Von 1173 Wahlberechtigten ab 14 Jahren haben 83 Personen ihre Stimme abgegeben. Davon erhielt Lukas Brunnhuber 77. Er ist damit einer von vier Neuen im siebenköpfigen Team. Und nicht nur das: Das Gremium hat ihn zu seinem Vorsitzenden gewählt. Damit dürfte er der jüngste Pfarrgemeinderatsvorsitzende sein, so Thomas Huber, Abteilungsleitung Räte und Verbände im Bistum Passau. Doch noch sind nicht alle konstituierenden Sitzungen abgehalten und die Endergebnisse gemeldet. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Lukas der Jüngste sein wird“, so Huber.
Mit seinen 17 Jahren ist Lukas Brunnhuber gerade in der Ausbildung zum Hotelfachmann im nahe gelegenen Burghausen. „Ich bin im zweiten Ausbildungsjahr und es macht großen Spaß“, so der junge Harter, der eigentlich Veranstaltungsmanager lernen wollte. „Aber das lern‘ ich in meiner Ausbildung auch ein bisschen. Und wer weiß, was noch kommt.“
Neben Schule und Arbeit ist sein Hauptaufenthaltsort gerade die Kirche, denn es ist Osterzeit. Für ihn die wichtigste im Jahr. Am vergangenen Palmsonntag war er in der Sakristei anzutreffen. Einen besonderen Dienst hatte er nicht. „Ich wusele ein bisschen hier und ein bisschen dort“, lacht er. Den Kleineren gibt er Anweisungen, was sie tun müssen. Auf Augenhöhe, ohne den erhobenen Finger, sondern eine liebevolle Anleitung mit viel Lob im Nachgang. Sind alle instruiert, spricht er mit Pfarrvikar George Mampally noch letzte Einzelheiten durch – doch alles ist paletti, der Palmsonntag konnte wie immer starten. So hat er elf Ministranten unter seinen Fittichen. „Vier bis fünf sind bei den Gottesdiensten immer im Dienst.“
Dass sich Lukas Brunnhuber kirchlich engagiert, kommt nicht von ungefähr. Er ist kirchlich und katholisch aufgewachsen. Vom Elternhaus aus hat er den Kirchturm fest im Blick und fast täglich stattet er dem Kirchenbau oder dem Pfarrheim einen Besuch ab.
Foto: Tine Limmer
Vor allem jetzt in den Ostertagen ist er nicht nur einmal täglich dort zu finden, sondern mehrfach, wenn er nicht gerade am Schlagzeug oder auf dem Moped sitzt.
Mit der Erstkommunion startete seine kirchliche Laufbahn. „Meine große Schwester, Nachbarskinder und Freunde sind Ministranten und das wollte ich auch machen. Es ist eine gute Gelegenheit mit Gleichaltrigen etwas zu unternehmen. Andere Jugendgruppen, wie die Landjugend oder die Kolpingjugend gibt es hier nicht“, erklärt er.
Es sei die Gemeinschaft, die ihn auch nach fast zehn Jahren noch fesselt und ihm Freude bereitet. Besonders die Coronazeit war besonders für ihn. Viele Ministranten haben aufgehört und fast hätte sich die ganze Gruppe aufgelöst. „Doch wir konnten das Ruder nochmals herumreißen. Wir haben Neues angefangen und diese Aktionen ausgebaut. Wir haben in der Adventszeit mit einem kleinen Tisch begonnen, auf dem wir Kinderpunsch nach dem Gottesdienst ausgeschenkt haben. Jetzt, vier Jahre später, konnten wir einen Adventsmarkt mit elf Ständen anbieten“, berichtet er stolz. Doch das ist nicht alles, was die Ministrantengruppe mit ihm und seinen Freunden Kilian Niedersteiner und Ludwig Zieglgänsberger als Oberministranten aufgezogen haben. Ein Public-Viewing zur Fußballeuropa- und ‑weltmeisterschaft, der Ministrantentag für den Pfarrverband in Hart, sowie die Fronleichnamsaltäre und der Erntedankaltar, die von ihnen aufgebaut werden, kann er sich auf die Fahne schreiben. In diesem Jahr baut er am Gründonnerstag zusammen mit Kilian das Heilige Grab im Altarraum zum zweiten Mal wieder auf.
