Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Gott führt nicht nur sein Volk – er geht selbst mit. Diese Botschaft der Geschichte des Exodus aus dem Alten Testament gilt auch für uns. Der Gott, der damals befreit hat, geht auch heute mit – durch Übergänge, durch Unsicherheit, durch Schuld, durch unser Leben. Ein Impuls zum Fest der Taufe des Herrn am 11. Januar 2026 von Jugendpfarrer Hubertus Kerscher.
Gute Erzählungen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie greifen Themen und Geschichten auf, die die Menschen kennen und die sie bewegen. Das Matthäusevangelium ist da keine Ausnahme. Unser Evangelist möchte die Geschichte von Jesus erzählen, dem Immanuel, das heißt dem „Gott-mit uns“. Er will seinen Lesern erklären, wer da genau in Bethlehem geboren wurde und was das für sie bedeuten könnte. Dazu greift er auf die großen Erzählungen zurück, die sich die Israeliten schon seit Generationen weitererzählen und die ihnen eine Identität geben. Eine der wichtigsten ist die Geschichte vom Exodus, vom Auszug aus Ägypten. Alle Juden kennen diese Urerzählung ihres Volkes. Sie ist wie die Gründungsurkunde ihrer Gemeinschaft. Sie erzählt von Gott, der Mose und das Volk aus Ägypten befreit und durch das Meer und die Wüste führt und ihnen eine Heimat gibt.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Immer wieder finden sich im Matthäusevangelium Anspielungen, die man erkennt, wenn man in den Erzählungen des Alten Testaments zuhause ist. Die Heilige Familie flieht vor einem Gewaltherrscher, wie Israel vor dem Pharao fliehen musste. Gott ruft seinen Sohn dann aus Ägypten zurück – wie einst Israel. Jesus wird 40 Tage in der Wüste verbringen und dort vom Teufel versucht werden, so wie Israel 40 Jahre in der Wüste verbracht hat und Versuchungen ausgesetzt war. Jesus wird auf dem Berg über Gottes Gebote predigen, wie einst Mose am Sinai. Die Botschaft ist: Der Gott der Bibel ist kein Gott der Distanz. Schon im Exodus geht er mit – durch Wüste und Wasser. Matthäus erzählt Jesus so, dass wir genau das wiedererkennen.
Wenn Jesus sich im heutigen Evangelium im Jordan taufen lässt, steht er im Wasser wie Israel einst im Meer. Matthäus sagt damit: Der Exodus geht weiter. Aber Gott führt nicht nur sein Volk – er geht selbst mit. Im Jesus-Immanuel wird der Gott des Exodus sichtbar, der „Gott-mit-uns“. Das heißt: Der Gott, der damals befreit hat, geht auch heute mit – durch Übergänge, durch Unsicherheit, durch Schuld, durch unser Leben. Christlicher Glaube beginnt nicht mit Tun und Aktionismus, sondern mit dem Vertrauen: Ich gehe nicht allein.
Hubertus Kerscher
Jugendpfarrer



