Foto: Stefanie Hintermayr/pbp
Die Kirche kann man auch durchaus mit einem Feldlazarett vergleichen. Sie ist ein Ort, an dem die Wunden des Lebens versorgt werden – durch die Gebetsgemeinschaft, das Wort Gottes oder die Sakramente. Gott kann für mich wie ein guter Arzt sein. Die Predigt zum 26. Oktober 2025 von Kaplan Tobias Asbeck.
Kommt ein Patient zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, mir fehlt nichts, aber mein Nachbar, den müssten Sie sich mal anschauen.“ Eine absurde Situation. Der Arzt wird sich zu Recht fragen: „Was will dieser Mensch hier, wenn er sich selbst für völlig gesund hält?“ Genauso seltsam ist das Gebet des Pharisäers im heutigen Evangelium. Er stellt sich vor Gott hin und dankt, nicht etwa für eine glückliche Fügung oder das Geschenk des Lebens, sondern dafür, dass er nicht so ist wie die anderen, wie die Sünde – besonders nicht wie dieser Zöllner da hinten. Er zählt seine religiösen Leistungen auf: Fasten, Spenden, die Treue zum Gesetz. Äußerlich alles korrekt, aber die Haltung stimmt nicht, denn das Herz bleibt verschlossen. Der Zöllner dagegen steht abseits. Er wagt nicht einmal, den Blick zu heben. Kein großes Gebet, kein Vergleich, keine Rechtfertigung. Nur ein einziger Satz: Gott sei mir Sünder gnädig.
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Jesus sagt, dieser geht gerechtfertigt nach Hause, der andere nicht. Warum? Weil Gott nicht auf Leistung schaut, sondern auf Ehrlichkeit. Wer zu ihm kommt mit einer Fassade, dem kann er kaum helfen. Aber wer sein Herz öffnet, gerade mit Schuld, Schwäche, Zweifel, mit den Verletzungen, die jeder Mensch hat, der kann Heilung erfahren. Die Kirche ist, so hat es der verstorbene Papst Franziskus immer wieder betont, wie ein Feldlazarett, ein Ort, an dem die Wunden des Lebens versorgt werden – durch die Gebetsgemeinschaft, durch das Wort Gottes, durch die Sakramente.
Das Evangelium lädt ein, in dieses Feldlazarett zu kommen. Was es dazu braucht? Wahrhaftigkeit. Denn nur wer sagt, wo es wehtut, kann heil werden. Im Gebet – ob allein oder in Gemeinschaft – darf ich mich von Gott anschauen lassen, wie ich wirklich bin! Scheinheiligkeit hilft da nichts. Er durchschaut sie sowieso. Aber er vergleicht nicht, sondern schaut mich an mit einem Blick voller Barmherzigkeit. Im Gebet kann ich deshalb getrost ehrlich sein. Dann kann Gott wie ein guter Arzt für mich sein, wenn ich sage, wo es wehtut. Wenn ich mein Leben hinhalte und zulasse, dass er darin wirkt. Wenn ich ehrlich zugebe: „Ich brauche dich.“ Dann kann Gnade wirken. Dann geschieht Heilung und Heil.
Tobias Asbeck
Kaplan Pfarrverband Grafenau

