Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Kirche hat in der Welt ihre Rolle in der Opposition, ist deswegen oft auch unbequem. Diese ist auch im Evangelium zugewiesen: Jesus selbst ist konstruktiv-kritisch seinen Weg gegangen. So ist konstruktive Opposition die Berufung der Kirche, zum Heil der Menschen. Ein Impuls zum 7. Dezember 2025 von Pfarrer Peter Kieweg.
„Opposition ist Mist“, hat ein Politiker einmal betont. Politisch ist klar: Wenn man nicht in der Regierung ist, ist die Gestaltungsmöglichkeit eingeschränkt, das Durchbringen von Ideen schwierig. Auf der anderen Seite gehört Opposition zum Wesen der Demokratie, man darf gar sagen: Opposition schützt Demokratie, freilich nur dann, wenn sie konstruktiv ist, und nicht destruktiv.
Die Propheten, die uns gerade im Advent zu Gehör gebracht werden, agierten aus der Position der Opposition heraus. Sie kritisierten, legten den Finger in die Wunde, scheuten nicht die Konfrontation; sie waren aber durchwegs konstruktiv, indem sie Alternativen vorschlugen, andere Wege, vor allem den Weg in Einklang mit Gott und seinem Heilswillen, den sie in vielen Bildern verkündeten, wie etwa in jenen, die uns am 2. Advent in den Bildern des Baumstumpfs, aus dem das Reis hervorgeht, und dem paradiesischen Tierfrieden begegnen.
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Auch Johannes der Täufer, der im Evangelium vor uns hintritt, steht als Oppositioneller da; er scheut u. a. nicht die Konfrontation mit dem religiösen Establishment, mit Pharisäern und Sadduzäern, die er als Schlangenbrut bezeichnet. Vor ihm gingen bereits die wahren Propheten mit den falschen Propheten ins Gericht, die den Leuten nach dem Mund redeten, ins-besondere den Regierenden, mit denen sie verbandelt waren.
In diesem Zusammenhang kommen mir immer die Papst-Portraits in St. Paul vor den Mauern in Rom in den Sinn. Alle Päpste nacheinander, heilige mit Heiligenschein. Vielleicht etwas plakativ, aber die Grundwahrnehmung ist, meine ich, richtig: In Zeiten, da die Kirche mit an der Regierung war, viel weltliche Macht hatte oder darum mit den weltlichen Herrschern rang, da sind die heiligen Päpste rar gesät. In Zeiten der weltlichen Machtlosigkeit, etwa in den ersten Jahrhunderten in der Zeit der Christenverfolgung oder in den letzten Jahrzehnten der weltlich machtlosen Päpste, entdeckt man viele Portraits mit Heiligenschein.
Kirche hat in der Welt ihre Rolle in der Opposition, ist deswegen oft auch unbequem und ihre Positionen decken sich selten mit dem aktuellen Trend. Das ist nicht nur ihre von den Propheten vererbte Rolle, sondern diese ist auch vom Evangelium zugewiesen, von Jesus selbst, der konstruktiv-kritisch seinen Weg auf Erden gegangen ist. Konstruktive Opposition ist die Berufung der Kirche, zum Heil der Menschen, auch wenn diese dies oft anders sehen.
Peter Kieweg
Pfarrer Pfarrverband Vilshofen



