Foto: Monika Wagmann
Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt bereits heute. Sie schreibt Texte, analysiert Daten, unterstützt Entscheidungen und übernimmt zunehmend Aufgaben, die bisher Menschen vorbehalten waren. Doch was bedeutet das für Beschäftigte, für soziale Gerechtigkeit und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Diesen Fragen widmete sich der alle vier Jahre stattfindende Diözesantag der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) in der Diözese Passau e. V. am 4. und 5. Juli 2026 in der Landvolkshochschule Niederalteich. Neben dem Studienteil stand der Diözesantag auch im Zeichen des Aufbruchs. Mit Neuwahlen und einer Weiterentwicklung der Verbandsstrukturen stellte die KAB wichtige Weichen für die kommenden Jahre.
Nach ihren Begrüßungsworten hieß die Diözesanvorsitzende Angelika Görmiller als Vertreter der KAB Deutschland, Stefan Wöstmann aus Osnabrück, herzlich willkommen. Wöstmann berichtete in seiner Begrüßungsrede aus der aktuellen Arbeit des KAB Bundesverbandes und rief dazu auf: „Geht auf die Straße, seid sichtbar – das ist die Kernaufgabe der KAB für Menschen einzustehen, die dies nicht können“. KAB Diözesanpräses Johannes B. Trum ging in seiner Begrüßung zum einen auf die unendlich wertvolle Arbeit der Ehrenamtlichen ein und bedankte sich, dass diese, die Stimme gegen soziale Ungerechtigkeit erheben. In Bezug auf das Thema des Diözesantages, rief er dazu auf, das menschliche Band, in einer digitalisierten Welt zu verteidigen – menschliche Empathie dürfe nicht durch digitale Effizienz ersetzt werden.
In ihrem Diözesanvorstandsbericht betonte die Diözesanvorsitzende Görmiller, dass die soziale Schieflage wachse: Kürzungen betreffen vor allem Menschen mit geringem Einkommen, während eine gerechte Besteuerung von Superreichen und großen Vermögen ausbleibe. Sie forderte soziale Gerechtigkeit und eine Politik im Sinne der katholischen Soziallehre. In ihren Abschlussworten nach 28 Jahren als KAB-Diözesanvorsitzende verabschiedete sich Angelika Görmiller mit großem Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die geleisteten gemeinsamen Herausforderungen. Eines ihrer Schwerpunktthemen war immer die soziale Gerechtigkeit als Teil der Kirche durchzusetzen in die Gesellschaft und Politik hinein. Für die Zukunft wünschte sie der KAB, dass sie weiterhin eine starke und hörbare Stimme für soziale Gerechtigkeit und ein kirchlicher Kompass für die Gesellschaft sein möge. Die KAB soll mutig neue Wege gehen, ihre Wurzeln bewahren und Anwältin der Menschen bleiben, deren Stimme oft überhört wird.
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Pfarrer Trum sagte Görmiller auf herzlichste ein „Vergelt‘s Gott“ für dieses jahrzehntelanges außergewöhnliche Engagement zum Wohle so vieler Menschen: „Du bist ein Motor, der vieles in Gang gebracht hat: „Wir hoffen, dass du künftig nicht nur ein offenes Ohr, sondern auch weiterhin ein Herz für die KAB hast“. Mit großem Verantwortungsbewusstsein und viel Herzblut habe sie in der Diözese die Arbeit des Verbandes über viele Jahre maßgeblich geprägt. Von den Delegierten wurde in Würdigung dieses großen Engagement Angelika Görmiller zur Ehrenvorsitzenden ernannt.
Eine weitere richtungsweisende Entscheidung war die Wahl der neuen Diözesanleitung. Ihr wurde mit großer Spannung entgegengesehen, da neben der Diözesanvorsitzenden auch die meisten bisherigen Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber in der Diözesanleitung für eine erneute Wahl nicht mehr zur Verfügung standen. Gewählt wurde als neue KAB-Diözesanvorsitzende, die seit November 2025 amtierende KAB-Kreisvorsitzende von Altötting, Jasmin Geltinger. Als DGB-Kreisvorsitzende in Altötting bringt sie die nötige Erfahrung, Kompetenz und Sachkenntnis der sozialen Themen mit. Sie tritt damit die Nachfolge von Angelika Görmiller an. Als KAB-Diözesanvorsitzender wurde der Kreisvorsitzende von Vilshofen und bisherige Beirat, Alois Straßer, gewählt. Das Amt war bisher vakant — Straßer ist seit 1978 Mitglied bei der KAB und seit vielen Jahren in Führungspositionen im Ortsverband und Kreisverband Vilshofen. In weiteren Wahlgängen wurden die Stellvertreterinnen, Stellvertreter, Beiräte, Kassiererin und Kassenprüfer gewählt.
