Foto: Stefanie Hintermayr/pbp
Irgendeine Sehnsucht treibt jeden Menschen um – Sehnsucht nach Glück und Gesundheit, Gesellschaft und Zweisamkeit, Frieden und Ruhe usw. Leicht erfüllbar wie materielle Wünsche sind diese Sehnsüchte meist nicht. Denn sie zielen auf das Ewige und Transzendente – und schließlich den Transzendenten schlechthin ab: Gott. Ein Impuls zum 20. Juli 2025 von Domvikar Bernhard Kirchgessner.
Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Glauben Sie an Gott? Ich weiß, die Frage ist sehr persönlich und Sie können mir ja via Radio und Fernsehen auch nicht antworten. Dennoch: Glauben Sie an Gott? Während die einen nun wohl halblaut „Ja, ich glaube an Gott“ antworten, werden andere sagen: „Ach lass mich doch bitte mit dem lieben Gott in Ruhe. Ich habe ja nichts gegen ihn, aber ehrlich gesagt, brauche ich ihn nicht. Ich habe, was ich zum Leben brauche, ein Haus, ein tolles Auto, eine nette Familie, einen super Job, ich kann zweimal im Jahr in Urlaub fahren, meine Work-Live-Balance stimmt, das reicht mir. Ich habe wirklich nichts gegen ihn, aber ich brauche ihn einfach nicht.“
Mit Leuten, die so denken, kann man sich schwerlich über Gott unterhalten, ja, nicht mal streiten, denn Gott ist ihnen gleichgültig. Natürlich respektiere ich dies, selbst aber empfinde ich anders, sonst stünde ich jetzt nicht hier. Gestatten Sie mir, Ihnen noch eine zweite Frage zu stellen: Was treibt sie in Ihrem Innersten um? Wonach sehnen Sie sich? Ist Ihnen Ihre Sehnsucht bewusst? Antworten Sie bitte nicht vorschnell, sondern nehmen Sie die Frage in eine stille Stunde oder in den kommenden Urlaub mit.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Warum ich diese Frage stelle? In den zurückliegenden 42 Jahren habe ich als Seelsorger vielfach von den Sehnsüchten der Menschen gehört. Ich kenne eigentlich niemanden, der nicht von Sehnsucht erfüllt wäre. Doch Sehnen und Suchen wonach? Die Antworten sind vielfältig, wie die Menschen. Der Kranke, besonders der Schwerkranke, sehnt sich nach Heilung, der Verlassene nach Wiederkehr des Partners, der Enttäuschte nach Schließung seiner Seelenwunde, der Ausgegrenzte nach gesellschaftlicher Anerkennung, der Einsame nach Zweisamkeit und der Hinterbliebene nach der geliebten Person, von der er sich verabschieden mussten. Sehnsucht treibt uns Menschen um und lässt uns nicht ruhen — und das ist gut so. Analysiert man der Menschen Sehnsüchte, so erkennt man, dass sie sich nicht einfach wie Weihnachts- oder Geburtstagswünsche erfüllen lassen, denn sie peilen das Bleibende, das Ewige, das Transzendente, ja, den Transzendenten schlechthin an, den ich Theologe Gott nenne.
Ich frage Sie und mich: Kann es sein, dass die Sehnsucht der von Gott in uns eingepflanzte Motor ist, der unser Herz nicht eher ruhen lässt, bis es schließlich in Gott ruht? Meine persönliche Antwort auf die Frage nach Gott lautet: Ja, ich glaube an den Gott und Vater Jesu Christi. Er ist mir vor vielen Jahren konkret begegnet, er hat von diesem Zeitpunkt an mein Leben auf den Kopf gestellt und seither treibt die Sehnsucht nach ihm mich um und lässt mich nicht ruhen. Mit ihm hat mein Leben an Tiefe und Qualität gewonnen. Ich möchte Sie ermutigen: Folgen auch Sie ihrer Sehnsucht, spüren sie ihr nach und halten sie sich offen für denjenigen, der Sie finden und Ihr Sehnen stillen möchte.
Bernhard Kirchgessner
Leiter Spectrum Kirche Passau-Mariahilf

