Jugend

Wege zu (mehr) Resilienz

Stefanie Hintermayr am 10.07.2025

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr/pbp

Resilienzförderung für Jugendliche und Begleitende war das Thema der Jugendseelsorgetagung am 9./ 10. Juli im Haus der Begegnung Heilig Geist in Burghausen. Ein Fachvortrag der Diplompsychologin Ulrike Saalfrank gab Impulse; in verschiedenen Workshops ging es in die Praxis.

Mit dem The­ma Resi­li­enz hat das Bischöf­li­che Jugend­amt des Bis­tums Pas­sau (BJA) ein hoch­ak­tu­el­les und hoch­span­nen­des The­ma für die dies­jäh­ri­ge Jugend­seel­sor­ge­ta­gung gewählt. Über die­ses woll­ten die rund 50 Frau­en und Män­ner aus der kirch­li­chen Jugend­ar­beit im Bis­tum mehr erfah­ren. Den Pfar­rern, Kaplä­nen und Dia­ko­nen, pas­to­ra­len Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern sowie Lei­te­rin­nen und Lei­tern der kirch­li­chen Jugend­ver­bän­de begeg­nen schließ­lich immer häu­fi­ger jun­ge Men­schen, die unter psy­chi­schen Belas­tun­gen lei­den. Für sie als Beglei­ten­de ist es dann hilf­reich, Wege zur Stär­kung der psy­chi­schen Gesund­heit auf­zei­gen zu kön­nen, beton­te Vero­ni­ka Pon­gratz, Refe­ren­tin für Pro­jek­te und Orga­ni­sa­ti­on im BJA. Wir wol­len fach­lich gut reagie­ren kön­nen, wenn wir mit psy­chisch belas­te­ten Jugend­li­chen kon­fron­tiert sind. Und wir möch­ten auch selbst in unse­rer Resi­li­enz gestärkt sein mit ent­spre­chen­den Methoden.“

Gera­de in der Jugend­ar­beit ist Resi­li­enz ein wich­ti­ges The­ma, erklär­te Jugend­pfar­rer Huber­tus Ker­scher. Wir wol­len bei Kri­sen einen guten Raum schaf­fen, in dem Kin­der und Jugend­li­che durch­at­men kön­nen, auch wenn wir kei­ne Psy­cho­lo­gen und Exper­ten sind.“ Der Glau­be spielt aus Ker­schers Sicht eine ganz ent­schei­den­de Rol­le für see­li­sche Gesund­heit, gera­de in Kri­sen­si­tua­tio­nen. Der christ­li­che Glau­be ist sicher eine star­ke Kraft­quel­le für vie­le. Denn er sagt mir, dass mein Leben ein Ziel hat, das über die­se Welt hin­aus­geht. Und ich bekom­me hier die fes­te Zusa­ge, dass es wei­ter­ge­hen wird, selbst in Dun­kel­heit, Krank­heit und Tod. Alles Schlech­te ist nicht das Ende und wird nicht das letz­te Wort haben. Das ist unse­re fes­te christ­li­che Hoffnung!“

Seelische Gesundheit – Fachvortrag von Ulrike Saalfrank

In ihrem Fach­vor­trag ging Ulri­ke Saal­frank, Diplom­psy­cho­lo­gin und psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin mit Spe­zia­li­sie­rung auf Kin­der und Jugend­li­che, genau­er auf die The­ma­tik der psy­chi­schen Gesund­heit bzw. Resi­li­enz ein. Zum Stel­len­wert beton­te sie anfangs: Wir alle brau­chen Vor­bil­der!“ Das sei gera­de in der Kind­heit und im Jugend­al­ter die Grund­vor­aus­set­zung für Resi­li­enz, an der es aber heut­zu­ta­ge aus ver­schie­de­nen Grün­den oft man­gelt, wie sie auf­zeig­te. In einer Zeit, die von Krie­gen, Kri­sen, Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, über­mä­ßi­gem Medi­en­kon­sum und einem ver­än­der­ten Eltern­ver­hal­ten – Stich­wort Über­for­de­rung –, geprägt ist, gera­te man schließ­lich schnell aus dem Gleich­ge­wicht, so Saal­frank. Da muss man sich nicht wun­dern, dass es zu Halt- und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit kommt.“ Jugend­li­che, die ihre Balan­ce ver­lie­ren, hät­ten schlicht­weg vom Fal­schen zu viel und vom Rich­ti­gen zu wenig“.

