Das glauben wir

Folge deiner Sehnsucht!

Redaktion am 18.07.2025

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr/pbp

Irgendeine Sehnsucht treibt jeden Menschen um – Sehnsucht nach Glück und Gesundheit, Gesellschaft und Zweisamkeit, Frieden und Ruhe usw. Leicht erfüllbar wie materielle Wünsche sind diese Sehnsüchte meist nicht. Denn sie zielen auf das Ewige und Transzendente – und schließlich den Transzendenten schlechthin ab: Gott. Ein Impuls zum 20. Juli 2025 von Domvikar Bernhard Kirchgessner.

Darf ich Ihnen eine Fra­ge stel­len? Glau­ben Sie an Gott? Ich weiß, die Fra­ge ist sehr per­sön­lich und Sie kön­nen mir ja via Radio und Fern­se­hen auch nicht ant­wor­ten. Den­noch: Glau­ben Sie an Gott? Wäh­rend die einen nun wohl halb­laut ​„Ja, ich glau­be an Gott“ ant­wor­ten, wer­den ande­re sagen: ​„Ach lass mich doch bit­te mit dem lie­ben Gott in Ruhe. Ich habe ja nichts gegen ihn, aber ehr­lich gesagt, brau­che ich ihn nicht. Ich habe, was ich zum Leben brau­che, ein Haus, ein tol­les Auto, eine net­te Fami­lie, einen super Job, ich kann zwei­mal im Jahr in Urlaub fah­ren, mei­ne Work-Live-Balan­ce stimmt, das reicht mir. Ich habe wirk­lich nichts gegen ihn, aber ich brau­che ihn ein­fach nicht.“

Mit Leu­ten, die so den­ken, kann man sich schwer­lich über Gott unter­hal­ten, ja, nicht mal strei­ten, denn Gott ist ihnen gleich­gül­tig. Natür­lich respek­tie­re ich dies, selbst aber emp­fin­de ich anders, sonst stün­de ich jetzt nicht hier. Gestat­ten Sie mir, Ihnen noch eine zwei­te Fra­ge zu stel­len: Was treibt sie in Ihrem Inners­ten um? Wonach seh­nen Sie sich? Ist Ihnen Ihre Sehn­sucht bewusst? Ant­wor­ten Sie bit­te nicht vor­schnell, son­dern neh­men Sie die Fra­ge in eine stil­le Stun­de oder in den kom­men­den Urlaub mit.

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War­um ich die­se Fra­ge stel­le? In den zurück­lie­gen­den 42 Jah­ren habe ich als Seel­sor­ger viel­fach von den Sehn­süch­ten der Men­schen gehört. Ich ken­ne eigent­lich nie­man­den, der nicht von Sehn­sucht erfüllt wäre. Doch Seh­nen und Suchen wonach? Die Ant­wor­ten sind viel­fäl­tig, wie die Men­schen. Der Kran­ke, beson­ders der Schwer­kran­ke, sehnt sich nach Hei­lung, der Ver­las­se­ne nach Wie­der­kehr des Part­ners, der Ent­täusch­te nach Schlie­ßung sei­ner See­len­wun­de, der Aus­ge­grenz­te nach gesell­schaft­li­cher Aner­ken­nung, der Ein­sa­me nach Zwei­sam­keit und der Hin­ter­blie­be­ne nach der gelieb­ten Per­son, von der er sich ver­ab­schie­den muss­ten. Sehn­sucht treibt uns Men­schen um und lässt uns nicht ruhen — und das ist gut so. Ana­ly­siert man der Men­schen Sehn­süch­te, so erkennt man, dass sie sich nicht ein­fach wie Weih­nachts- oder Geburts­tags­wün­sche erfül­len las­sen, denn sie pei­len das Blei­ben­de, das Ewi­ge, das Tran­szen­den­te, ja, den Tran­szen­den­ten schlecht­hin an, den ich Theo­lo­ge Gott nenne.

Ich fra­ge Sie und mich: Kann es sein, dass die Sehn­sucht der von Gott in uns ein­ge­pflanz­te Motor ist, der unser Herz nicht eher ruhen lässt, bis es schließ­lich in Gott ruht? Mei­ne per­sön­li­che Ant­wort auf die Fra­ge nach Gott lau­tet: Ja, ich glau­be an den Gott und Vater Jesu Chris­ti. Er ist mir vor vie­len Jah­ren kon­kret begeg­net, er hat von die­sem Zeit­punkt an mein Leben auf den Kopf gestellt und seit­her treibt die Sehn­sucht nach ihm mich um und lässt mich nicht ruhen. Mit ihm hat mein Leben an Tie­fe und Qua­li­tät gewon­nen. Ich möch­te Sie ermu­ti­gen: Fol­gen auch Sie ihrer Sehn­sucht, spü­ren sie ihr nach und hal­ten sie sich offen für den­je­ni­gen, der Sie fin­den und Ihr Seh­nen stil­len möchte.

Bern­hard Kirch­gess­ner
Lei­ter Spec­trum Kir­che Passau-Mariahilf

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