Foto: Diana Millgramm
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags – und dennoch wirft sie viele neue Fragen auf. In der Landvolkshochschule Niederalteich diskutierten Vertreter aus Kirche, Bildung und Politik, wie sich die Gesellschaft im digitalen Zeitalter orientieren kann.
Martin Behringer, Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Passau, erinnerte in seiner Begrüßung daran, wie schnell die einst utopischen Visionen zur Wirklichkeit geworden sind. Heute ist KI auf nahezu jedem Handy präsent, beeinflusst soziale Medien und verändert Kommunikation, Arbeit und Bildung. Behringer zitierte Stephen Hawking: KI könne das Beste oder Schlimmste sein, was dem Menschen passieren kann – und genau diese Spannbreite gelte es zu reflektieren.
Foto: Diana Millgramm
Dr. Fabian Mehring, Bayerischer Staatsminister für Digitales, warnte davor, KI allein als Bedrohung zu sehen. Sie sei ein Werkzeug – vergleichbar mit einem Hammer, mit dem man bauen oder ihn dem Nachbarn überziehen könne. Ziel müsse es sein, die Technik so einzusetzen, dass sie den Menschen dient. Dabei sei entscheidend, die Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen zu betreiben, sondern dort, wo sie gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen bringt.
Ein zentraler Aspekt des Abends war die Frage nach Teilhabe. Helmut Degenhart, der die Moderation übernahm, sprach offen über die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung bei der digitalen Entwicklung abgehängt werden. Mehring betonte, sein Ministerium sei darauf vorbereitet: Neben der Verwaltung und der Wirtschaft sei die digitale Teilhabe eine der drei Säulen seines Hauses. Besonders lobte er Projekte, in denen junge Menschen älteren den digitalen Alltag näherbringen – so könne Digitalisierung verbinden statt trennen.
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Barbara J. Th. Schmidt, Direktorin der Landvolkshochschule, stellte die ethische Dimension in den Vordergrund. Sie fragte, ob es legitim sei, Produkte zu verwenden, die unter Bedingungen entstehen, die mit demokratischen und kirchlichen Werten nicht vereinbar sind. Der Umgang mit KI in der Erwachsenenbildung dürfe sich nicht auf reine Technikvermittlung beschränken, sondern müsse auch kritisches Denken und ethische Urteilsfähigkeit fördern. „Bildung ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern Persönlichkeitsbildung“, betonte sie.
Auch das Auseinanderdriften der Gesellschaft durch Desinformation und Polarisierung in sozialen Medien wurde thematisiert. Der Minister forderte mehr Sichtbarkeit der demokratischen Mitte im digitalen Raum. Gerade die Kirche, so sein Appell, könne hier eine wichtige Rolle spielen, etwa durch ihre Bildungsarbeit. Und hier holte er gleich die LVHS mit ins Boot, deren Fan er nach diesem Abend sei: Er lud die Bildungseinrichtung in die Bayern Allianz gegen Desinformation ein.
Einigkeit bestand darin, dass KI die Gesellschaft tiefgreifend verändert – und dass diese Veränderung gestaltet werden muss. Nicht durch Angst, sondern durch Verantwortung, Aufklärung und ethische Orientierung. Die katholische Erwachsenenbildung, so wurde an diesem Abend klar, könne dabei ein wichtiger Anker sein.
Text: Diana Millgramm



