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Das Gleichnis mit dem Kamel und dem Nadelöhr kennen die meisten Menschen und auch die römisch-katholische Kirche muss sich immer wieder an dieser biblischen Textstelle messen lassen. Mehr dazu von Dompropst Dr. Michael Bär in seinem Impuls zum Sonntag.
Im Mittelalter war die Kirche reich, die Leute waren arm. Die Bibel durfte man nicht lesen, weil Sätze darin geschrieben standen, die den Reichtum kritisierten. Ein eindrückliches Beispiel für Auseinandersetzungen um Reichtum in der Kirche findet sich in dem Buch: Im Namen der Rose. Es treffen sich zwei verfeindete Gruppen: Die Heilige Inquisition, die danach trachtet, dass der Einfluss der Kirche nicht geschmälert wird, auf der anderen Seite Franziskanermönche, die die totale Armut leben. Es geht um die Frage, ob Jesus selbst reich gewesen sei. Sogar der Hinweis, dass er ja einen eigenen Rock gehabt habe, wird spitzfindigerweise als Beweis dafür gesehen, er sei reich gewesen. Der ganze Streitfall wird in einem reichen Kloster ausgetragen. Das Problem wird nicht gelöst, das Kloster aber geht zum Schluss des Buches in Flammen auf, so als ob über diesem Reichtum ein Fluch stünde.
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Man darf sich nichts vormachen. Armut wird in der Heiligen Schrift von uns verlangt, damit wir vom Eigentlichen nicht abgelenkt werden, vom Glauben, von der Hinwendung zu Gott.
Einmal hat mich ein harscher Beschwerdebrief erreicht. „Entfernt doch am Opferstock im Dom die Aufschrift ‚für die Armen‘“. Ihr seid doch alles andere als arm. Die Kathedrale ist prächtig, die Jahresabschlüsse berichten vom Millionenvermögen. Bleibt also ehrlich!“
Stimmt. wir sind reich. Aber die Kirche setzt ihre Reichtümer auch zum Wohle der Menschen ein – eben auch für die Armen. Und gerade in Notstandsgebieten hilft meist die Kirche am schnellsten und sichersten, weil überall vor Ort gläubige Helfer sind. Teilen gehört zur DNA der Kirche.
Reichtum nur für sich, Geld um des Geldes oder der Macht willen ist schädlich, für den Staat, für Körperschaften, für Vereine und für jeden Privatmann.
Kennen Sie jenes ärgerliche Gefühl, wenn neue Sachen gleich beschädigt werden, wenn ein Kratzer an das neue Auto kommt, wenn ein Unfall passiert, wenn der erste Schatten auf die schöne Sache fällt. Auch mir ist das schon passiert. Ich werte es als ein Zeichen von Gott: Häng dich nicht zu stark daran, du darfst dich ruhig freuen, aber vergiss nicht, es gibt Dinge, die sind tausendmal wichtiger als das.
Auch die Säkularisation vor mehr als zweihundert Jahren, als der aufgeklärte Staat der Kirche alle Güter wegnahm, war beileibe kein Todesurteil für die Glaubensgemeinschaft. Im Gegenteil, sie hat bewiesen, dass sie auch ohne großen materiellen Reichtum überlebt und dabei das Eigentliche nicht verliert. Ich will nichts herbeireden, erst recht nicht die Abschaffung der Kirchensteuer. Manche Kirchenkritiker wollen uns damit große Angst einjagen. Das gelingt ihnen nicht, solange die Kirche ihr Fundament in Gott hat und nicht in ihren Liegenschaften. Dann ist sie auf dem richtigen Weg und wir können ihr guten Gewissens folgen. Papst Leo ist ein Ordensmann, Augustiner-Eremit. Er hat Armut in seinem Leben gelebt. Wie gut, dass er an der Spitze der Kirche steht.
Text: Dompropst Dr. Michael Bär



