Bischof

Alles Sein als Geschenk denken

Redaktion am 20.10.2026

Info Icon Foto: Susanne Simperl
Präsentation des neuen Tagugungsbandes "Geschenktes Dasein - Ferdinand Ulrich und die Philosophie der Gabe" mit Andrea Schwemmer, Manuel Schlögl und Bischof Stefan Oster SBD.

Unter dem Titel „Geschenktes Dasein – Ferdinand Ulrich und die Philosophie der Gabe“ fand im vergangenen Herbst eine erste Ulrich-Tagung in Passau statt, auf der das in der Philosophie und Theologie viel diskutierte und für den Regensburger Philosophen Ferdinand Ulrich so zentrale Thema des Seins als Gabe in den Blick genommen wurde.

Nun sind die Bei­trä­ge der Tagung als Buch erschie­nen und bie­ten auf­grund der Rele­vanz die­ser The­ma­tik in Ulrichs Den­ken auch eine Ein­füh­rung in sein phi­lo­so­phi­sches Gesamtwerk.

„Fer­di­nand Ulrich denkt alles Sein als Gabe: Alles Wirk­li­che ist gege­ben, geschenkt. Und damit wird es zur Anfra­ge an den Men­schen: Wie ver­hal­te ich mich zu dem, was sich mir gibt und was mir zugleich immer schon gege­ben ist?”

So Bischof Dr. Stefan Oster SDB über den Mann, den er als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet.

„Da die­se The­ma­tik im Grun­de in allen sei­nen Schrif­ten immer wie­der auf­taucht, bot es sich an, die ers­te Ulrich-Tagung die­sem The­ma zu wid­men.“ Daher habe auch der nun erschie­ne­ne Tagungs­band einen ein­füh­ren­den Cha­rak­ter: Über das Sein als Gabe nach­zu­den­ken, böte die Mög­lich­keit, die schwie­ri­gen Tex­te von Ulrich zugäng­li­cher zu machen, so Oster. So eig­ne sich die­ser Band für die Aneig­nung von Grund­kennt­nis­sen zu Ulrichs kom­ple­xem Gesamt­werk und zugleich wer­de dar­in sicht­bar, wie Ulrichs Den­ken frucht­bar gemacht wer­den kann für das Gespräch mit unter­schied­li­chen Strö­mun­gen heu­ti­gen Denkens.

In dem Tagungs­band sind die fünf Vor­trä­ge von Mar­tin Bie­ler, Mari­ne de la Tour, Ste­fan Oster, David C. Schind­ler und Manu­el Schlögl in zum Teil erwei­ter­ten und ver­tief­ten Fas­sun­gen ver­sam­melt. Ergänzt wur­den sie außer­dem mit einem zusätz­li­chen Bei­trag von Tho­mas Schärtl-Tren­del, der nicht bei der Tagung anwe­send war, son­dern ein­ge­la­den wur­de, mit einem ​„Außen­blick“ auf die ein­ge­reich­ten Tex­te und die Phi­lo­so­phie von Ulrich zu schauen. 

Mit dem The­ma ​„Frei­heit und Frei­ga­be“ führt Bischof Oster in das The­ma ein, indem er Ulrichs Phi­lo­so­phie der Gabe vor allem bio­gra­phisch und damit auch mit zahl­rei­chen kon­kre­ten Bei­spie­len erklärt. Denn ​„je län­ger man sich damit befasst, wird einem deut­lich, dass es bei Ulrich mit­ten in die­sem abs­trak­ten Den­ken und Fra­gen zugleich immer um das Aller­kon­kre­tes­te geht“, so Oster. Eine sei­ner wesent­lichs­ten Ein­sich­ten aus dem von Ulrich Gelern­ten sei: 

„Alles, was es gibt, exis­tiert aus ver­schenk­ter Lie­be und alles Leben­di­ge lebt aus ver­schenk­ter Liebe.”

