Macht gegeben ist, der aber gegen über jenen erscheint, die keine dominante Stimme in der Welt haben und seine Botschaft nur in ihrer Schwachheit und Wehrlosigkeit zu den Menschen tragen können. Die beiden anderen Vorboten Sturm und Feuer kennen wir vor allem aus der Apostelgeschichte, vom Pfingstereignis. Der heftige Sturm, der das Haus erfüllt, die Zungen wie von Feuer, die sich verteilen, sie künden die Ankunft des Heiligen Geistes, der gerne auch „stiller Gast“ genannt wird, weil er unaufdringlich und verborgen in Mensch und Welt wirkt, eben sanft, wie ein Säuseln.
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Im Evangelium dieses Sonntags findet sich ebenso der Sturm, der Sturm auf dem See, auf dem Jesus daherkommt. Petrus, aus dem Boot gestiegen, erfährt wohl gegenüber dem heftigen Sturm Jesus nur als „sanftes, leises Säuseln“ — und bricht ein. Er erfährt aber die Kraft dieser sich still hinhaltenden Hand, er erfährt die Kraft dessen, der ohne ein Wort den Sturm stillt. Auch in der Liturgie gibt es solche Vorboten, etwa die laut hallen den Kirchenglocken, die teils mächtigen Gotteshäuser, die brausenden Orgeln.
Und dann kommt Gott aber doch so klein, winzig daher: im windigen Stück Brot, im kleinen Schluck Wein. Braucht es dieses Große, Mächtige, teils sogar in der Wucht Beängstigende, mulmig Anmutende? Offensichtlich… um aber im Kleinen, Geringen, Niedrigen den wahrhaft Großen zu entdecken, in Brot und Wein, und auch in uns selbst und in den Schwestern und Brüdern, vor allem den Geringsten.
Peter Kieweg
Pfarrer Pfarrverband Vilshofen



