Foto: Stefanie Hintermayr/pbp
Jeder Mensch! – lautet die Antwort auf die Frage, die Jesus gestellt wird: Wer ist mein Nächster? Egal, ob Menschen gut oder böse, auf der Flucht oder krank, anderer Meinung oder einer anderen Religion zugehörig, mir nah oder fremd sind: Sie sind meine Nächsten. Ein Impuls zum 13. Juli 2025 von Domdekan Hans Bauernfeind.
Ausgeraubt. Das passiert täglich. Spüren die Räuber, dass sie einem Mitmenschen schaden? ‑Jesus nennt ihn den Nächsten. „Wer ist mein Nächster?“, wird Jesus heute gefragt – und es schwingt unterschwellig mit: Wirklich jeder?
Für Jesus ist der Nächste ohne Einschränkung jeder Mitmensch. Dieser soll so respektvoll behandelt werden, wie Gott es will und wie ich selber in meiner Würde geachtet werden möchte. Wie kann Jesus das begründen? Er erfährt Gott als den dreifaltig-einen: den Vater, den Sohn – also sich selbst – und den Heiligen Geist. Diese drei göttlichen Personen sehen die jeweils andere als den Nächsten an. Sie sind in Liebe miteinander verbunden und wissen sich füreinander solidarisch und verantwortlich. Sie wirken so sehr zusammen, dass sie zwar drei Personen sind, jedoch in dieser Gemeinschaft ein Gott.
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Für Gott sind auch wir Menschen seine Nächsten. Für uns öffnet er seine einige Dreifaltigkeit und lässt uns an seiner Nächstenliebe teilnehmen. Das geschieht durch Jesus, den Sohn Gottes. Er lebt vor, wer der Nächste ist: Jeder Mensch – in meiner Nähe und überall auf der Erde. Wer auf Gott schaut, übt ein, den Menschen als Nächsten zu lieben wie Gott es tut und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Es gilt also: Menschen sind gut oder böse, auf der Flucht oder krank, anderer Meinung oder einer anderen Religion zugehörig, mir nah oder fremd: Sie sind meine Nächsten.
Gemeinsam sind wir berufen, uns als Nächste zu sehen – wie der barmherzige Samariter, der sich um den Ausgeraubten sorgt und ihn rettet. Wir sind aufgerufen, den Nächsten als Mitmenschen mit von Gott geschenkter Würde zu betrachten – auch gegen alle, die diese Sichtweise mit Füßen treten.
Wer also ist mein Nächster? – Jeder Mensch! Wer auf Gott schaut, findet im Anderen den Nächsten. Wer den Nächsten sieht, findet Gott.
Hans Bauernfeind
Domdekan



