Jugend

Netzwerk Jugendarbeit (neu) kennenlernen

Stefanie Hintermayr am 09.07.2026

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Rund 60 Frauen und Männer haben sich bei der Jugendseelsorgetagung am 8. und 9. Juli im Haus der Jugend Passau über das zukünftige Netzwerk Jugendarbeit ausgetauscht. Impulse zum Thema „soziale Räume für Jugendliche“ gab Prof. Dr. Frank Früchtel. Beim Austausch, den Foren und dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten zudem Ideen gesammelt werden.

Das Netz­werk Jugend­ar­beit in den neu­en pas­to­ra­len Räu­men stand im Fokus der dies­jäh­ri­gen Jugend­seel­sor­ge­ta­gung am 8. und 9. Juli im Haus der Jugend Pas­sau. Gemein­sam haben die rund 60 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Jugend­seel­sor­ge des Bis­tums Pas­sau Ideen gesam­melt, wie ihre Ver­net­zung künf­tig aus­se­hen kann. Ein­ge­la­den waren Pfar­rer, Kaplä­ne, pas­to­ra­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, Dia­ko­ne, Haupt- und Ehren­amt­li­che in der Jugend­ar­beit, Diö­ze­san­lei­tun­gen und ‑vor­stän­de der kirch­li­chen Jugend­ver­bän­de. Für sie alle wird sich mit der Ein­füh­rung der pas­to­ra­len Räu­me im Herbst auch in der Jugend­seel­sor­ge etwas ändern. Die Fra­ge bei der Tagung lau­te­te daher: Wie kann die Jugend­pas­to­ral in den neu­en pas­to­ra­len Räu­men leben­dig, ver­netzt und wirk­sam gelin­gen? Die Mit­ar­bei­ten­den des Bischöf­li­chen Jugend­amts und der Jugend­ver­bän­de sind dar­auf ange­wie­sen, mit Men­schen vor Ort zusam­men­zu­ar­bei­ten. Wir wol­len uns ver­net­zen. Wir wol­len uns wei­ter­bil­den, damit das gut gelingt“, erklär­te Jugend­pfar­rer Huber­tus Ker­scher. Die Jugend­seel­sor­ge­ta­gung bie­te Gele­gen­heit, neue Ideen zu sam­meln und zu schau­en, wo man viel­leicht gleich netz­wer­ken‘ und zusam­men­ar­bei­ten kann.“

Die Jugend­ar­beit im Bis­tum kann dabei zum Start in den pas­to­ra­len Räu­men auf eine gute und bewähr­te Basis set­zen, erklär­te Vero­ni­ka Pon­gratz. Refe­ren­tin Pro­jek­te und Orga­ni­sa­ti­on im Bischöf­li­chen Jugend­amt Pas­sau, die die Jugend­seel­sor­ge­ta­gung gemein­sam mit ihrem Team orga­ni­siert hat. Die Struk­tu­ren sind ja schon gege­ben. Und die Jugend­ver­bän­de arbei­ten ja bis­tums­weit, sei es in ihren Krei­sen oder gemein­sam mit ihren Orts­grup­pen. Wo wir Nach­bes­se­rungs­be­darf sehen, ist, die­ses vor­han­de­ne Netz­werk noch­mal ins Bewusst­sein zu rufen, wo man anknüp­fen und ein Jugend­bü­ro Ser­vice­stel­le sein kann für Mit­ar­bei­ter, die drau­ßen in den pas­to­ra­len Räu­men arbei­ten.“ Gro­ße Chan­cen sieht sie in der ver­stärk­ten Koope­ra­ti­on der Jugend­bü­ros und Jugend­ver­bän­de. Um zu ver­mei­den, dass bei­spiels­wei­se Ver­an­stal­tun­gen man­gels Teil­neh­mer aus­fal­len, kann man mit­ein­an­der koope­rie­ren. Sodass die Ver­an­stal­tung sowohl per­so­nell als auch teil­neh­mer­mä­ßig gut auf­ge­stellt ist mit dem Ziel, erfolg­reich Erleb­nis­se für Jugend­li­che anzubieten.“

Die Mit­ar­bei­ten­den des Bischöf­li­chen Jugend­amts und der Jugend­ver­bän­de sind dar­auf ange­wie­sen, mit Men­schen vor Ort zusam­men­zu­ar­bei­ten. Wir wol­len uns ver­net­zen. Wir wol­len uns wei­ter­bil­den, damit das gut gelingt.”

