Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Seid wachsam, „denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ So lautet die Botschaft aus dem Sonntagsevangelium zum 1. Advent am 30. November. Manchmal kommt Gott unerwartet, leise und nicht sofort auf den ersten Blick erkennbar. Also: Seid wachsam! Ein Impuls zum 1. Adventssonntag 2025 von Pastoralreferentin Magdalena Dobler.
In letzter Zeit fällt mir beim Spazierengehen immer häufiger etwas auf: Kameras. An Häusern, die auf Einfahrten und Gärten blicken. Oder kleine Geräte neben der Türklingel, die jeden registrieren – sei es ein Gast oder ein Paketbote. Und auf Parkplätzen erfassen Kameras bereits die Autokennzeichen. Wachsam sein im Sinne von Überwachen ist heute sehr verbreitet. Es ist eine Wachsamkeit, die misstrauisch schaut: Wer nähert sich dem Haus? Wer nimmt vielleicht etwas weg? Wer parkt zu lange?
Und dann lese ich im Evangelium Jesu Worte: „Seid wachsam.“ Auf einmal klingt dieses Wort ganz anders – nicht technisch, sondern existenziell.
Jesus erzählt im Sonntagsevangelium vom Kommen des Menschensohns. Er sagt, von zwei Menschen, die nebeneinander arbeiten, wird einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Ein befremdliches Bild. Warum werden nicht alle mitgenommen? Warum diese Trennung? Handelt es sich um einen drohenden Gott, der die Richtigen erwählt und die Falschen zurücklässt? Nein. Ein solcher Glaube wäre keine Frohe Botschaft. Gottes Gnade ist für alle da.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Jesus meint etwas Anderes. Er sagt: „Seid wachsam – denn der Menschensohn kommt.“ Und ich höre darin: Der Menschensohn kommt – und er ist schon da. Aber wenn ihr nicht bereit seid, bleibt sein Kommen unbemerkt. Dann verpasst ihr ihn. Es geht also um die innere Haltung, um den Glauben und ein offenes Herz für Gottes Kommen. Jesu Mahnung ist keine Drohung. Es ist ein Weckruf. Er warnt davor, dass das Gute geschieht und wir es übersehen. Dass eine Chance da ist auf eine gute Tat, auf ein gutes Wort, auf eine kleine Veränderung – und wir sie nicht ergreifen.
Der Advent ist eine gute Zeit dafür, wieder mehr auf Gottes Kommen in der Welt zu achten. Manchmal steht Gott vor der eigenen Haustür, auch wenn wir ihn nicht mit den Augen sehen. Wenn es dafür eine Überwachungskamera gäbe, das wäre eine tolle Erfindung.
Seien Sie wachsam für Gottes Dasein in der Welt. „Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!
Magdalena Dobler
Pastoralreferentin