Bischof Stefan Oster SDB

Der Bei­trag von Pro­fes­sor Dr. Manu­el Schlögl, der mit Bischof Oster Her­aus­ge­ber des Tagungs­ban­des ist, bie­tet eine Ein­füh­rung in den Gabe-Dis­kurs der Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie des 20. Jahr­hun­derts, in der aus­ge­hend von der Kul­tur­anthro­po­lo­gie das Geben und Emp­fan­gen als Inter­pre­ta­ti­ons­ka­te­go­rie der Wirk­lich­keit wie­der­ent­deckt wor­den sei. Dr. Mari­ne de la Tour aus Frank­reich ergänzt dies in ihrem Bei­trag, indem sie das Gabe-Ver­ständ­nis Ulrichs und sei­ne phi­lo­so­phi­schen Vor­aus­set­zun­gen aus­führ­lich erläu­tert. Der refor­mier­te Theo­lo­ge Dr. Mar­tin Bie­ler aus der Schweiz erläu­tert aus­führ­lich die Ver­an­ke­rung von Ulrichs Seins­den­ken im Werk von Tho­mas von Aquin. Und der ame­ri­ka­ni­sche Pro­fes­sor Dr. David C. Schind­ler plä­diert in einem geis­tes­ge­schicht­lich weit gespann­ten Bogen dafür, in Ulrichs Werk einen Schlüs­sel zu sehen, um Pro­blem­stel­lun­gen des moder­nen phi­lo­so­phi­schen Nach­den­kens zu über­win­den. Bezug­neh­mend auf Heid­eg­ger bringt Schind­ler Ulrichs Den­ken in der Fra­ge nach der ange­mes­se­nen Ant­wort des Men­schen auf das Sein als Gabe auf den Punkt: ​„Den­ken als Dan­ken“. Es brau­che eine Hal­tung der Dank­bar­keit und der Für­sor­ge für unser ​„geschenk­tes Dasein“. Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Schärtl-Tren­del von der LMU Mün­chen hat mit sei­ner umfas­sen­den Kennt­nis ins­be­son­de­re deut­scher und ame­ri­ka­ni­scher Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie eine his­to­ri­sche und sach­li­che Ein­ord­nung von Ulrichs Den­ken ver­sucht. Sein Bei­trag berei­chert den Band um eine wür­di­gen­de und zugleich kri­ti­sche Per­spek­ti­ve, die den Raum für einen Dis­kurs und für eine wei­te­re Ver­tie­fung eröffnet. 

Der Band über die Phi­lo­so­phie der Gabe bil­det den Auf­takt der neu­en Rei­he Fer­di­nand Ulrich. Stu­di­en und ist nun beim Ver­lag Karl Alber als Buch erhält­lich. In die­ser neu­en Rei­he sol­len Tagungs- und Sam­mel­bän­de zu spe­zi­fi­schen The­men in Ulrichs Phi­lo­so­phie, aber auch Mono­gra­phien, Ein­zel­stu­di­en oder Qua­li­fi­ka­ti­ons­schrif­ten zu sei­nem Den­ken publi­ziert wer­den. Neben die­ser Rei­he wur­de letz­tes Jahr auch der ers­te Band der zwei­ten neu­en Rei­he Fer­di­nand Ulrich. Wer­ke aus dem Nach­lass her­aus­ge­ge­ben, in der bis­her unver­öf­fent­lich­te und ent­le­ge­ne Schrif­ten von Fer­di­nand Ulrich zu ver­schie­de­nen The­men ver­sam­melt wer­den. Um die Phi­lo­so­phie von Fer­di­nand Ulrich für die For­schung sowie die inter­es­sier­te Öffent­lich­keit brei­ter sicht­bar und bekannt zu machen, wer­den die Bän­de bei­der Rei­hen jeweils nach zwei Jah­ren mit Open Access zugäng­lich sein. Ulrichs Haupt­wer­ke sind wei­ter­hin in der Schrif­ten­rei­he des Johan­nes Ver­lag Ein­sie­deln erhältlich.

Text: Andrea Schwemmer

Infos zum Buch

Geschenk­tes Dasein – Fer­di­nand Ulrich und die Phi­lo­so­phie der Gabe
Her­aus­ge­ge­ben von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB und Prof. Dr. Manu­el Schlögl
Unter Mit­ar­beit von Andrea Schwem­mer
Band 1 der Rei­he Fer­di­nand Ulrich. Stu­di­en
Karl-Alber-Ver­lag, 1. Auf­la­ge 2026, 155 Sei­ten
ISBN 978−3−495−98987−6

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