Foto: Birgit Kölbl-Grantner
Deutschordensschwestern ehren ihre Jubilarinnen für insgesamt 305 Jahre Profess.
Ein wahres Freudensfest war der Jubiläumsgottesdienst zu Ehren der fünf Deutschordensschwestern in der Universitätskirche St. Nikola, die vor mehr als fünf Jahrzehnten ihrer Berufung gefolgt sind.
Sie seien Engel der Nächstenliebe, so Generalabt Pater Frank Bayard OT, Hochmeister des Ordens und Hauptzelebrant des Gottesdienstes. Tiefe Wertschätzung und enge Verbundenheit mit den Deutschordensschwestern brachten an diesem Tag auch die zahlreichen Konzelebranten Althochmeister Dr. Arnold Wieland, Prior Pater Christoph Kehr, Superior Pater Jörg Weinbach, Diakon Dr. Stefan Wick, Domprobst Dr. Michael Bär, Msgr. Helmut Reiner, Pfarrvikar Christian Fröschl, Domvikar Peter Kunz sowie Pfarrer Günter Vogl und Dr. Eugen Yurchenko von der Pfarrei Wunsiedel, Yohan Injumala von der Pfarrgemeinde Haidmühle sowie der Subregens des Priesterseminars Christoph Leuchtner und Zeremoniär Florian Weber durch ihre Mitfeier zum Ausdruck.
An diesem Ehrentag feiere man Jahrzehnte freiwillig geschenkter Liebe, Disziplin und Hingabe, so Pater Bayard in seiner Predigt. Man feiere Menschen, die wichtig und auf eine gewisse Art unersetzlich sind. Und man feiere Frauen, die mit wenig Taschengeld in einer Konsumgesellschaft leben und selbst dieses oft noch für Süßigkeiten ausgeben, um andere damit zu beschenken, wie der Prediger schmunzelnd anfügte. Es sei, so Bayard, in der heutigen Zeit oft schwer vermittelbar, dass das Leben einer Ordensschwester ein Leben in Fülle sein könne. Ihr Leben sei ebenso voller Höhen und Tiefen, frohen und traurigen Momenten, jedoch würden sie immer auch einem Ruf folgen, sich Gott und der Welt schenken und darauf vertrauen, dass Gott in dieser Welt wirke.
Den verstorbenen Papst Franziskus zitierend wendet sich Pater Bayard an die Ordensschwestern: „Wie der Matrose auf hoher See den Leuchtturm braucht, der ihm die Route zeigt, um zum Hafen zu gelangen, so braucht die Welt euch. Seid Leuchtfeuer in Nah und Fern!“ Optimismus sowie das Vertrauen auf Gott und die Zukunft vermittelte der Hochmeister in seiner Predigt, an deren Ende er sich vor der Lebensleistung der Jubilarinnen verneigte.
Provinzoberin Sr. Maria-Franziska durfte vier der fünf Jubilarinnen zur Gelübde-Erneuerung in der Pfarrkirche St. Nikola begrüßen. Ihr Versprechen erneuerten Sr. Maria-Goretti Eder und Sr. Maria Anna Förg, die beide für 65 Jahre geehrt wurden, sowie Sr. Adeltraud Biedermann (60 Jahre) und Sr. Magdalena Riedl (50 Jahre). Die 90-jährige Sr. Ruperta Wensauer (65 Jahre) konnte leider aufgrund einer schweren Erkrankung nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. Sie legte, gemeinsam mit Sr. Maria-Goretti und Sr. Maria Anna am 26. Juli 1960 die erste Profess ab.
Es sei ein besonderes Jahr, in dem die Jubilarinnen ihr Professjubiläum feiern würden – ein Heiliges Jahr mit dem Auftrag des verstorbenen Papst Franziskus, als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung unterwegs zu sein, so Oberin Sr. Maria-Franziska in ihrer Ansprache. Wenn man auf das Ordensleben der Jubilarinnen schaue, dann seien sie genau diese Christinnen, so die Provinzoberin. Sie seien Pilgerinnen, die zu und mit den Menschen unterwegs seien, nicht mit einer Ich-bin-dann-mal-weg-Mentalität, sondern mit einer bewussten Lebensentscheidung.
Foto: Birgit Kölbl-Grantner
Zum Ende ihrer Rede gab es noch eine Überraschung für Sr. Maria Franziska. Hochmeister Pater Bayard gratulierte der Provinzoberin zu ihrem Runden, 30 Jahre Profess. Ein Jubiläum, das laut Sr. Maria Franziska in aller Bescheidenheit an diesem Tag nicht gefeiert werden sollte. Der Hochmeister dankte ihr trotzdem sehr herzlich und brachte seine Wertschätzung zum Ausdruck mit den Worten: „Was sie alles leistet, dafür reicht schon jetzt ein ganzes Leben nicht. Mir ist unvorstellbar, wie sie das alles schafft.“
Thomas Jünger, Balleimeister der Ballei Deutschland, dankte den Jubilarinnen für gemeinsame 305 geschenkte Ordensjahre, ihre Hingabe und Treue. Ein ganz besonderer Tag sei dies heute, so der Balleimeister, der daran erinnerte, dass dies auch der Todestag der Heiligen Teresia Benedikta sei, die im August 1945 in Auschwitz ums Leben kam und nun als Märtyrerin verehrt wird. Das Kreuz der Erlösung, führte der Balleimeister aus, sei auch das Kennzeichen des Ordens und stehe für Kraft und Stärke und den Kern des christlichen Lebens, der Hingabe.
Die abschließenden Dankesworte sprach Komtur Dr. Thomas Koch von der Komturei an der Donau, der sich aufrichtig vor der Lebensleistung dieser Frauen verbeugte. Heute sei nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Moment des Innehaltens, denn Berufung ist kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf einen inneren Ruf. So fragen die Jubilarinnen nicht nach ihren Vorteilen. Vermutlich sei auch deren Weg durchsetzt von Zweifel und Wandel. Allerdings seien sie nicht nach 45 Berufsjahren in Rente gegangen, sondern in ihrer Berufung geblieben. Die Lebensform der Ordensschwestern sei ein stiller Protest gegen Oberflächlichkeit und Selbstverwirklichung, so der Komtur. Sie erinnern daran, dass es mehr gibt als das Sichtbare.
Nach dem Schlusssegen, gespendet von Hauptzelebrant Pater Frank Bayard, genossen die Festgäste noch ein gemütliches Beisammensein im Innenhof des Klosters.
Text: Birgit Kölbl-Grantner



