Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Bischof Stefan Oster hat am Marsch für das Leben teilgenommen. Warum er das gemacht hat und was Lebensschutz für ihn bedeutet, beantwortet er im Interview mit dem Passauer Bistumsblatt.
Herr Bischof, Sie haben vor zwei Jahren gesagt, der Marsch für das Leben lasse sich „zu leicht beschädigen, zu leicht inhaltlich kapern und dann das Interesse auf Nebenthemen lenken, die nicht die unseren sind“. Und sie seien nicht sicher, ob der Begriff „Marsch“ für die Veranstaltung tatsächlich noch in die Zeit passt. Aber selbstverständlich seien Sie „offen für gute neue Ideen, um diesem so wichtigen Anliegen für unsere Zeit, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen“. Sie haben am „Marsch für das Leben“ teilgenommen. Gab es diese guten neuen Ideen, von denen Sie sprachen?
Bischof Stefan Oster: Ich habe danach mit vielen Leuten gesprochen, die den Marsch für das Leben unterstützen. Viele hatten sich enttäuscht gezeigt, dass ich ihn als Veranstaltungsform in Zweifel gezogen hatte – da sie mich grundsätzlich als öffentlich gehörte und sie unterstützende Stimme für den Lebensschutz wahrnehmen. Und tatsächlich geht es um ein Abwägen: Die vielen, meist gläubigen Menschen auf dem Marsch wollen sich ihr Anliegen nicht aus der Hand nehmen lassen – auch wenn es andere für sich politisch instrumentalisieren wollen, die zeitlich später dazugekommen sind. Das kann ich nachvollziehen – ein Wegbleiben kann daher gedeutet werden als: Wir überlassen denen das Feld, die das Anliegen für sich kapern wollen. Und das will ich natürlich auch nicht.
Sie betonen, dass wir als Angehörige des Menschengeschlechts Personen von Anfang an sind, unabhängig von unseren Eigenschaften und Zuständen. „Jedes Wesen der Gattung Mensch ist Person – und hat damit Anspruch auf die Anerkennung seiner Personwürde – und ist unbedingt schützenswert. Auch jedes ungeborene Kind.“ Gibt es weitere zentrale Argumente, die Sie antreiben, sich hier einzubringen? In welchen Bereichen soll sich die Kirche hier noch stärker engagieren?
Bischof Stefan Oster: Wir schauen auch auf das Ende des Lebens: Assistenz zum Suizid als Geschäftsmodell zu ermöglichen, spricht fundamental gegen unsere Überzeugungen von Gott als dem Herrn über Leben und Tod. Auch die Debatte über Leihmutterschaft gehört meines Erachtens hierher: Ich bin der Überzeugung, dass es kein Recht auf ein Kind gibt, aber ein Recht des Kindes auf seine natürlichen Eltern, sofern das irgend möglich und vernünftig ist. In dieses Feld gehört auch die so genannte Reproduktionsmedizin oder die Diagnostik von Embryonen auf genetische Defekte. Auch die sogenannte „verbrauchende Embryonenforschung“ zur Gewinnung von Stammzellen gehört hierher. Selbstverständlich auch ein Verbot der Todesstrafe wie auch – positiv – unsere Sorge um Menschen, die gesellschaftlich tendenziell weniger erwünscht scheinen: beispielsweise Flüchtlinge oder Menschen mit Behinderungen. Und wenn es um Abtreibungen geht, geht es für uns selbstverständlich positiv auch um die Fürsorge für Frauen, die ungewollt schwanger sind.


