Bild: Thomas König
Das Freilichtmuseum Finsterau zeigt bis April 2027 die Sonderausstellung „Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer. In Niederbayern und anderswo“. Sie bietet Gelegenheit, kulturelle Traditionen, Rituale und den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Trauer in Niederbayern näher zu beleuchten.
Im Mittelpunkt stehen historische Exponate aus der Region – darunter Sterbekreuze, Särge, Grabschmuck und Sterbebilder aus dem Fundus des Museums –, die durch zeitgenössische Kunstwerke, Medienstationen und Klanginstallationen ergänzt werden.
Die Ausstellung behandelt u. a. Themen wie Sterberiten und Sterbesakramente, Bestattungsformen und ‑bräuche, Trauermusik sowie die religiöse und gesellschaftliche Erinnerungskultur.
Sterben ist persönlich. Trauer ist kulturell. Tod geht uns alle an.
Eine besondere Reise durch die Ausstellung – nicht weg vom Tod, sondern direkt hinein in seine vielen Gesichter. Zwischen alten Bräuchen und neuen Ideen öffnet sich ein Raum für Fragen, Erinnerungen und überraschende Perspektiven. Was passiert, wenn ein Leben endet? Wie wurde – und wie wird – Abschied genommen? Und: Wie wollen wir heute sterben?
Im Interview mit der Kuratorin und dem Projektleiter erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Ausstellung:
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Von Leichenzug bis Playlist – Tod zum Anfassen
Im Mittelpunkt steht ein beeindruckendes Leitobjekt: Ein historischer Leichenwagen aus Fürholz, eingebettet in eine symbolische Inszenierung eines Leichenzugs. Er ist das zentrale Objekt für die thematische Erkundung von Sterben, Tod und Trauer.
Die Ausstellung ist dabei kein passives Gedenken, sondern ein aktiver Dialog: mit der Geschichte, mit modernen Bestattungsformen, mit persönlichen Verlusten – und mit uns selbst. Der Besucher wird zu einem Teil des Leichenzuges. Er macht sich auf, auf die letzte Reise und lernt kulturhistorisch wertvolle Schätze aus dem Finsterauer Museumsdepot kennen.
Wer kennt sie noch, die Versehgarnitur? Ein sakrales Geschirr, welches oftmals als vermeintlich unbedeutender Dachbodenfund aussortiert wurde, nicht wissend wie heilsam sie doch im Sterbeprozess sein konnte.
Die Versehgarnitur brauchte man für die Krankensalbung. Sie gehörte zur Grundausstattung eines Haushalts. Denn anders als heute starben die Leute meist in ihrem eigenen Heim. War der Tod einer Person absehbar, wurde ein Priester verständigt, der sich mit einer Hostie, Weihwasser und Öl für die Krankensalbung auf den Weg machte. Dieser Versehgang war üblicherweise mit dem Geläut einer kleinen Glocke begleitet. Im Haus angekommen nahm der Geistliche den Sterbenden die Beichte ab, salbte sie und spendete die Kommunion.
Drei Kapitel für ein Thema, das uns alle betrifft
Sterben
Wie fühlt sich das Ende an? Wer begleitet, wer bleibt zurück? Diese Phase widmet sich den Todesvorboten, dem letzten Atemzug, dem körperlichen Sterben, der Sterbebegleitung — damals und heute.
Tod zwischen Diesseits und Jenseits
Was passiert nach dem letzten Atemzug? Aufbahrung, Totentoilette, Einsargen, Bestattungsformen im Wandel: Hier trifft ländliche Überlieferung auf moderne Tendenzen wie Feuerbestattung, alternative Bestattungsrituale und neuen Trauerkultur-Initiativen.
Trauer
Was bleibt? Trauermusik, Leichenschmaus, Kondolenz, Erinnerung. Persönlich und gesellschaftlich. Fragen wie „Was wäre deine Beerdigungs-Playlist?“ oder „Sarg oder Urne?“ holen Besucher in ihre eigene Realität zurück – und machen das Sterben lebendig.
Zweite Ebene: Kunst trifft Endlichkeit
Ergänzt wird die Hauptausstellung durch eine zweite Ebene mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen der Leir Foundation. Hier reagieren internationale und regionale Künstler auf das Thema Tod – mal poetisch, mal provokant, mal still. Die Kunst öffnet neue Zugänge, stellt unbequeme Fragen und erweitert die Perspektive über das kulturell Gewohnte hinaus.
Gestaltung: hell, klar, überraschend
Die Ausstellung verzichtet bewusst auf düstere Symbolik. Statt Schwarz gibt’s Spektralfarben, statt Schwere ein Gefühl von Klarheit. Das Designkonzept setzt auf Licht, Raum und Emotion – inspiriert vom weißen Licht, das alle Farben in sich trägt.
Die Ausstellung will nicht verstören, sondern versöhnen. Nicht belehren, sondern berühren.
(Text: Webseite Freilichtmuseum Finsterau / pbp)



