Kirche vor Ort

Ethik im digitalen Wandel

Redaktion am 04.06.2025

Info Icon Foto: Diana Millgramm
„Vor 50 Jahren war das alles noch Utopie“, stellte Martin Behringer, Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Passau, gleich zu Beginn klar.

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags – und dennoch wirft sie viele neue Fragen auf. In der Landvolkshochschule Niederalteich diskutierten Vertreter aus Kirche, Bildung und Politik, wie sich die Gesellschaft im digitalen Zeitalter orientieren kann.

Mar­tin Beh­rin­ger, Vor­sit­zen­der der Katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung im Bis­tum Pas­sau, erin­ner­te in sei­ner Begrü­ßung dar­an, wie schnell die einst uto­pi­schen Visio­nen zur Wirk­lich­keit gewor­den sind. Heu­te ist KI auf nahe­zu jedem Han­dy prä­sent, beein­flusst sozia­le Medi­en und ver­än­dert Kom­mu­ni­ka­ti­on, Arbeit und Bil­dung. Beh­rin­ger zitier­te Ste­phen Haw­king: KI kön­ne das Bes­te oder Schlimms­te sein, was dem Men­schen pas­sie­ren kann – und genau die­se Spann­brei­te gel­te es zu reflektieren.

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Die Moderation des Abends übernahm Helmut Degenhart, ebenfalls im Vorstand der KEB.

Dr. Fabi­an Meh­ring, Baye­ri­scher Staats­mi­nis­ter für Digi­ta­les, warn­te davor, KI allein als Bedro­hung zu sehen. Sie sei ein Werk­zeug – ver­gleich­bar mit einem Ham­mer, mit dem man bau­en oder ihn dem Nach­barn über­zie­hen kön­ne. Ziel müs­se es sein, die Tech­nik so ein­zu­set­zen, dass sie den Men­schen dient. Dabei sei ent­schei­dend, die Digi­ta­li­sie­rung nicht um ihrer selbst wil­len zu betrei­ben, son­dern dort, wo sie gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Nut­zen bringt.

Ein zen­tra­ler Aspekt des Abends war die Fra­ge nach Teil­ha­be. Hel­mut Degen­hart, der die Mode­ra­ti­on über­nahm, sprach offen über die Gefahr, dass Tei­le der Bevöl­ke­rung bei der digi­ta­len Ent­wick­lung abge­hängt wer­den. Meh­ring beton­te, sein Minis­te­ri­um sei dar­auf vor­be­rei­tet: Neben der Ver­wal­tung und der Wirt­schaft sei die digi­ta­le Teil­ha­be eine der drei Säu­len sei­nes Hau­ses. Beson­ders lob­te er Pro­jek­te, in denen jun­ge Men­schen älte­ren den digi­ta­len All­tag näher­brin­gen – so kön­ne Digi­ta­li­sie­rung ver­bin­den statt trennen.

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Dr. Fabian Mehring (r.) ist der "selbsternannter Zukunftsminister“ - er wolle vorangehen, aber auch Risiken von KI klar benennen. Barbara J. Th. Schmidt (l.), Direktorin der Landvolkshochschule Niederalteich, betonte die Verantwortung der Erwachsenenbildung.

Bar­ba­ra J. Th. Schmidt, Direk­to­rin der Land­volks­hoch­schu­le, stell­te die ethi­sche Dimen­si­on in den Vor­der­grund. Sie frag­te, ob es legi­tim sei, Pro­duk­te zu ver­wen­den, die unter Bedin­gun­gen ent­ste­hen, die mit demo­kra­ti­schen und kirch­li­chen Wer­ten nicht ver­ein­bar sind. Der Umgang mit KI in der Erwach­se­nen­bil­dung dür­fe sich nicht auf rei­ne Tech­nik­ver­mitt­lung beschrän­ken, son­dern müs­se auch kri­ti­sches Den­ken und ethi­sche Urteils­fä­hig­keit för­dern. Bil­dung ist nicht nur Wis­sens­ver­mitt­lung, son­dern Per­sön­lich­keits­bil­dung“, beton­te sie.

Auch das Aus­ein­an­der­drif­ten der Gesell­schaft durch Des­in­for­ma­ti­on und Pola­ri­sie­rung in sozia­len Medi­en wur­de the­ma­ti­siert. Der Minis­ter for­der­te mehr Sicht­bar­keit der demo­kra­ti­schen Mit­te im digi­ta­len Raum. Gera­de die Kir­che, so sein Appell, kön­ne hier eine wich­ti­ge Rol­le spie­len, etwa durch ihre Bil­dungs­ar­beit. Und hier hol­te er gleich die LVHS mit ins Boot, deren Fan er nach die­sem Abend sei: Er lud die Bil­dungs­ein­rich­tung in die Bay­ern Alli­anz gegen Des­in­for­ma­ti­on ein.

Einig­keit bestand dar­in, dass KI die Gesell­schaft tief­grei­fend ver­än­dert – und dass die­se Ver­än­de­rung gestal­tet wer­den muss. Nicht durch Angst, son­dern durch Ver­ant­wor­tung, Auf­klä­rung und ethi­sche Ori­en­tie­rung. Die katho­li­sche Erwach­se­nen­bil­dung, so wur­de an die­sem Abend klar, kön­ne dabei ein wich­ti­ger Anker sein.

Text: Dia­na Millgramm

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