Resilienz - Podcast zum Thema

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Die Balan­ce – und damit auch die psy­chi­sche Gesund­heit – kön­ne aber wie­der­her­ge­stellt wer­den. Und da sieht Saal­frank gera­de auch in der kirch­li­chen Jugend­ar­beit vie­le Mög­lich­kei­ten. Sie defi­nier­te zwei sta­bi­li­sie­ren­de Haupt­fak­to­ren: Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl und ein Gefühl des Behei­ma­tet-Seins sowie Ent­wick­lungs­mög­lich­keit und Wachs­tum. Neben die­ser Basis gibt es ihr zufol­ge drei Resi­li­enz­fak­to­ren. Als ers­ten Schutz­fak­tor defi­nier­te sie: Min­des­tens eine erwach­se­ne und zuver­sicht­li­che Bezugs­per­son, die an den Jugend­li­chen glaubt. Und die muss sich auch gar nicht anstren­gen, son­dern ein­fach nur da sein.“ Der zwei­te Schutz­fak­tor ist: Jugend­li­chen die Mög­lich­kei­ten zur Selbst­wirk­sam­keit geben. Sie sol­len bestimm­te Din­ge selbst zum posi­ti­ven beein­flus­sen kön­nen.“ Und als drit­ten Schutz­fak­tor nann­te sie: Einen Zugang zu soge­nann­ter nicht­ma­te­ri­el­ler Welt­sicht ermög­li­chen. Das ist einer der ent­schei­dends­ten Fak­to­ren zur see­li­schen Gesund­heit, sonst fehlt die Mög­lich­keit zur see­li­schen Rege­ne­ra­ti­on.“ Nicht­ma­te­ri­el­le Wel­ten könn­ten bestimm­te Hob­bys wie bei­spiels­wei­se Sport, Kunst, Kul­tur und Musik sein sowie auch Glau­be und Reli­gio­si­tät, so Saal­frank. Das ist bei jedem etwas Anderes.“

Ihr zufol­ge soll­te sich jedes Kind und jeder Jugend­li­che Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen fürs Leben als Basis für see­li­sche Gesund­heit aneig­nen. Und hier kön­ne die kirch­li­che Jugend­ar­beit auch wie­der gut ein­wir­ken und die­se gezielt för­dern. Das Rad muss man aber nicht neu erfin­den, weil hier schon sehr viel an Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen ver­mit­telt wird. Hier kann die Jugend­ar­beit mit all ihren Ange­bo­ten rich­tig punk­ten.“ Geför­dert wer­den u.a. sozia­le Ver­träg­lich­keit und Empa­thie, Fein­füh­lig­keit, Selbst- und Welt­ver­trau­en, Emo­ti­ons­re­gu­la­ti­on und Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz, Maß­hal­ten-Kön­nen bzw. Genüg­sam­keit und Zufrie­den­heit. Saal­frank defi­nier­te schließ­lich – aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht – die vier K‘s“: Krea­ti­vi­tät, Kol­la­bo­ra­ti­on bzw. Zusam­men­ar­beit, kri­ti­sches Den­ken und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wenn es gelingt, die­se Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen zu ver­mit­teln, ist viel gewon­nen – und eine gute Basis geschaff­ten für Resilienz.

Resilienz praktisch – Workshops und Austausch

In die Pra­xis ging es für die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer nach dem Vor­trag. Im metho­di­schen Aus­tausch haben sie Wis­sen und Erfah­run­gen geteilt. Und am zwei­ten Fort­bil­dungs­tag stan­den dann noch ver­schie­de­ne Work­shops auf dem Pro­gramm, in denen schließ­lich vie­le Ideen gesam­melt wur­den für pra­xis­na­he Resi­li­enz­för­de­rung und see­li­sche Gesund­heit bei Jugend­li­chen und Begleitenden.

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