Foto: Bayer / pbp
In existenziellen und lebensbedrohlichen Situationen reagieren Menschen je nach ihrer Prägung auf drei verschiedenen Arten: Fight, Flight or Freeze. Studentenpfarrer Peter Kunz zeigt in seinem Impuls zum vierten Adventssonntag jedoch noch eine vierte Möglichkeit auf, wie man mit erschütternden Situationen umgehen kann — nämlich mit einem unerschütterliches Vertrauen auf Gott.
Stell dir eine Szene vor:
Du sitzt in einem Raum, in dem plötzlich das Licht ausgeht. Alles wird dunkel. Für ein paar Sekunden spürst du, wie dein Herz schneller schlägt. Du tastest nach Orientierung – und merkst: Wenn du nur nach innen hörst, nach deinen eigenen Ängsten, wird es nicht heller. So ähnlich geht es zwei Menschen, von denen die Bibel heute erzählt: Ahas und Josef. Zwei Männer – zwei völlig verschiedene Reaktionen auf die Dunkelheit.
Ahas ist jung, König, unter Druck. Feinde bedrohen sein Land. Und seine erste Reaktion ist: Panik. Er sucht verzweifelt nach menschlichen Lösungen, klammert sich an politische Deals und Militärmacht. Von ihm heißt es: „Das Herz des Königs zitterte wie die Bäume im Wind.“
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Wer kennt das nicht? Dieses innere Zittern. Wenn die Nachrichten uns bedrücken, wenn die Zukunft unklar scheint, wenn wir das Gefühl haben: „Es geht alles bergab.“ Ahas reagiert, wie wir es manchmal tun: Er rennt, um die Angst zu überholen – und bleibt ihr doch ausgeliefert.
Und dann Josef. Sein Leben bricht ebenfalls auseinander: Maria ist schwanger und er weiß, das Kind ist nicht von ihm. Seine Welt könnte genauso dunkel werden, voller Scham, Gerede, Enttäuschung. Aber Josef flieht nicht. Er hält inne. Er hört hin. Und in dieser inneren Stille spürt er eine andere Wirklichkeit: „Fürchte dich nicht.“ Josef entscheidet sich nicht für Angst – sondern für Vertrauen. Nicht weil er alles versteht, sondern weil er glaubt, dass Gott in der Dunkelheit nicht abwesend ist.
Das ist der Wendepunkt der Weihnachtsgeschichte: Ein Mensch öffnet sein Herz – und durch diese kleine Öffnung kommt Licht in die Welt. Vielleicht ist das genau die Frage dieses 4. Advents an uns: Reagiere ich wie Ahas – oder wie Josef? Flüchte ich in hektische Aktivität, in Schwarzmalerei, in Stress – oder wage ich den Moment der Stille, in dem Gott mir sagen kann: „Ich bin bei dir.“? Denn das ist die große Verheißung von Weihnachten: Immanuel – Gott ist mit uns. Nicht irgendwann. Nicht irgendwann, wenn alles geklärt ist. Sondern jetzt. Mitten in unserer Unsicherheit, unserer Müdigkeit, unseren Fragen. Vielleicht ist der 4. Advent genau der richtige Moment, um einen Satz bewusst zu sprechen, der mehr trägt, als wir manchmal glauben: „O komm, Immanuel.“ Komm in meine Dunkelheit. Komm in meine Sorgen. Komm in meine Familie, meine Arbeit, meinen Alltag. Wenn wir das sagen, öffnen wir uns wie Josef für eine Kraft, die größer ist als Angst. Und vielleicht – vielleicht wird es dann ein wenig heller. In uns. Und durch uns.
Studentenpfarrer Peter Kunz

