Hocherhoben, auf einem Hügel erbaut, fällt die Siebenschläferkirche in Rotthof bei Ruhstorf a. d. Rott schon von Weitem ins Auge, selbst wenn sie aufgrund ihrer Größe eher die Anmutung einer Kapelle hat. Das tut aber ihrer Einzigartigkeit und Besonderheit keinen Abbruch. So gibt es doch zu den Heiligen Siebenschläfern in ganz Europa nur noch eine weitere Kirche, nämlich in der Bretagne. Und durch ihren berühmten Rokoko-Hochaltar der Kößlarner Stuckateure Johann Baptist Modler und dessen Sohn Balthasar zählt sie zur Spitze der volkstümlichen Rokokokunst in Bayern.
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Ursprung und Legende
Zwei spätrömische Grabsteine, die in der Außenmauer der Kirche eingelassen sind, zeugen vom Ursprung der Siebenschläferkirche. Auf dem einen sind vier, auf dem anderen drei Köpfe zu sehen. Diese zwei spätrömischen Grabsteine mit den sieben Personen, die man bei ihrer Entdeckung in der Barockzeit als Siebenschläfer gedeutet hat, gab den Ausschlag zum Bau der Kirche um 1484. Historisch belegt ist das genaue Entstehungsjahr aber nicht – dafür aber die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1188.
Seit Mitte des dritten Jahrhunderts werden die heiligen Siebenschläfer als Zeugen der Auferstehung sowohl im Christentum als auch im Islam verehrt. Grundlage ihrer Verehrung ist eine Legende, die der Heimatpfleger und Historiker Dr. Oswin Rutz bestens kennt. „Um 230 n. Chr. gab es eine große Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Titus. Dabei haben sich sieben junge Männer in einer Höhle versteckt. Als man sie schließlich entdecke, wurde die Höhle zugemauert. 180 Jahre später, als man in der Nähe der Höhle baute und deren Steine brauchte, wurde sie geöffnet und die Siebenschläfer erwachten wieder. Daraufhin schickten sie einen von ihnen in die inzwischen christliche Stadt und zum Bäcker, weil sie hungrig waren. Als man ihn beim Bezahlen wegen der Münze für einen Betrüger hielt, brachte man ihn zum Bischof. Gemeinsam mit dem Kaiser gingen sie zur Höhle, wo die anderen Sechs entdeckt wurden. Der Kaiser deutete das als Zeichen der Auferstehung der sieben Toten. Die Sieben aber waren des Lebens müde und entschliefen schließlich.“
Der Rokoko-Hochaltar
Berühmt wurde die gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts erbaute Kirche durch den Siebenschläfer-Hochaltar. Geschaffen haben ihn die beiden Kößlarner Stuckateure Johann Baptist Modler und dessen Sohn Balthasar im Jahr 1758 zur Zeit des Rokokos. Dieses Wort entstammt dem französischen „Rocaille“ und bedeutet so viel wie „Muschel“. So ist der gesamte Hochaltar im Stil einer Grotte mit Muscheln gehalten, erklärt Oswin Rutz. „Wenn man genau hinschaut, sind hier tatsächlich Muscheln eingemauert. Es ist ein sehr bewegter Altar, aber ohne Altarbild. Die ganze Grotte ist aus einfachsten Mitteln gemacht, mit den wunderbaren Siebenschläfern in Gips. Der Altar gehört zur Spitze der volkstümlichen Rokokokunst in Bayern.“ Ganz oben sind rechts und links noch die beiden Patrone der Kirche zu sehen – Petrus und Paulus, denen die Siebenschläferkirche geweiht ist – und in der Mitte die Sonne Gottes im Dreieck.
Im gleichen Stil wie der Hochaltar sind die Kanzel und die beiden Seitenaltäre gehalten. Der linke zeigt die Heilige Familie – Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm –, der rechte den Heiligen Leonhard mit einer Kette. Dieses Symbol für seinen Einsatz für Gefangene wurde im Lauf der Zeit fälschlicherweise als Viehkette gedeutet, sodass er seither als Schutzpatron für Tiere gilt.
Der Siebenschläfertag
Der 27. Juni ist Siebenschläfertag, der Gedenktag der Heiligen Siebenschläfer. Es ist auch der Tag, an dem man – zumindest in Bayern – genau auf das Wetter schaut. Die alte Bauernregel kennen hier die Meisten, so Oswin Rutz. „Man schaut am Siebenschläfertag, wie das Wetter ist, ob schön oder regnerisch. Genauso soll es dann sieben Wochen lang sein. Manchmal stimmt‘s, manchmal aber auch nicht.“
Foto: Stefanie Hintermayr / pbp


