Das glauben wir

Reich für die Armen

Redaktion am 05.09.2025

Info Icon Foto: Bayer / pbp

Das Gleichnis mit dem Kamel und dem Nadelöhr kennen die meisten Menschen und auch die römisch-katholische Kirche muss sich immer wieder an dieser biblischen Textstelle messen lassen. Mehr dazu von Dompropst Dr. Michael Bär in seinem Impuls zum Sonntag.

Im Mit­tel­al­ter war die Kir­che reich, die Leu­te waren arm. Die Bibel durf­te man nicht lesen, weil Sät­ze dar­in geschrie­ben stan­den, die den Reich­tum kri­ti­sier­ten. Ein ein­drück­li­ches Bei­spiel für Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Reich­tum in der Kir­che fin­det sich in dem Buch: Im Namen der Rose. Es tref­fen sich zwei ver­fein­de­te Grup­pen: Die Hei­li­ge Inqui­si­ti­on, die danach trach­tet, dass der Ein­fluss der Kir­che nicht geschmä­lert wird, auf der ande­ren Sei­te Fran­zis­ka­ner­mön­che, die die tota­le Armut leben. Es geht um die Fra­ge, ob Jesus selbst reich gewe­sen sei. Sogar der Hin­weis, dass er ja einen eige­nen Rock gehabt habe, wird spitz­fin­di­ger­wei­se als Beweis dafür gese­hen, er sei reich gewe­sen. Der gan­ze Streit­fall wird in einem rei­chen Klos­ter aus­ge­tra­gen. Das Pro­blem wird nicht gelöst, das Klos­ter aber geht zum Schluss des Buches in Flam­men auf, so als ob über die­sem Reich­tum ein Fluch stünde.

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Man darf sich nichts vor­ma­chen. Armut wird in der Hei­li­gen Schrift von uns ver­langt, damit wir vom Eigent­li­chen nicht abge­lenkt wer­den, vom Glau­ben, von der Hin­wen­dung zu Gott. 

Ein­mal hat mich ein har­scher Beschwer­de­brief erreicht. ​„Ent­fernt doch am Opfer­stock im Dom die Auf­schrift ​‚für die Armen‘“. Ihr seid doch alles ande­re als arm. Die Kathe­dra­le ist präch­tig, die Jah­res­ab­schlüs­se berich­ten vom Mil­lio­nen­ver­mö­gen. Bleibt also ehrlich!“

Stimmt. wir sind reich. Aber die Kir­che setzt ihre Reich­tü­mer auch zum Woh­le der Men­schen ein – eben auch für die Armen. Und gera­de in Not­stands­ge­bie­ten hilft meist die Kir­che am schnells­ten und sichers­ten, weil über­all vor Ort gläu­bi­ge Hel­fer sind. Tei­len gehört zur DNA der Kirche.

Reich­tum nur für sich, Geld um des Gel­des oder der Macht wil­len ist schäd­lich, für den Staat, für Kör­per­schaf­ten, für Ver­ei­ne und für jeden Privatmann. 

Ken­nen Sie jenes ärger­li­che Gefühl, wenn neue Sachen gleich beschä­digt wer­den, wenn ein Krat­zer an das neue Auto kommt, wenn ein Unfall pas­siert, wenn der ers­te Schat­ten auf die schö­ne Sache fällt. Auch mir ist das schon pas­siert. Ich wer­te es als ein Zei­chen von Gott: Häng dich nicht zu stark dar­an, du darfst dich ruhig freu­en, aber ver­giss nicht, es gibt Din­ge, die sind tau­send­mal wich­ti­ger als das.

Auch die Säku­la­ri­sa­ti­on vor mehr als zwei­hun­dert Jah­ren, als der auf­ge­klär­te Staat der Kir­che alle Güter weg­nahm, war bei­lei­be kein Todes­ur­teil für die Glau­bens­ge­mein­schaft. Im Gegen­teil, sie hat bewie­sen, dass sie auch ohne gro­ßen mate­ri­el­len Reich­tum über­lebt und dabei das Eigent­li­che nicht ver­liert. Ich will nichts her­bei­re­den, erst recht nicht die Abschaf­fung der Kir­chen­steu­er. Man­che Kir­chen­kri­ti­ker wol­len uns damit gro­ße Angst ein­ja­gen. Das gelingt ihnen nicht, solan­ge die Kir­che ihr Fun­da­ment in Gott hat und nicht in ihren Lie­gen­schaf­ten. Dann ist sie auf dem rich­ti­gen Weg und wir kön­nen ihr guten Gewis­sens fol­gen. Papst Leo ist ein Ordens­mann, Augus­ti­ner-Ere­mit. Er hat Armut in sei­nem Leben gelebt. Wie gut, dass er an der Spit­ze der Kir­che steht. 

Text: Dom­propst Dr. Micha­el Bär

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