Vom 16. bis 20. Juli war München Gastgeber des 45. Internationalen Chorfestivals der Pueri Cantores. Unter dem Leitgedanken „CANTATE DOMINO – Vielstimmig für den Frieden – #comeandsing“ versammelten sich rund 4.500 Kinder und Jugendliche aus 18 Ländern aller Kontinente in der bayerischen Landeshauptstadt, um gemeinsam zu singen, zu beten und die verbindende Kraft der Musik zu erleben.
Die feierliche Schirmherrschaft über das Musikereignis übernahmen Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. Über mehrere Tage hinweg bot das Festival ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Gottesdiensten, Friedensgebeten sowie Begegnungen in sozialen Einrichtungen. Neben dem musikalischen Austausch standen auch gemeinsames Essen, Freizeitaktivitäten und interkulturelle Begegnungen im Mittelpunkt.
Die jungen Sängerinnen und Sänger zeigten eindrucksvoll, wie Musik Grenzen überwindet und Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenführt – ein starkes Zeichen für Frieden und Verständigung in einer von Vielfalt geprägten Welt.
Die Passauer Chöre
Mit großer Begeisterung nahmen auch 65 Kinder und Jugendliche aus dem Bistum Passau am internationalen Chorfestival teil. Sie waren Teil der großen musikalischen Gemeinschaft, die sich in München versammelte, um gemeinsam ein Zeichen des Friedens zu setzen. Vertreten waren die Altöttinger Kapellsingknaben und die Mädchenkantorei unter der Leitung von Herbert Hager, die SAMIS aus Eichendorf unter der Leitung von Eva-Maria Müller sowie der Jugendkathedralchor des Passauer Domes unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Unterguggenberger. Auch sie trugen mit ihren Stimmen zur klangvollen Vielfalt des Festivals bei und erlebten unvergessliche Tage voller Musik, Begegnung und Gemeinschaft.
„Morgen werden alle Kinder der Welt den Frieden Gottes singen.”
Der Gründer der Pueri Cantores, Abbé Maillet (1896 – 1963), ließ sich von einer bewegenden Vision leiten: „Morgen werden alle Kinder der Welt den Frieden Gottes singen.“ Aus diesem Grund sind das Singen von Gottes Friedensverheißung und das Gebet für den Frieden in der Welt fester Bestandteil jedes großen Chortreffens der Pueri Cantores. Im Münchner Liebfrauendom fanden insgesamt sieben große Friedensgebete statt. Für die Teilnehmer aus Passau war es ein eindrucksvolles Erlebnis und zugleich eine große Ehre, gemeinsam mit der Münchner Dommusik am Freitag, den 18. Juli, um 22 Uhr das Nachtgebet im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom musikalisch mitzugestalten.
Musikalische Gänsehautmomente
Andreas Unterguggenberger war bereits seit mehreren Jahren Mitglied der Arbeitsgruppe, die das offizielle Chorbuch für das Festival erstellte. Dieses Chorbuch wurde weltweit an alle teilnehmenden Chöre versandt und ermöglichte so eine optimale Vorbereitung auf das gemeinsame Singen. In München erklangen zudem eigene Kompositionen des Passauer Domkapellmeisters, die unter anderem bei der Eröffnungsveranstaltung, den Friedensgebeten sowie dem großen Abschlussgottesdienst mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx auf dem Marienplatz zu hören waren. Neben dem Mottolied des Festivals „Come and sing“ von Lukas Stollhof gehörte besonders das „Cantate Domino“ von Andreas Unterguggenberger zu den am häufigsten gesungenen und eindrucksvollsten Stücken des Festivals.
„Für mich war es ein unvergesslicher Gänsehautmoment, als beim Einzug zur großen Abschlussmesse am Marienplatz meine Bläserintrada erklang und dann 4.500 Sängerinnen und Sänger den Introitus ‚Cantate Domino‘ anstimmten. Dieses Erlebnis wird mir lange in Erinnerung bleiben.”
Konzert in der JVA Stadelheim
Die Sängerinnen und Sänger des Jugendkathedralchores Passau erlebten dabei ein ganz besonderes und bewegendes Ereignis: Sie gaben ein Konzert im Innenhof der Justizvollzugsanstalt Stadelheim – im Frauenvollzug. Die Insassinnen konnten dem Gesang von ihren Zellen aus lauschen. Die Reaktionen waren tief berührend: Mit herzlichem Applaus, sichtlicher Rührung und vielen Tränen zeigten die Zuhörerinnen ihre Dankbarkeit. Auch die Sängerinnen und Sänger waren sichtlich bewegt. Der Auftritt hinterließ einen bleibenden Eindruck und sorgte im Anschluss für intensive Gespräche und Nachdenken unter den Jugendlichen.
Foto: Privat
Abschlussgottesdienst mit Kardinal Marx
Der Abschlussgottesdienst mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx bildete den feierlichen Höhepunkt der Tage der Begegnung. Erneut vereinten sich die Stimmen der 4.500 Sängerinnen und Sänger zu einem kraftvollen Chorklang – begleitet von strahlendem Sonnenschein. Zahlreiche Münchnerinnen und Münchner versammelten sich auf dem Marienplatz, um mitzufeiern und sich von der musikalischen Freude anstecken zu lassen.
Kardinal Reinhard Marx betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der internationalen katholischen Gemeinschaft als kraftvolles Zeichen der Hoffnung und des Friedens – ein Gegenpol zu Nationalismus, Hass, Gewalt und gesellschaftlicher Spaltung. „Man kann nicht katholisch sein und gleichzeitig nationalistisch denken, nicht katholisch sein und Hass gegen andere empfinden, nicht katholisch sein und zur Spaltung beitragen – das schließt sich aus!“, stellte er unmissverständlich klar. Das Festival in München habe eindrucksvoll gezeigt, so Marx weiter, dass Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Sprachräumen gemeinsam und mitten in der Gesellschaft feiern können. „Wir stellen einen Tisch mitten in der Stadt auf und laden alle ein, Platz zu nehmen. Damit zeigen wir: Im Zentrum des christlichen Glaubens steht kein leerer Raum, keine bloße Theorie – sondern ein Fest, eine Begegnung, ein gemeinsames Mahl. Das ist unser Glaube. Alles Weitere folgt daraus.“
Ohne Musik, so hob der Kardinal hervor, sei ein echtes Fest nicht denkbar. Musik ermögliche echte Begegnung auf Augenhöhe: „Alle singen gemeinsam, hören einander zu – niemand wird übergangen oder übertönt.“ Die Kirche, so Marx, sei dazu berufen, ein Werkzeug des Miteinanders zu sein – für alle Menschen. Die vergangenen fünf Tage in München hätten gezeigt, dass genau das gelingen kann – selbst inmitten größter Vielfalt. „Gerade in unserer Zeit ist diese Botschaft von entscheidender Bedeutung.“ Mit dieser Botschaft machten sich die Sängerinnen und Sänger schließlich am Sonntagabend wieder in Richtung ihrer Heimat auf den Weg – zwar erschöpft, aber glücklich und tief bewegt von diesem erfüllenden Chorfestival.
Text: Jugendliche des Kathedraljugendchores Passau
Fotos: Privat; Pueri Cantores/Oliver Sold


