Foto: Bayer / pbp
Bei der Pontifikalandacht zu Silvester im Stephansdom wurden im Jahresrückblick sowohl die vielen Ereignisse, wie die zahlreichen Jubiläen im Bistum, als auch die Herausforderungen, wie die Aufarbeitungsstudie oder der Konflikt in Hauzenberg, thematisiert.
In seiner Predigt stellte Bischof Stefan das menschliche Herz in den Mittelpunkt. Ausgehend von einem Zitat des Hl. Franz von Sales „Cor ad cor loquitur – das Herz spricht zum Herzen“ erinnerte er daran, dass das Herz die Mitte einer Person sei: der Ort des Gewissens, der Sehnsüchte, unser Beziehungsorgan und der Zugang zu Gott. Dort, so Oster, entscheide sich, ob ein Mensch offen, liebesfähig und wahrhaftig lebe – oder verschlossen und innerlich zerrissen sei.
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Gleichzeitig sprach der Bischof von der Ambivalenz des Herzens. Es sei oft trügerisch, weil Denken, Wollen und Fühlen auseinanderfallen. Jesus aber wolle dem Menschen ein erneuertes Herz schenken, „ein Herz, das von den Toten auferweckt wurde“. Dieses neue Herz entstehe nicht aus eigener Leistung, sondern durch Zeit mit Christus, durch Gebet, durch Liebe zum Nächsten und durch das Annehmen von Leid und Grenzerfahrungen. „Mehr als alles hüte dein Herz“, zitierte Oster die Heilige Schrift, denn von ihm gehe das Leben aus.
In der Weihnachtszeit, so Bischof Stefan, feiern wir das Kind in der Krippe, so wie es im Johannesevangelium stehe – „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ – als Gottes Projekt zur Rettung des menschlichen Herzens. Das griechische Wort Logos bleibe hierbei nicht abstrakt, sondern werde konkret, persönlich, erfahrbar. Ganz anders als die Erfahrungen einer einzelnen Person, die nie ganz oder nur schwer mitteilbar sei, „weil unsere Begriffe eher auf das Allgemeine zielen.“
Vor diesem Hintergrund warnte Bischof Oster eindringlich vor den Gefahren der technologischen Revolution. Smartphones, soziale Medien und künstliche Intelligenz böten viele Vorteile, drohten aber zugleich, den Menschen herzloser zu machen. „Das Smartphone lehrt uns nicht lieben“, so Bischof Stefan eindringlich. Es erzeuge nur den Schein von Beziehung. Auch KI könne Information, Bilder und Texte produzieren, aber keine Begegnung „von Herz zu Herz“ ersetzen. Es bleibe Pseudokreativität ohne die leidenschaftliche Schaffenskraft eines Menschenherzens.
Die Kirche, so Oster, stehe deshalb vor der Aufgabe, Hüterin der unersetzbaren Würde der menschlichen Person und ihres Herzens zu sein. Christen seien eingeladen, Technik achtsam zu nutzen, aber echte Gemeinschaft, Stille und Beziehung zu pflegen. Am Ende rief der Bischof dazu auf, Christus Raum zu geben, der ein menschliches Herz angenommen habe, um jedem Menschen „von Herz zu Herz“ zu begegnen. In ihm liege Hoffnung, Sieg über Angst und die Verheißung eines gesegneten neuen Jahres.
Für die musikalische Umrahmung der Jahresschlussandacht sorgten Kantorin Chiara Ebner, Domorganist Ludwig Ruckdeschel an der Orgel und die Dombläser unter der Leitung von Domkantor Maximilian Jäger.
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https://stefan-oster.de/huete-dein-herz-technologische-revolution
Der Jahresrückblick in einer kurzen Zusammenfassung:
Der Jahresrückblick des Bistums entstand vor dem Hintergrund weltweiter Krisen. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägen neue Kriege, Menschenrechtsverletzungen und Hungerkatastrophen die internationale Lage, während Großmächte geopolitische Ordnungen neu ausrichten. In Deutschland sorgten vorgezogene Neuwahlen für politische Bewegung. Ein tiefer Einschnitt für die Kirche war der Tod von Papst Franziskus am Ostermontag; ihm folgte Papst Leo XIV. nach.
Im Bistum Passau wurde das Jahr von vielen Herausforderungen geprägt. Eine kirchennahe Studie zu Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Biodiversität führte zu Missverständnissen und erforderte intensive Gespräche mit Landwirten. Besonders belastend war der Konflikt in Hauzenberg nach Vorwürfen gegen einen Pfarrer in der Jugendarbeit, der schließlich mit Zustimmung Roms aus dem Amt schied. Große Bedeutung hatte zudem die Veröffentlichung der unabhängigen Aufarbeitungsstudie der Universität Passau, die auf vollständiger Einsicht in die Akten von 1945 bis 2022 beruhte.
Das Heilige Jahr 2025 unter dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ setzte spirituelle Akzente: Ablass, Pilgern und die Verbindung von Glaube und Verantwortung standen im Mittelpunkt. Zahlreiche Wallfahrten, Ausbildungen von Pilgerbegleitern, die diözesane Romwallfahrt, Jugend- und Familienangebote sowie soziale Zeichen wie das UNHCR-Zelt prägten das Jahr, ebenso die Erinnerung an 1.700 Jahre des Konzils von Nizäa und die Maria-Hilf-Woche.
Darüber hinaus bereicherten der Adoratio-Kongress, ein Symposion zu Ferdinand Ulrich sowie viele Jubiläen – von „Laudato si“ bis zur Telefonseelsorger, der Holzkirchener Kerzenwallfahrt und noch viele weitere – das kirchliche Leben im Bistum.