Unsere Verantwortung für die Zukunft als Vorbild hinsichtlich KI legte die Referentin Frau Dr. theol. Alexandra Kaiser-Duliba, Dozentin am Institut für Sozialethik an der Universität Luzern, in den Studienteilen am Samstag und Sonntag den Teilnehmenden ans Herz. Die Wissenschaftlerin machte deutlich, dass KI oder wie es eigentlich heißen sollte, datenbasierte Systeme, längst in unsere Arbeitswelt massiv eingegriffen hat. Entscheidend sei nicht, was KI alles leisten könne, sondern wie ihr Einsatz sozial gerecht und verantwortungsbewusst gestaltet werden könne. Unter anderem ging sie auf die enormen Herausforderungen, Entwicklungen und Auswirkungen der datenbasierten Systeme ein. Sie wies auf die zehn globalen Gefahren von KI hin — die Maschine folge immer dem Algorithmus. Die Referentin nahm auch mehrfach Bezug zur Enzyklika von Papst Leo. Der Einsatz von menschenrechtsbasierter KI sei unerlässlich für die Zukunft, damit der Mensch weiterhin die Oberhand behält: „Was gut ist – das bleibe weiterhin die wichtigste Aufgabe des Menschen“. Am Samstag wurden in Workshops wichtige Aufgaben für die Arbeit der KAB definiert und herausgearbeitet. Eine rege Diskussion zu KI schloss sich am Sonntag dem Studienteil an. Für die KAB sieht Dr. Kaiser-Duliba, die auch als Beraterin, Co-Gründerin und Speakerin tätig ist, vor allem die Aufgabe, Arbeitnehmende durch Information, Aufklärung und Schulungen im kompetenten Umgang mit KI zu stärken. Hier wäre auch im Besonderen die Betriebsseelsorge gefordert.
Ein besonderer Höhepunkt war der Festgottesdienst am Sonntag mit KAB Diözesanpräses Johannes B. Trum in der Basilika Niederaltaich. Voran die Fahnenabordnungen, zogen die Ehrengäste, Hauptamtliche und Mitglieder und Delegierte aus den Kreis- und Ortsverbänden der Diözese Passau in einem Festzug in die Kirche ein. Pfarrer Trum stellte in seiner Predigt die Würde des Menschen in den Mittelpunkt. In seiner Predigt stellte er die Frage, lasse die Arbeit die Menschen wachsen oder werde er alleine auf Leistung reduziert. „Der Mensch ist kein Zahnrad im Getriebe der Industrie, sondern ein Mensch mit Würde und keine Ware“, betonte er. In Bezug auf das Thema des Diözesantages sprach er auch über die sogenannte Künstliche Intelligenz, KI könne in vielen Bereichen wertvolle Unterstützung sein, brauche aber eine ethische Orientierung. „KI ersetzt nicht das Gewissen. Sie kennt keine Liebe, kein Mitgefühl, und keine Trauer – dazu braucht es den Menschen“.
Persönliche Begegnungen und der angeregte Austausch der Teilnehmenden samt kleinem Imbiss schlossen sich in der LVHS Niederalteich an. Als Ehrengäste konnten der Stellvertretende Landrat von Deggendorf und langjähriges KAB-Mitglied, Alois Oswald, sowie drei Vertreter aus der DGB Niederbayern, Andreas Schmal, Bettina Blöm und Thomas Kehler begrüßt werden. Kurze Grußworte von Andreas Schmal, Alois Oswald und von der Landtagsabgeordneten Roswitha Toso schlossen sich an und würdigten in ihren Worten die gemeinsame Arbeit und die gute Zusammenarbeit. Am Samstag und Sonntag war ebenso vertreten der Jugendverband der KAB, die CAJ Passau, vertreten durch Diözesansekretär Franz Schlüsselhuber und Matthias Reischl, den CAJ-Landesvertreter für Passau.
„Nicht nur die Arbeit ist im Wandel, sondern ebenso das gesamte gesellschaftliche Leben“, so KAB-Diözesanpräses Trum in seinen Schlussworten. „Die Zukunft der Arbeit betrifft uns alle. Der KAB Diözesantag hat Raum geschaffen, gemeinsam über die Herausforderungen von morgen nachzudenken, Perspektiven für eine menschenwürdige, solidarische und gerechte Arbeitswelt zu entwickeln und das Bewusstsein für unsere gemeinsame Verantwortung gegenüber den Menschen zu stärken“.
Text: Monika Wagmann


