Foto: Diana Millgramm
Ein besonderer Festtag vereinte am Samstag in Niederalteich gleich mehrere Anlässe:
Während das St.-Gotthard-Gymnasium sein Sommerfest feierte und die Benediktiner das Hochfest ihres Ordensgründers, des heiligen Benedikt, begingen, empfing Frater Symeon-Maria Fiedler OSB in der voll besetzten Basilika durch den Passauer Bischof Dr. Stefan Oster die Priesterweihe. Zahlreiche Gläubige, Freunde, Wegbegleiter und Gäste aus nah und fern waren gekommen, um dieses besondere Ereignis mitzuerleben.
Bereits zu Beginn der Feier stellte Bischof Stefan Oster fest, dass viele einen weiten Weg auf sich genommen hätten, um diesen Tag gemeinsam mit dem Weihekandidaten zu feiern. Der Gottesdienst sei deshalb „in jeder Hinsicht ein Festtag“ – für die Schulfamilie des St.-Gotthard-Gymnasiums, für den Benediktinerorden und vor allem für Frater Symeon-Maria selbst.
Foto: Diana Millgramm
Eindrucksvoll gestaltete sich die Weiheliturgie, deren Kern die Handauflegung und das Weihegebet bildeten. Zuvor versprach der Weihekandidat dem Bischof Gehorsam und Treue. Besonders bewegend war die Allerheiligenlitanei: Während die Gemeinde die Heiligen um ihre Fürsprache anrief, lag Frater Symeon-Maria ausgestreckt vor dem Altar – ein Zeichen der völligen Hingabe an Gott. Dass dieser Teil der Liturgie besonders ausführlich gestaltet wurde, entsprach seinem persönlichen Wunsch. Anschließend legte zunächst Bischof Oster, danach alle anwesenden Priester schweigend die Hände auf den Weihekandidaten. Mit der Einkleidung in Stola und Messgewand sowie der Salbung der Hände mit Chrisam wurde sichtbar, dass Frater Symeon-Maria nun in den priesterlichen Dienst der Kirche aufgenommen war.
In seiner Predigt spannte Bischof Oster einen Bogen über den außergewöhnlichen Lebensweg des Neupriesters. Von Berlin über zahlreiche Stationen habe ihn sein Weg schließlich nach Niederalteich geführt. „Jetzt weihe ich dich im zarten Alter von 50 zum Priester“, sagte der Bischof mit einem Augenzwinkern. Die vielen Erfahrungen, die Frater Symeon-Maria in seinem Leben gesammelt habe – in der Gastronomie ebenso wie in seinem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement –, seien keine verlorene Zeit gewesen. Vielmehr habe sich in allem stets die Frage nach dem Sinn des Lebens verborgen.
Diesen Gedanken griff Oster anhand zahlreicher biblischer Persönlichkeiten auf. Auch Mose, David oder Ester seien nicht den geraden Weg gegangen. Oft seien Umwege notwendig, um schließlich dort anzukommen, wo Gott einen haben wolle. „Dem Weg Gottes folgen, ihn suchen – dieser Weg baut uns auf“, sagte der Bischof. Gott schenke den Menschen alles, was sie brauchten, um zu lernen und zu verstehen. Gerade scheinbare Umwege gehörten oft zu seinem Plan.
Da die Priesterweihe am Hochfest des heiligen Benedikt stattfand, ging Oster auch auf den Ordensgründer und Patron Europas ein. Das Leben im Kloster bedeute Gemeinschaft – auch dann, wenn man sich seine Mitbrüder nicht aussuchen könne. Er bemerkte, man trete schließlich in das Kloster ein, in dem man auch sterben werde. Gerade deshalb gelte es, Gemeinschaft einzuüben und sich in Demut aufeinander einzulassen. Die ewige Profess habe Frater Symeon-Maria bereits vor einiger Zeit abgelegt; nun folge mit der Priesterweihe der nächste Schritt seines Weges.
Der Bischof sprach außerdem über das Priesteramt, das heute gleichermaßen gefragt wie umstritten sei. Angesichts sinkender Priesterzahlen und schwindender Autorität in der Gesellschaft erscheine dieser Dienst vielen kaum noch vorstellbar. Dennoch bleibe er von großer Bedeutung. Priester handelten im Auftrag Gottes, könnten den Menschen Schuld vergeben und ihnen damit Lasten abnehmen. „Wir dürfen dankbar sein, dass sich Simeon zur Verfügung stellt“, betonte Oster.
Nicht nur die Liturgie, sondern auch die Musik verlieh dem Gottesdienst eine ganz besondere Atmosphäre. Dafür hatte Frater Symeon-Maria eigens einen Projektchor ins Leben gerufen. Sängerinnen und Sänger aus den unterschiedlichsten Stationen seines Lebens – aus Gemeinden, in denen er tätig war, aus seinem Freundeskreis und weiteren Weggemeinschaften – waren dafür zusammengekommen. Unter der Leitung von Bernhard Falk gestalteten sie die Feier musikalisch auf beeindruckende Weise. Für viele Gänsehautmomente sorgten die hervorragenden Solisten ebenso wie das eigens aufgeführte „Agnus Dei – Christe, du bist das Lamm Gottes“, dessen Text und Musik Frater Symeon-Maria bereits in seiner Jugend selbst komponiert hatte. Wie groß das Netzwerk des Neupriesters ist und wie sehr er Menschen verbindet, zeigte sich nicht nur im Projektchor, sondern auch unter den zahlreichen Gottesdienstbesuchern. Viele ehemalige Wegbegleiter, Freunde und Gäste aus den verschiedensten Lebensabschnitten waren nach Niederalteich gekommen. Auch am St.-Gotthard-Gymnasium ist Frater Symeon-Maria durch seine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern bestens bekannt und wegen seiner herzlichen Art sehr geschätzt. Die große Freude über die Priesterweihe war den Gästen während des gesamten Tages anzumerken. Immer wieder waren herzliche Begegnungen zu beobachten, Freunde aus Jugendtagen, frühere Weggefährten und Mitschüler nutzten die Gelegenheit, dem Neupriester persönlich zu gratulieren und diesen besonderen Moment gemeinsam mit ihm zu erleben.
Nach dem feierlichen Primizsegen und dem Auszug aus der Basilika setzte sich der Festtag auf dem Sommerfest des St.-Gotthard-Gymnasiums fort. Dort mischte sich der Neupriester unter die zahlreichen Besucher, feierte gemeinsam mit seinen Gästen weiter und ließ den außergewöhnlichen Tag inmitten der Schulfamilie ausklingen – jener Gemeinschaft, mit der das Kloster Niederalteich seit vielen Jahren eng verbunden ist. So wurde die Priesterweihe nicht nur zu einem persönlichen Meilenstein für Frater Symeon-Maria Fiedler, sondern zu einem Fest, das weit über die Mauern der Basilika hinausstrahlte.
Text: Diana Millgramm


