Das glauben wir

Gott geht mit

Redaktion am 09.01.2026

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Gott führt nicht nur sein Volk – er geht selbst mit. Diese Botschaft der Geschichte des Exodus aus dem Alten Testament gilt auch für uns. Der Gott, der damals befreit hat, geht auch heute mit – durch Übergänge, durch Unsicherheit, durch Schuld, durch unser Leben. Ein Impuls zum Fest der Taufe des Herrn am 11. Januar 2026 von Jugendpfarrer Hubertus Kerscher.

Gute Erzäh­lun­gen ent­ste­hen nicht im luft­lee­ren Raum. Sie grei­fen The­men und Geschich­ten auf, die die Men­schen ken­nen und die sie bewe­gen. Das Mat­thä­us­evan­ge­li­um ist da kei­ne Aus­nah­me. Unser Evan­ge­list möch­te die Geschich­te von Jesus erzäh­len, dem Imma­nu­el, das heißt dem ​„Gott-mit uns“. Er will sei­nen Lesern erklä­ren, wer da genau in Beth­le­hem gebo­ren wur­de und was das für sie bedeu­ten könn­te. Dazu greift er auf die gro­ßen Erzäh­lun­gen zurück, die sich die Israe­li­ten schon seit Gene­ra­tio­nen wei­ter­erzäh­len und die ihnen eine Iden­ti­tät geben. Eine der wich­tigs­ten ist die Geschich­te vom Exodus, vom Aus­zug aus Ägyp­ten. Alle Juden ken­nen die­se Urer­zäh­lung ihres Vol­kes. Sie ist wie die Grün­dungs­ur­kun­de ihrer Gemein­schaft. Sie erzählt von Gott, der Mose und das Volk aus Ägyp­ten befreit und durch das Meer und die Wüs­te führt und ihnen eine Hei­mat gibt.

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Immer wie­der fin­den sich im Mat­thä­us­evan­ge­li­um Anspie­lun­gen, die man erkennt, wenn man in den Erzäh­lun­gen des Alten Tes­ta­ments zuhau­se ist. Die Hei­li­ge Fami­lie flieht vor einem Gewalt­herr­scher, wie Isra­el vor dem Pha­rao flie­hen muss­te. Gott ruft sei­nen Sohn dann aus Ägyp­ten zurück – wie einst Isra­el. Jesus wird 40 Tage in der Wüs­te ver­brin­gen und dort vom Teu­fel ver­sucht wer­den, so wie Isra­el 40 Jah­re in der Wüs­te ver­bracht hat und Ver­su­chun­gen aus­ge­setzt war. Jesus wird auf dem Berg über Got­tes Gebo­te pre­di­gen, wie einst Mose am Sinai. Die Bot­schaft ist: Der Gott der Bibel ist kein Gott der Distanz. Schon im Exodus geht er mit – durch Wüs­te und Was­ser. Mat­thä­us erzählt Jesus so, dass wir genau das wiedererkennen.

Wenn Jesus sich im heu­ti­gen Evan­ge­li­um im Jor­dan tau­fen lässt, steht er im Was­ser wie Isra­el einst im Meer. Mat­thä­us sagt damit: Der Exodus geht wei­ter. Aber Gott führt nicht nur sein Volk – er geht selbst mit. Im Jesus-Imma­nu­el wird der Gott des Exodus sicht­bar, der ​„Gott-mit-uns“. Das heißt: Der Gott, der damals befreit hat, geht auch heu­te mit – durch Über­gän­ge, durch Unsi­cher­heit, durch Schuld, durch unser Leben. Christ­li­cher Glau­be beginnt nicht mit Tun und Aktio­nis­mus, son­dern mit dem Ver­trau­en: Ich gehe nicht allein.

Huber­tus Ker­scher
Jugend­pfar­rer

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