Foto: Stefanie Hintermayr/pbp
Resilienzförderung für Jugendliche und Begleitende war das Thema der Jugendseelsorgetagung am 9./ 10. Juli im Haus der Begegnung Heilig Geist in Burghausen. Ein Fachvortrag der Diplompsychologin Ulrike Saalfrank gab Impulse; in verschiedenen Workshops ging es in die Praxis.
Mit dem Thema Resilienz hat das Bischöfliche Jugendamt des Bistums Passau (BJA) ein hochaktuelles und hochspannendes Thema für die diesjährige Jugendseelsorgetagung gewählt. Über dieses wollten die rund 50 Frauen und Männer aus der kirchlichen Jugendarbeit im Bistum mehr erfahren. Den Pfarrern, Kaplänen und Diakonen, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Leiterinnen und Leitern der kirchlichen Jugendverbände begegnen schließlich immer häufiger junge Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden. Für sie als Begleitende ist es dann hilfreich, Wege zur Stärkung der psychischen Gesundheit aufzeigen zu können, betonte Veronika Pongratz, Referentin für Projekte und Organisation im BJA. „Wir wollen fachlich gut reagieren können, wenn wir mit psychisch belasteten Jugendlichen konfrontiert sind. Und wir möchten auch selbst in unserer Resilienz gestärkt sein mit entsprechenden Methoden.“
Gerade in der Jugendarbeit ist Resilienz ein wichtiges Thema, erklärte Jugendpfarrer Hubertus Kerscher. „Wir wollen bei Krisen einen guten Raum schaffen, in dem Kinder und Jugendliche durchatmen können, auch wenn wir keine Psychologen und Experten sind.“ Der Glaube spielt aus Kerschers Sicht eine ganz entscheidende Rolle für seelische Gesundheit, gerade in Krisensituationen. „Der christliche Glaube ist sicher eine starke Kraftquelle für viele. Denn er sagt mir, dass mein Leben ein Ziel hat, das über diese Welt hinausgeht. Und ich bekomme hier die feste Zusage, dass es weitergehen wird, selbst in Dunkelheit, Krankheit und Tod. Alles Schlechte ist nicht das Ende und wird nicht das letzte Wort haben. Das ist unsere feste christliche Hoffnung!“
Seelische Gesundheit – Fachvortrag von Ulrike Saalfrank
In ihrem Fachvortrag ging Ulrike Saalfrank, Diplompsychologin und psychologische Psychotherapeutin mit Spezialisierung auf Kinder und Jugendliche, genauer auf die Thematik der psychischen Gesundheit bzw. Resilienz ein. Zum Stellenwert betonte sie anfangs: „Wir alle brauchen Vorbilder!“ Das sei gerade in der Kindheit und im Jugendalter die Grundvoraussetzung für Resilienz, an der es aber heutzutage aus verschiedenen Gründen oft mangelt, wie sie aufzeigte. In einer Zeit, die von Kriegen, Krisen, Orientierungslosigkeit, übermäßigem Medienkonsum und einem veränderten Elternverhalten – Stichwort Überforderung –, geprägt ist, gerate man schließlich schnell aus dem Gleichgewicht, so Saalfrank. „Da muss man sich nicht wundern, dass es zu Halt- und Orientierungslosigkeit kommt.“ Jugendliche, die ihre Balance verlieren, hätten schlichtweg „vom Falschen zu viel und vom Richtigen zu wenig“.
Resilienz - Podcast zum Thema
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Die Balance – und damit auch die psychische Gesundheit – könne aber wiederhergestellt werden. Und da sieht Saalfrank gerade auch in der kirchlichen Jugendarbeit viele Möglichkeiten. Sie definierte zwei stabilisierende Hauptfaktoren: Zugehörigkeitsgefühl und ein Gefühl des Beheimatet-Seins sowie Entwicklungsmöglichkeit und Wachstum. Neben dieser Basis gibt es ihr zufolge drei Resilienzfaktoren. Als ersten Schutzfaktor definierte sie: „Mindestens eine erwachsene und zuversichtliche Bezugsperson, die an den Jugendlichen glaubt. Und die muss sich auch gar nicht anstrengen, sondern einfach nur da sein.“ Der zweite Schutzfaktor ist: „Jugendlichen die Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit geben. Sie sollen bestimmte Dinge selbst zum positiven beeinflussen können.“ Und als dritten Schutzfaktor nannte sie: „Einen Zugang zu sogenannter nichtmaterieller Weltsicht ermöglichen. Das ist einer der entscheidendsten Faktoren zur seelischen Gesundheit, sonst fehlt die Möglichkeit zur seelischen Regeneration.“ Nichtmaterielle Welten könnten bestimmte Hobbys wie beispielsweise Sport, Kunst, Kultur und Musik sein sowie auch Glaube und Religiosität, so Saalfrank. „Das ist bei jedem etwas Anderes.“
Ihr zufolge sollte sich jedes Kind und jeder Jugendliche Schlüsselkompetenzen fürs Leben als Basis für seelische Gesundheit aneignen. Und hier könne die kirchliche Jugendarbeit auch wieder gut einwirken und diese gezielt fördern. „Das Rad muss man aber nicht neu erfinden, weil hier schon sehr viel an Schlüsselkompetenzen vermittelt wird. Hier kann die Jugendarbeit mit all ihren Angeboten richtig punkten.“ Gefördert werden u.a. soziale Verträglichkeit und Empathie, Feinfühligkeit, Selbst- und Weltvertrauen, Emotionsregulation und Frustrationstoleranz, Maßhalten-Können bzw. Genügsamkeit und Zufriedenheit. Saalfrank definierte schließlich – aus psychologischer Sicht – die vier „K‘s“: Kreativität, Kollaboration bzw. Zusammenarbeit, kritisches Denken und Kommunikation. Wenn es gelingt, diese Schlüsselkompetenzen zu vermitteln, ist viel gewonnen – und eine gute Basis geschafften für Resilienz.
Resilienz praktisch – Workshops und Austausch
In die Praxis ging es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Vortrag. Im methodischen Austausch haben sie Wissen und Erfahrungen geteilt. Und am zweiten Fortbildungstag standen dann noch verschiedene Workshops auf dem Programm, in denen schließlich viele Ideen gesammelt wurden für praxisnahe Resilienzförderung und seelische Gesundheit bei Jugendlichen und Begleitenden.



