Bistum

Jetzt geht’s dahi!

Redaktion am 06.07.2026

Info Icon Bild: Thomas König

Das Freilichtmuseum Finsterau zeigt bis April 2027 die Sonderausstellung „Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer. In Niederbayern und anderswo“. Sie bietet Gelegenheit, kulturelle Traditionen, Rituale und den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Trauer in Niederbayern näher zu beleuchten.

Im Mit­tel­punkt ste­hen his­to­ri­sche Expo­na­te aus der Regi­on – dar­un­ter Ster­be­kreu­ze, Sär­ge, Grab­schmuck und Ster­be­bil­der aus dem Fun­dus des Muse­ums –, die durch zeit­ge­nös­si­sche Kunst­wer­ke, Medi­en­sta­tio­nen und Klang­in­stal­la­tio­nen ergänzt wer­den.
Die Aus­stel­lung behan­delt u. a. The­men wie Ster­be­ri­ten und Ster­be­sa­kra­men­te, Bestat­tungs­for­men und ‑bräu­che, Trau­er­mu­sik sowie die reli­giö­se und gesell­schaft­li­che Erinnerungskultur.

(v.l.) Kuratorin Lisa Späthe und der Projekt- und Depotleiter Konrad Obermeier. Mehr über die Ausstellung, die Entstehung und Beschaffung verschiedener besonderer Exponate, erfahren Sie von den beiden im Interview.

Ster­ben ist per­sön­lich. Trau­er ist kul­tu­rell. Tod geht uns alle an.
Eine beson­de­re Rei­se durch die Aus­stel­lung – nicht weg vom Tod, son­dern direkt hin­ein in sei­ne vie­len Gesich­ter. Zwi­schen alten Bräu­chen und neu­en Ideen öff­net sich ein Raum für Fra­gen, Erin­ne­run­gen und über­ra­schen­de Per­spek­ti­ven. Was pas­siert, wenn ein Leben endet? Wie wur­de – und wie wird – Abschied genom­men? Und: Wie wol­len wir heu­te sterben?

Im Interview mit der Kuratorin und dem Projektleiter erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Ausstellung:

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Von Lei­chen­zug bis Play­list – Tod zum Anfassen

Im Mit­tel­punkt steht ein beein­dru­cken­des Leit­ob­jekt: Ein his­to­ri­scher Lei­chen­wa­gen aus Für­holz, ein­ge­bet­tet in eine sym­bo­li­sche Insze­nie­rung eines Lei­chen­zugs. Er ist das zen­tra­le Objekt für die the­ma­ti­sche Erkun­dung von Ster­ben, Tod und Trau­er.
Die Aus­stel­lung ist dabei kein pas­si­ves Geden­ken, son­dern ein akti­ver Dia­log: mit der Geschich­te, mit moder­nen Bestat­tungs­for­men, mit per­sön­li­chen Ver­lus­ten – und mit uns selbst. Der Besu­cher wird zu einem Teil des Lei­chen­zu­ges. Er macht sich auf, auf die letz­te Rei­se und lernt kul­tur­his­to­risch wert­vol­le Schät­ze aus dem Fins­ter­au­er Muse­ums­de­pot kennen.

Wer kennt sie noch, die Ver­seh­gar­ni­tur? Ein sakra­les Geschirr, wel­ches oft­mals als ver­meint­lich unbe­deu­ten­der Dach­bo­den­fund aus­sor­tiert wur­de, nicht wis­send wie heil­sam sie doch im Ster­be­pro­zess sein konnte.

Die Ver­seh­gar­ni­tur brauch­te man für die Kran­ken­sal­bung. Sie gehör­te zur Grund­aus­stat­tung eines Haus­halts. Denn anders als heu­te star­ben die Leu­te meist in ihrem eige­nen Heim. War der Tod einer Per­son abseh­bar, wur­de ein Pries­ter ver­stän­digt, der sich mit einer Hos­tie, Weih­was­ser und Öl für die Kran­ken­sal­bung auf den Weg mach­te. Die­ser Ver­seh­gang war übli­cher­wei­se mit dem Geläut einer klei­nen Glo­cke beglei­tet. Im Haus ange­kom­men nahm der Geist­li­che den Ster­ben­den die Beich­te ab, salb­te sie und spen­de­te die Kommunion.

Drei Kapi­tel für ein The­ma, das uns alle betrifft

Ster­ben
Wie fühlt sich das Ende an? Wer beglei­tet, wer bleibt zurück? Die­se Pha­se wid­met sich den Todes­vor­bo­ten, dem letz­ten Atem­zug, dem kör­per­li­chen Ster­ben, der Ster­be­be­glei­tung — damals und heute.

Tod zwi­schen Dies­seits und Jen­seits
Was pas­siert nach dem letz­ten Atem­zug? Auf­bah­rung, Toten­toi­let­te, Ein­sar­gen, Bestat­tungs­for­men im Wan­del: Hier trifft länd­li­che Über­lie­fe­rung auf moder­ne Ten­den­zen wie Feu­er­be­stat­tung, alter­na­ti­ve Bestat­tungs­ri­tua­le und neu­en Trauerkultur-Initiativen.

Trau­er
Was bleibt? Trau­er­mu­sik, Lei­chen­schmaus, Kon­do­lenz, Erin­ne­rung. Per­sön­lich und gesell­schaft­lich. Fra­gen wie Was wäre dei­ne Beer­di­gungs-Play­list?“ oder Sarg oder Urne?“ holen Besu­cher in ihre eige­ne Rea­li­tät zurück – und machen das Ster­ben lebendig.

Zwei­te Ebe­ne: Kunst trifft Endlichkeit

Ergänzt wird die Haupt­aus­stel­lung durch eine zwei­te Ebe­ne mit zeit­ge­nös­si­schen künst­le­ri­schen Posi­tio­nen der Leir Foun­da­ti­on. Hier reagie­ren inter­na­tio­na­le und regio­na­le Künst­ler auf das The­ma Tod – mal poe­tisch, mal pro­vo­kant, mal still. Die Kunst öff­net neue Zugän­ge, stellt unbe­que­me Fra­gen und erwei­tert die Per­spek­ti­ve über das kul­tu­rell Gewohn­te hinaus.

Gestal­tung: hell, klar, überraschend

Die Aus­stel­lung ver­zich­tet bewusst auf düs­te­re Sym­bo­lik. Statt Schwarz gibt’s Spek­tral­far­ben, statt Schwe­re ein Gefühl von Klar­heit. Das Design­kon­zept setzt auf Licht, Raum und Emo­ti­on – inspi­riert vom wei­ßen Licht, das alle Far­ben in sich trägt.

Die Aus­stel­lung will nicht ver­stö­ren, son­dern ver­söh­nen. Nicht beleh­ren, son­dern berüh­ren.

(Text: Web­sei­te Frei­licht­mu­se­um Fins­ter­au / pbp)

Hier kommen Sie zur Webseite des Freilichtmuseums Finsterau:

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