Foto: Dr. Manuel Stinglhammer
Mit rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Schularten stand der katholische Religionslehrertag 2026 im Bistum Passau ganz im Zeichen der Frage, wie Menschen Übergänge im Leben gestalten und darin Gottes Gegenwart entdecken können.
Schulamtsdirektorin i.K. Anja Wagner-Hölzl begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich und dankte den Religionslehrkräften ausdrücklich für ihr großes Engagement – gerade auch in herausfordernden Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten und tiefgreifender Veränderungen. Zugleich hieß sie die Ehrengäste willkommen: Frau Leitende Regierungsschuldirektorin Nicola Holzapfel von der Regierung von Niederbayern, Oliver Weindl als Schulreferent der evangelischen Kirche, Schulamtsdirektor i.K. Ludwig Sauter aus dem Bistum Augsburg sowie Prof. Dr. Hans Mendl und Akademischen Direktor Dr. Rudolf Sitzberger von der Universität Passau.
„So geht es nicht mehr weiter!“ Mit dieser pointierten Aussage griff Schulrat i.K. Klaus Wiesmüller, stellvertretender Leiter der Abteilung Schulen und Hochschule, ein Lebensgefühl auf, das derzeit viele Menschen begleite. Gerade diese Wahrnehmung mache deutlich, dass Gesellschaft, Schule und Kirche an einem Punkt des Übergangs stünden. Übergänge seien dabei nicht nur Krisenzeiten, sondern auch Räume neuer Möglichkeiten und Entwicklungen.
Leitende Regierungsschuldirektorin Nicola Holzapfel brachte in ihrem Grußwort im Namen der Regierung von Niederbayern ihre große Wertschätzung des Religionsunterrichts zum Ausdruck. Der Religionslehrertag machte deutlich: Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche bleibt religiöse Bildung ein wichtiger Ort der Orientierung, der Werte, der Hoffnung und der menschlichen Begleitung. Besonders hob sie die Vorbildfunktion der Religionslehrerinnen und Religionslehrer hervor, die junge Menschen nicht nur fachlich, sondern auch menschlich und persönlich begleiteten.
Einen eindrucksvollen Zugang eröffnete im Hauptreferat Schulrat i.K. Rudolf Lentner, der Leiter des Religionspädagogischen Seminars dabei mit dem Song „Ich gehör repariert“ des österreichischen Musikers Josh. Das Lied bringe ein Grundgefühl vieler Menschen auf den Punkt: dass vieles reparaturbedürftig erscheine – gesellschaftliche Beziehungen ebenso wie das eigene Leben. Die sei sicherlich auch eine Folge des permanenten Wandelns und der Veränderung als oft einzig verbliebener Konstante der Postmoderne. Auch junge Menschen stünden unter dem Druck permanenter Beschleunigung, ständiger Selbstoptimierung und wachsender Unsicherheit. Umso wichtiger sei es, Räume zu schaffen, in denen Übergänge bewusst wahrgenommen und gestaltet werden können.
Besonders markant war Lentners theologische Einordnung im Bild der „neutralen Zone“ des Karsamstags, jener Zwischenzeit zwischen Karfreitag und Ostern, in der das Alte vergangen ist, das Neue jedoch noch nicht sichtbar wird. Viele Lebensübergänge – etwa Schulwechsel, familiäre Veränderungen, Krisen oder die Suche nach der eigenen Identität – seien von genau solchen Zwischenzeiten geprägt, die integraler Bestandteil eines Transformationsprozesses seien und nicht übersprungen werden können: „Transformation gelingt im Loslassen, nicht in der Beschleunigung.“ Diese Haltung stehe quer zu einer beschleunigten, digitalen Gesellschaft, die schnelle Lösungen und permanente Verfügbarkeit einfordere. Gerade der Religionsunterricht könne hier einen wichtigen Akzent setzen. Er eröffne Räume für Fragen, Zweifel, Hoffnung und persönliche Entwicklung.
In den nachfolgenden Workshops konnten die Lehrkräfte solchen Übergängen im Nachdenken, in der kreativen Auseinandersetzung und mit biblischen Impulsen nachgehen und erhielten vielerlei Anregungen für die Gestaltung des Religionsunterrichts im Horizont von Übergängen im Leben.
Für die Praxis des Religionsunterrichts wurden daraus konkrete Perspektiven abgeleitet: Übergänge im Leben von Kindern und Jugendlichen sensibel wahrnehmen, Resilienz stärken und Hoffnungsperspektiven eröffnen. Religionsunterricht könne jungen Menschen helfen, Brüche und Unsicherheiten nicht nur als Defizit, sondern auch als Möglichkeit von Wachstum und Neuorientierung zu verstehen. Die christliche Botschaft eröffne dabei einen Horizont, in dem Wandel nicht ins Bodenlose führe, sondern von Gottes unbedingter Zusage begleitet sei.
Text: Dr. Manuel Stinglhammer

