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Siebenschläferkirche Rotthof: Wahres Kleinod!

Stefanie Hintermayr am 27.08.2025

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Einzigartiges Kleinod und Juwel der volkstümlichen Rokokokunst in Bayern: Die Siebenschläferkirche in Rotthof.

Hoch­er­ho­ben, auf einem Hügel erbaut, fällt die Sie­ben­schlä­fer­kir­che in Rott­hof bei Ruhstorf a. d. Rott schon von Wei­tem ins Auge, selbst wenn sie auf­grund ihrer Grö­ße eher die Anmu­tung einer Kapel­le hat. Das tut aber ihrer Ein­zig­ar­tig­keit und Beson­der­heit kei­nen Abbruch. So gibt es doch zu den Hei­li­gen Sie­ben­schlä­fern in ganz Euro­pa nur noch eine wei­te­re Kir­che, näm­lich in der Bre­ta­gne. Und durch ihren berühm­ten Roko­ko-Hoch­al­tar der Köß­lar­ner Stu­cka­teu­re Johann Bap­tist Mod­ler und des­sen Sohn Bal­tha­sar zählt sie zur Spit­ze der volks­tüm­li­chen Roko­ko­kunst in Bayern.

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Ursprung und Legende

Zwei spät­rö­mi­sche Grab­stei­ne, die in der Außen­mau­er der Kir­che ein­ge­las­sen sind, zeu­gen vom Ursprung der Sie­ben­schlä­fer­kir­che. Auf dem einen sind vier, auf dem ande­ren drei Köp­fe zu sehen. Die­se zwei spät­rö­mi­schen Grab­stei­ne mit den sie­ben Per­so­nen, die man bei ihrer Ent­de­ckung in der Barock­zeit als Sie­ben­schlä­fer gedeu­tet hat, gab den Aus­schlag zum Bau der Kir­che um 1484. His­to­risch belegt ist das genaue Ent­ste­hungs­jahr aber nicht – dafür aber die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung im Jahr 1188.

Seit Mit­te des drit­ten Jahr­hun­derts wer­den die hei­li­gen Sie­ben­schlä­fer als Zeu­gen der Auf­er­ste­hung sowohl im Chris­ten­tum als auch im Islam ver­ehrt. Grund­la­ge ihrer Ver­eh­rung ist eine Legen­de, die der Hei­mat­pfle­ger und His­to­ri­ker Dr. Oswin Rutz bes­tens kennt. Um 230 n. Chr. gab es eine gro­ße Chris­ten­ver­fol­gung durch den römi­schen Kai­ser Titus. Dabei haben sich sie­ben jun­ge Män­ner in einer Höh­le ver­steckt. Als man sie schließ­lich ent­de­cke, wur­de die Höh­le zuge­mau­ert. 180 Jah­re spä­ter, als man in der Nähe der Höh­le bau­te und deren Stei­ne brauch­te, wur­de sie geöff­net und die Sie­ben­schlä­fer erwach­ten wie­der. Dar­auf­hin schick­ten sie einen von ihnen in die inzwi­schen christ­li­che Stadt und zum Bäcker, weil sie hung­rig waren. Als man ihn beim Bezah­len wegen der Mün­ze für einen Betrü­ger hielt, brach­te man ihn zum Bischof. Gemein­sam mit dem Kai­ser gin­gen sie zur Höh­le, wo die ande­ren Sechs ent­deckt wur­den. Der Kai­ser deu­te­te das als Zei­chen der Auf­er­ste­hung der sie­ben Toten. Die Sie­ben aber waren des Lebens müde und ent­schlie­fen schließlich.“

Der Rokoko-Hochaltar

Berühmt wur­de die gegen Ende des fünf­zehn­ten Jahr­hun­derts erbau­te Kir­che durch den Sie­ben­schlä­fer-Hoch­al­tar. Geschaf­fen haben ihn die bei­den Köß­lar­ner Stu­cka­teu­re Johann Bap­tist Mod­ler und des­sen Sohn Bal­tha­sar im Jahr 1758 zur Zeit des Roko­kos. Die­ses Wort ent­stammt dem fran­zö­si­schen Rocail­le“ und bedeu­tet so viel wie Muschel“. So ist der gesam­te Hoch­al­tar im Stil einer Grot­te mit Muscheln gehal­ten, erklärt Oswin Rutz. Wenn man genau hin­schaut, sind hier tat­säch­lich Muscheln ein­ge­mau­ert. Es ist ein sehr beweg­ter Altar, aber ohne Altar­bild. Die gan­ze Grot­te ist aus ein­fachs­ten Mit­teln gemacht, mit den wun­der­ba­ren Sie­ben­schlä­fern in Gips. Der Altar gehört zur Spit­ze der volks­tüm­li­chen Roko­ko­kunst in Bay­ern.“ Ganz oben sind rechts und links noch die bei­den Patro­ne der Kir­che zu sehen – Petrus und Pau­lus, denen die Sie­ben­schlä­fer­kir­che geweiht ist – und in der Mit­te die Son­ne Got­tes im Dreieck.

Im glei­chen Stil wie der Hoch­al­tar sind die Kan­zel und die bei­den Sei­ten­al­tä­re gehal­ten. Der lin­ke zeigt die Hei­li­ge Fami­lie – Maria mit dem Jesus­kind auf dem Arm –, der rech­te den Hei­li­gen Leon­hard mit einer Ket­te. Die­ses Sym­bol für sei­nen Ein­satz für Gefan­ge­ne wur­de im Lauf der Zeit fälsch­li­cher­wei­se als Vieh­ket­te gedeu­tet, sodass er seit­her als Schutz­pa­tron für Tie­re gilt.

Der Siebenschläfertag

Der 27. Juni ist Sie­ben­schlä­fer­tag, der Gedenk­tag der Hei­li­gen Sie­ben­schlä­fer. Es ist auch der Tag, an dem man – zumin­dest in Bay­ern – genau auf das Wet­ter schaut. Die alte Bau­ern­re­gel ken­nen hier die Meis­ten, so Oswin Rutz. Man schaut am Sie­ben­schlä­fer­tag, wie das Wet­ter ist, ob schön oder reg­ne­risch. Genau­so soll es dann sie­ben Wochen lang sein. Manch­mal stimmt‘s, manch­mal aber auch nicht.“

Info Icon Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

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