Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Rund 60 Frauen und Männer haben sich bei der Jugendseelsorgetagung am 8. und 9. Juli im Haus der Jugend Passau über das zukünftige Netzwerk Jugendarbeit ausgetauscht. Impulse zum Thema „soziale Räume für Jugendliche“ gab Prof. Dr. Frank Früchtel. Beim Austausch, den Foren und dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten zudem Ideen gesammelt werden.
Das Netzwerk Jugendarbeit in den neuen pastoralen Räumen stand im Fokus der diesjährigen Jugendseelsorgetagung am 8. und 9. Juli im Haus der Jugend Passau. Gemeinsam haben die rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendseelsorge des Bistums Passau Ideen gesammelt, wie ihre Vernetzung künftig aussehen kann. Eingeladen waren Pfarrer, Kapläne, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Diakone, Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, Diözesanleitungen und ‑vorstände der kirchlichen Jugendverbände. Für sie alle wird sich mit der Einführung der pastoralen Räume im Herbst auch in der Jugendseelsorge etwas ändern. Die Frage bei der Tagung lautete daher: Wie kann die Jugendpastoral in den neuen pastoralen Räumen lebendig, vernetzt und wirksam gelingen? „Die Mitarbeitenden des Bischöflichen Jugendamts und der Jugendverbände sind darauf angewiesen, mit Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten. Wir wollen uns vernetzen. Wir wollen uns weiterbilden, damit das gut gelingt“, erklärte Jugendpfarrer Hubertus Kerscher. Die Jugendseelsorgetagung biete Gelegenheit, neue Ideen zu sammeln und „zu schauen, wo man vielleicht gleich ‚netzwerken‘ und zusammenarbeiten kann.“
Die Jugendarbeit im Bistum kann dabei zum Start in den pastoralen Räumen auf eine gute und bewährte Basis setzen, erklärte Veronika Pongratz. Referentin Projekte und Organisation im Bischöflichen Jugendamt Passau, die die Jugendseelsorgetagung gemeinsam mit ihrem Team organisiert hat. „Die Strukturen sind ja schon gegeben. Und die Jugendverbände arbeiten ja bistumsweit, sei es in ihren Kreisen oder gemeinsam mit ihren Ortsgruppen. Wo wir Nachbesserungsbedarf sehen, ist, dieses vorhandene Netzwerk nochmal ins Bewusstsein zu rufen, wo man anknüpfen und ein Jugendbüro Servicestelle sein kann für Mitarbeiter, die draußen in den pastoralen Räumen arbeiten.“ Große Chancen sieht sie in der verstärkten Kooperation der Jugendbüros und Jugendverbände. „Um zu vermeiden, dass beispielsweise Veranstaltungen mangels Teilnehmer ausfallen, kann man miteinander kooperieren. Sodass die Veranstaltung sowohl personell als auch teilnehmermäßig gut aufgestellt ist mit dem Ziel, erfolgreich Erlebnisse für Jugendliche anzubieten.“
„Die Mitarbeitenden des Bischöflichen Jugendamts und der Jugendverbände sind darauf angewiesen, mit Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten. Wir wollen uns vernetzen. Wir wollen uns weiterbilden, damit das gut gelingt.”
Soziale Räume für Jugendliche
Über soziale Räume für Jugendliche sprach Prof. Dr. Frank Früchtel in seinem Impulsvortrag. Der Professor für Theorie und Methoden Sozialer Arbeit an der Fachhochschule Potsdam brachte seine sozialräumliche Perspektive auf Lebenswelten von Jugendlichen ein und gab Impulse für die Praxis vor Ort. „Es ist natürlich so, dass die digitalen Räume zunehmend an Bedeutung gewinnen (…). Doch hat die analoge Beziehung ein bestimmtes Gewicht, das man digital nicht so herstellen kann. Sich in Stadtteilen, in Dörfern usw. auszukennen, zu wissen, wo was passiert, ist ein wichtiges Thema“, erklärte Früchtel. Im Vordergrund stünde eher weniger das Gestalten von Räumen, sondern von Beziehungen. „Es geht darum, Menschen kennenzulernen, zu verstehen, was sie bewegt, wo sie sich aufhalten, was sie dort tun, und mit ihnen zusammen bestimmte Interessen zu verfolgen.“ Schließlich würden Kinder und Jugendliche vor allem in modernen Städten aus sozialen Räumen zunehmend verdrängt, merkte er an. Daher sei es für die soziale Jugendarbeit wichtig, Jugendliche dabei zu unterstützen, sich sozialen Räume anzueignen oder verlorene Räume zurückzugewinnen. Früchtel betonte: „Die Kirche hat eine wichtige Begleitkompetenz!“ Gerade deswegen, weil sie die Jugendlichen mit ihren Fragen, Themen und Problemen gezielt begleiten könne.
