Foto: Josef Damberger
Im Rahmen der traditionellen „Klostergespräche“ in Thyrnau hat Bischof Stefan Oster SDB dem Publikum den Apostel Paulus nähergebracht.
Seit fast 20 Jahren gibt es den „Verein der Freunde und Förderer des Klosters Thyrnau e.V.“. Zu dessen jährlich wiederkehrenden Aktivitäten gehört das inzwischen schon traditionelle „Klostergespräch“. Dabei werden Referenten eingeladen, die über interessante Themen berichten. Diesmal war der Referent kein Geringerer als Bischof Dr. Stefan Oster; sein Thema lautete: „Paulus von Tarsus – der Apostel, den alle kennen sollten“.
Der Abend begann mit einem Chorgebet in der Klosterkirche, die bereits sehr gut besucht war. Anschließend begrüßte Priorin Sr. Lucia die Zuhörer und zeigte sich hocherfreut über das große Interesse. Pfarrer Michael Hüttner, Vorsitzender des Fördervereins, war verhindert und wurde durch Norbert Sterl vertreten, der ebenfalls ein kurzes Grußwort sprach.
Danach stellte Bischof Oster im voll besetzten Gertrudsaal diesen ungewöhnlichen Apostel mit seiner noch ungewöhnlicheren Biografie vor. Dabei war an der lebendigen und mitreißenden Vortragsweise des Bischofs abzulesen, dass er für dieses Thema wahrlich brennt und die Zuhörer förmlich mitriss. Sollte er, so der Bischof weiter, dereinst ins Paradies kommen, so wäre Paulus einer derjenigen, auf dessen Zusammentreffen er sich am meisten freue.
Saulus, so sein ursprünglicher Name, war ein hochgebildeter jüdischer Pharisäer, der die zahlreichen jüdischen Gesetze, Gebote und Verbote kannte und befolgte. Als Christenverfolger war er ein erklärter Feind des neuen Glaubens. Die Apostelgeschichte berichtet vom sogenannten „Damaskuserlebnis“, als er eine Christusvision hatte, zum Apostel wurde und sich fortan „Paulus“ nannte. Manche Menschen sehen in diesem Moment die Geburtsstunde des Christentums.
Auch heute noch gibt es das geflügelte Wort „vom Saulus zum Paulus“ im Falle eines plötzlichen Sinneswandels. Nach mehreren Missionsreisen, zum Beispiel nach Zypern oder Kleinasien, kam es in den Jahren 48/49 n. Chr. zum ersten Apostelkonzil, das als Initialzündung für das Christentum angesehen werden kann. Das Revolutionäre an dem neuen Glauben war, dass jeder Christ werden konnte – unabhängig von Herkunft oder vorheriger Religion.
In zahlreichen Briefen an seine Gemeinden propagierte er den neuen Glauben, wobei einige der Briefe von ihm selbst stammten, andere nur in seinem Namen verfasst wurden. So wurde Paulus zum Verkünder des Evangeliums in der nichtjüdischen Welt.
Vermutlich um das Jahr 64 n. Chr. wurde Paulus in Rom im Zuge der Christenverfolgung unter Kaiser Nero hingerichtet, da er als führender christlicher Missionar galt. Hätte er nicht die römischen Bürgerrechte besessen, wäre er wohl gekreuzigt worden; so aber wurde er als Märtyrer mit dem Schwert enthauptet.
Text: Josef Damberger