Jugendpfarrer Hubertus Kerscher

Soziale Räume für Jugendliche

Über sozia­le Räu­me für Jugend­li­che sprach Prof. Dr. Frank Früch­tel in sei­nem Impuls­vor­trag. Der Pro­fes­sor für Theo­rie und Metho­den Sozia­ler Arbeit an der Fach­hoch­schu­le Pots­dam brach­te sei­ne sozi­al­räum­li­che Per­spek­ti­ve auf Lebens­wel­ten von Jugend­li­chen ein und gab Impul­se für die Pra­xis vor Ort. Es ist natür­lich so, dass die digi­ta­len Räu­me zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen (…). Doch hat die ana­lo­ge Bezie­hung ein bestimm­tes Gewicht, das man digi­tal nicht so her­stel­len kann. Sich in Stadt­tei­len, in Dör­fern usw. aus­zu­ken­nen, zu wis­sen, wo was pas­siert, ist ein wich­ti­ges The­ma“, erklär­te Früch­tel. Im Vor­der­grund stün­de eher weni­ger das Gestal­ten von Räu­men, son­dern von Bezie­hun­gen. Es geht dar­um, Men­schen ken­nen­zu­ler­nen, zu ver­ste­hen, was sie bewegt, wo sie sich auf­hal­ten, was sie dort tun, und mit ihnen zusam­men bestimm­te Inter­es­sen zu ver­fol­gen.“ Schließ­lich wür­den Kin­der und Jugend­li­che vor allem in moder­nen Städ­ten aus sozia­len Räu­men zuneh­mend ver­drängt, merk­te er an. Daher sei es für die sozia­le Jugend­ar­beit wich­tig, Jugend­li­che dabei zu unter­stüt­zen, sich sozia­len Räu­me anzu­eig­nen oder ver­lo­re­ne Räu­me zurück­zu­ge­win­nen. Früch­tel beton­te: Die Kir­che hat eine wich­ti­ge Begleit­kom­pe­tenz!“ Gera­de des­we­gen, weil sie die Jugend­li­chen mit ihren Fra­gen, The­men und Pro­ble­men gezielt beglei­ten könne.

Vier Metho­den gab der Pro­fes­sor den Jugend­seel­sor­ge­rin­nen und ‑seel­sor­gern schließ­lich an die Hand. Die Metho­de One-to-One“, also Eins-zu-Eins“, zie­le dar­auf ab, mit Men­schen regel­mä­ßig – jeden Tag, jede Woche – ins Gespräch zu kom­men, und das über ein oder meh­re­re Jah­re hin­weg, und sich dadurch einen Bekann­ten­kreis auf­zu­bau­en. Ein Dorf­pfar­rer bei­spiels­wei­se hat ganz vie­le Eins-zu-eins-Kon­tak­te und kennt sich des­we­gen natür­lich auch gut aus.“ Bei einer wei­te­ren Metho­de, den Bür­ger­por­träts, gehe es dar­um, Geschich­ten über Men­schen zu schrei­ben, so Früch­tel. Kur­ze Geschich­ten mit etwa hun­dert Wör­tern, einer Über­schrift, einem Bild dazu und einem Anlie­gen.“ Einen Schritt wei­ter als die­se bei­den Metho­den gehe die akti­vie­ren­de Befra­gung, erklär­te der Pro­fes­sor. Wo man wirk­lich ver­sucht, initia­tiv etwas zu zün­den – in einem Stadt­teil, in einem Dorf –, wo es dann qua­si fast schon um poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me geht, zusam­men mit Jugend­li­chen, die aber vor­her ent­spre­chend befragt werden.“

Es ist natür­lich so, dass die digi­ta­len Räu­me zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen (…). Doch hat die ana­lo­ge Bezie­hung ein bestimm­tes Gewicht, das man digi­tal nicht so her­stel­len kann. Sich in Stadt­tei­len, in Dör­fern usw. aus­zu­ken­nen, zu wis­sen, wo was pas­siert, ist ein wich­ti­ges Thema.”

Prof. Dr. Frank Früchtel, Professor für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Potsdam

Nach dem Vor­trag wur­de dazu ein­ge­la­den, sich über sozia­le und pas­to­ra­le Räu­me von Jugend­li­chen aus­zu­tau­schen. In Klein­grup­pen wur­den Ideen gesam­melt, wo die sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Räu­me von Jugend­li­chen heu­te sind und wie man die­se ent­de­cken kann.

Jugendarbeit in pastoralen Räumen

Am zwei­ten Tag der Jugend­seel­sor­ge­ta­gung stan­den zuerst drei Foren mit der Mög­lich­keit zu Aus­tausch und Gespräch zur Wahl. So wur­de in den Best-Prac­ti­ce-Bei­spie­len aus dem pas­to­ra­len Raum sowohl die nach­hal­ti­ge Gewin­nung von Ehren­amt­li­chen als auch die Minis­tran­ten­ar­beit und Fir­mung in den Blick genom­men. Im For­schungs­pro­jekt STADT.LAND.WIE? JUGEND BEWEGT.“ der KLJB Bay­ern ging es um Jugend­be­tei­li­gung im länd­li­chen Raum. Und in den Best-Prac­ti­ce-Bei­spie­len aus der Nach­bar­diö­ze­se Linz in Ober­ös­ter­reich wur­den u. a. Spi­ri­Night, neue Firm­kon­zep­te und Fes­ti­val­seel­sor­ge the­ma­ti­siert. Alle drei Foren gaben den Jugend­seel­sor­ge­rin­nen und ‑seel­sor­gern Impul­se, wie man Jugend­li­che in pas­to­ra­len Räu­men errei­chen und Jugend­ar­beit gut ver­netzt gelin­gen kann.

Möglichkeiten der Jugendpastoral

Wie vie­le Optio­nen es für die Jugend­pas­to­ral des Bis­tums Pas­sau gibt, wur­de schließ­lich beim soge­nann­ten Markt der Mög­lich­kei­ten“ deut­lich. Hier konn­ten sich die Teil­neh­men­den von Refe­ra­ten, Jugend­ver­bän­den und Jugend­bü­ros inspi­rie­ren las­sen, die dort ihre Pro­jek­te, Ver­an­stal­tun­gen und Visio­nen vor­stell­ten. Ver­an­stal­tet wur­de die Jugend­seel­sor­ge­ta­gung vom Bischöf­li­chen Jugend­amt des Bis­tums Pas­sau in Koope­ra­ti­on mit der Katho­li­schen Jugend Ober­ös­ter­reich der Diö­ze­se Linz.

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