Vier Methoden gab der Professor den Jugendseelsorgerinnen und ‑seelsorgern schließlich an die Hand. Die Methode „One-to-One“, also „Eins-zu-Eins“, ziele darauf ab, mit Menschen regelmäßig – jeden Tag, jede Woche – ins Gespräch zu kommen, und das über ein oder mehrere Jahre hinweg, und sich dadurch einen Bekanntenkreis aufzubauen. Ein Dorfpfarrer beispielsweise „hat ganz viele Eins-zu-eins-Kontakte und kennt sich deswegen natürlich auch gut aus.“ Bei einer weiteren Methode, den Bürgerporträts, gehe es darum, Geschichten über Menschen zu schreiben, so Früchtel. „Kurze Geschichten mit etwa hundert Wörtern, einer Überschrift, einem Bild dazu und einem Anliegen.“ Einen Schritt weiter als diese beiden Methoden gehe die aktivierende Befragung, erklärte der Professor. „Wo man wirklich versucht, initiativ etwas zu zünden – in einem Stadtteil, in einem Dorf –, wo es dann quasi fast schon um politische Einflussnahme geht, zusammen mit Jugendlichen, die aber vorher entsprechend befragt werden.“
„Es ist natürlich so, dass die digitalen Räume zunehmend an Bedeutung gewinnen (…). Doch hat die analoge Beziehung ein bestimmtes Gewicht, das man digital nicht so herstellen kann. Sich in Stadtteilen, in Dörfern usw. auszukennen, zu wissen, wo was passiert, ist ein wichtiges Thema.”
Nach dem Vortrag wurde dazu eingeladen, sich über soziale und pastorale Räume von Jugendlichen auszutauschen. In Kleingruppen wurden Ideen gesammelt, wo die sichtbaren und unsichtbaren Räume von Jugendlichen heute sind und wie man diese entdecken kann.
Jugendarbeit in pastoralen Räumen
Am zweiten Tag der Jugendseelsorgetagung standen zuerst drei Foren mit der Möglichkeit zu Austausch und Gespräch zur Wahl. So wurde in den Best-Practice-Beispielen aus dem pastoralen Raum sowohl die nachhaltige Gewinnung von Ehrenamtlichen als auch die Ministrantenarbeit und Firmung in den Blick genommen. Im Forschungsprojekt „STADT.LAND.WIE? JUGEND BEWEGT.“ der KLJB Bayern ging es um Jugendbeteiligung im ländlichen Raum. Und in den Best-Practice-Beispielen aus der Nachbardiözese Linz in Oberösterreich wurden u. a. SpiriNight, neue Firmkonzepte und Festivalseelsorge thematisiert. Alle drei Foren gaben den Jugendseelsorgerinnen und ‑seelsorgern Impulse, wie man Jugendliche in pastoralen Räumen erreichen und Jugendarbeit gut vernetzt gelingen kann.
Möglichkeiten der Jugendpastoral
Wie viele Optionen es für die Jugendpastoral des Bistums Passau gibt, wurde schließlich beim sogenannten „Markt der Möglichkeiten“ deutlich. Hier konnten sich die Teilnehmenden von Referaten, Jugendverbänden und Jugendbüros inspirieren lassen, die dort ihre Projekte, Veranstaltungen und Visionen vorstellten. Veranstaltet wurde die Jugendseelsorgetagung vom Bischöflichen Jugendamt des Bistums Passau in Kooperation mit der Katholischen Jugend Oberösterreich der Diözese Linz.