Dass er nun auf der Liste der Pfarrgemeinderatskandidaten gestanden hat, ist seiner Mutter zu verdanken, die nun mächtig stolz auf ihren Sohn ist. Was man im Pfarrgemeinderat macht? „Feste organisieren und Jugendarbeit, hab ich mir vorgestellt“, gibt er zu. Dass er gewählt wird, damit hat er schon gerechnet, und dass er die meisten Stimmen erhalten hat, wertet er als Anerkennung für seine Arbeit der letzten Jahre. Sich selbst habe er bei der konstituierenden Sitzung nicht vorgeschlagen. „Doch hat mich das Gremium ermutigt, das Wahlergebnis anzuerkennen und mich der Herausforderung zu stellen“, freut sich Brunnhuber.
Dass es im letzten Jahr 21 Kirchenaustritte allein in Hart gegeben hat und im Pfarrverband Feichten 45, stimmt ihn bedenklich. „Die Skandale in der Kirche, auch in der nächsten Umgebung, hat viele abgeschreckt. Doch ich möchte ein Teil der Kirche sein und bleiben. Man muss von seinem Glauben überzeugt sein – nicht unbedingt von der Kirche oder von einer Person. Ich sehe die Kirchengebäude als offenen oft auch lustigen Raum, in dem man viel lernen und über sich erfahren kann, wenn man es zulässt“, ist er überzeugt. Es ist die Gemeinschaft, die trägt und Halt gibt.
Wie man diese Gemeinschaft leben kann, durfte Lukas Brunnhuber vor zwei Jahren in Rom bei der Ministrantenwallfahrt nach Rom erleben. „Es hat dort funktioniert: Die Gemeinschaft unter uns Ministranten vor Ort und im Pfarrverband wurde gestärkt. Ich habe unter den vielen tausend Ministranten auch einige kennengelernt und mit ihnen gesprochen. Vieles ist gleich, manches ist anders. Es waren aber immer junge Leute, die genauso denken wie ich selbst und das Erlebnis der Papstaudienz war grandios,“ schwärmt er.
Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl will er auch für die Pfarrei Hart haben. „Ich mag das gegenseitige Ankeifen und die Uneinigkeiten nicht“, gibt er zu. Für ihn ist es wichtig, dass alle gut zusammenarbeiten. „Nicht für die Kirche, sondern für die Gemeinschaft, für die Pfarrgemeinde, für die Leute von hier“. Dafür will er auch wieder Jung und Alt, die Vereine, die Mutterkindgruppe und die Schule gewinnen, so seine Ziele, auch wenn er weiß, dass es in der Arbeitersiedlung eine schwere Aufgabe ist. „Junge Leute muss man bei der Hand nehmen. Wir zeigen den Erstkommunionkindern den Kirchturm und lassen sie hinter die Kirchenkulissen blicken“, erzählt er. Auch nach der Erstkommunion bis hin zur Firmung und darüber hinaus muss man der Jugend etwas bieten. Ihm schwebt unter anderem ein Freiluftgottesdienst auf der Dorfwiese vor.
Foto: Tine Limmer
Den jungen Mann mit Ambitionen lernte Pfarrer Michael Witti bei dessen Erstkommunion kennen und konnte durch die Jahre beobachten, wie er das Amt des Ministranten angepackt hat. „Es war schon großartig, wie er dann später die Gruppenleiterkurse gemacht hat und ein hervorragender Oberministrant geworden ist“, so Witti, der genau beobachtet hat, welches Gespür sein Oberministrant für die Menschen und gleichzeitig auch für die Botschaft Jesu an den Tag gelegt hat. „Immer wieder war er maßgeblich an den tollen Aktionen in den letzten Jahren beteiligt“, so Witti, dem es in besonderer Erinnerung geblieben ist, wie im letzten Jahr zum ersten Mal das Heilige Grab aufgebaut wurde und die Menschen quer durch die Generationen am Karfreitag in die Kirche kamen. „Selbst nach seiner Wahl zum Vorsitzenden hat er mit viel Fingerspitzengefühl gezeigt, wie wichtig das gute Miteinander der Generationen, aber auch das Einbinden anderer Gruppen und Vereine für ihn ist. Er ist ein Teamplayer mit Führungsqualitäten, so, wie er es in der Jugendarbeit gelernt hat. Ich bin sehr stolz auf ihn“, so Witti.
Ein Heiliger ist Lukas Brunnhuber nicht. Er chillt und hängt mit Freunden ab. Schon jetzt freut er sich auf die Burghauser Maiwiese und auf das, was man mit Freunden eben macht. Doch gibt er allen mit: „Wer ein Problem mit der Kirche hat, dann redet nicht lange oder meckert — kommt und macht euch selbst ein Bild von uns.“
Text und Bild: Tine Limmer



