Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Der erste Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth kann als Segenswunsch angesehen werden. Paulus richtet sich darin an die Kirche Gottes, in der jeder ein berufener Heiliger ist und die Gemeinschaft mitgestaltet. Für uns heute bedeutet das: Auch ich bin ein Adressat! Ein Impuls zum 18. Januar 2026 von Pfarrer Peter Kieweg.
Die zweite Lesung schenkt uns an diesem ersten grünen Sonntag des Kirchen- und Kalenderjahres den Anfang des ersten Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth: Absender, Adressat und Gruß. Reine Formsache? — Auch, aber eine mit bereits viel Gehalt. Der, oder besser die Absender: Paulus bezeichnet sich als „durch Gottes willen berufenen Apostel Christi Jesu“ und hält fest, dass er nicht allein arbeitet, sondern in communio; für die Abfassung des Briefes und dessen Inhalt zeichnet sich beispielsweise Bruder Sóstehenes mitverantwortlich.
Der Brief richtet sich an die „Kirche Gottes, die in Korinth ist“, deren Glieder als „Geheiligte in Christus Jesus“ bezeichnet werden, als „berufene Heilige“ — und zugleich erfährt die Adresse eine Ausweitung: dass sich alle angeschrieben fühlen dürfen, die Jesu Namen anrufen, also auch wir, nicht nur örtlich, sondern vor allem zeitlich weit entfernt. Der Gruß schließlich ist viel mehr als nur ein höfliches „Hallo“, der Gruß ist Segenswunsch, Gebet: „Gnade sei mit euch und Friede!“ So kennen wir es von der Liturgie her, aber auch von unserer bayerischen Gepflogenheit des „Grüß Gott“ — „Gott segne Dich, er segne unsere Begegnung, unser Miteinander!“
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Wir sehen: Bereits viel Inhalt in diesen Formalien. Und da kommt ja im eigentlichen Briefkorpus noch so viel, etwa die Rede von Christus als dem Gekreuzigten („Gottes Kraft und Gottes Weisheit“), das Kirchenbild vom Leib mit den vielen Gliedern, die überlieferten ersten Glaubensbekenntnisse (Jesus als der Herr, das Zeugnis von der Auferstehung), der älteste Bericht über das Letzte Abendmahl, nicht zuletzt das Hohelied der Liebe.
Der Briefanfang, den wir an diesem Sonntag hören, könnte uns doch dazu veranlassen, eine Bibel zu nehmen, diese aufzuschlagen und dieses kostbare Glaubenszeugnis ganz zu lesen. Denn, so sagten wir zu Beginn, auch ich bin ein Adressat, ein berufener Heiliger. Diese Berufung zur Heiligkeit will ja gelebt werden, unter anderem durch das Lesen der Heiligen Schrift, derart, dass sie zur Begegnung wird, unsere Beziehung zu Gott vertieft. Deshalb sollten wir vor allem diesen Brief so lesen: Weniger fragend, was Paulus den Korinthern damals sagen wollte, sondern: Was will Gott mir heute ins Herz geben, in mein auf ihn hörendes Herz?
Peter Kieweg
Pfarrer Pfarrverband Vilshofen


