Bild: Fotostudio F. Wimbauer
Drei Studiengänge der Uni Passau ermöglichen ein digitales Theologiestudium. Studentin Magdalena Dietl und Prof. Dr. Bernhard Bleyer berichten im Gespräch vom Passauer Erfolgsmodell der flexiblen und berufsbegleitenden Theologiestudiengänge.
Manche Menschen sind Nachteulen, andere sind Lerchen. Manche können sich zu Hause besser konzentrieren, andere auswärts, im Café oder in der Bibliothek. Manche starten direkt nach der Schule an der Universität durch, andere stehen mitten im Leben, bringen Studium, Familie und Kinder unter einen Hut. Eine 8‑Uhr-Vorlesung an der Uni lässt Studierenden keine Wahl. Anwesenheit im Hörsaal und frühes Aufstehen sind gesetzt. Kinderbetreuung ist Sache der Studierenden. Magdalena Dietl hat sich für ein anderes Modell entschieden. Sie studiert den Bachelor Katholische Theologie und den Master Pastorale Arbeit an der Universität Passau und kann ihr Studium weitgehend selbst organisieren — rund um ihren Alltag.
Studentin Magdalena Dietl hören Sie hier im Interview:
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„Wir müssen ein Angebot konzipieren, das Menschen in der breiten Lebensmitte anspricht“, so beschreibt Prof. Dr. Bernhard Bleyer vom Department die Überlegungen rund um die Studiengänge des Departments. Resultat sind neben dem klassischen Lehramt drei neue bzw. umstrukturierte Studiengänge: der Bachelor Katholische Theologie digital, sowie die beiden Masterstudiengänge Pastorale Arbeit und Caritaswissenschaft und werteorientiertes Management. Alle drei sind sowohl digital als auch in Voll- oder Teilzeit und damit berufsbegleitend studierbar. Möglich macht das eine Mischung aus synchronen Online-Vorlesungen am Abend und asynchronen Inhalten wie Videos, Texten und Aufgaben, die jederzeit bearbeitet werden können. Ergänzt wird das digitale Studium durch wenige Blocktage in Präsenz an der Universität.
„Gerade die Theologie hat ja wirklich einen bunten Fächerkanon, den man auf alle möglichen Lebensbereiche anwenden kann und in dem eigentlich jeder seinen Bereich finden kann.”
„Ich genieße diese Flexibilität und diese Unabhängigkeit total, weil man einfach in seinem eigenen Rhythmus arbeiten kann“, so beschreibt Studentin Magdalena Dietl ihre Erfahrung mit den digitalen Studiengängen. Seit der notwendigen Umstellung auf Online-Lehre während der Coronapandemie habe sich hochschuldidaktisch und technisch einiges getan, sodass das Konzept heute sehr gut funktioniere. Voraussetzung sei ein gewisses Maß an Disziplin seitens der Studierenden: „Man muss sich jedes Mal selber wieder dazu auffordern und so diszipliniert sein, dass man jetzt seinen Laptop nimmt, sich das Unterrichtsmaterial anschaut und sich einarbeitet.“
Magdalena bereitet das keine Schwierigkeiten, bieten ihr ihre beiden Studienfächer inhaltlich doch genau das, was sie interessiert. Während der Bachelor Katholische Theologie Grundlagen der verschiedenen theologischen Disziplinen aufbaue, gehe es im Master Pastorale Arbeit bereits um die konkrete Arbeit in der Pfarrei und dabei nötige Kompetenzen wie z.B. Gesprächsführung. „Das passt gut zusammen und ergänzt sich gut“, so Dietl. Deshalb hat sie sich auch dafür entschieden, beide Fächer Hand in Hand zu studieren. Das Klischee, Theologie sei trocken und angestaubt, kann Magdalena ebenfalls direkt widerlegen: „Gerade die Theologie hat ja wirklich einen bunten Fächerkanon, den man auf alle möglichen Lebensbereiche anwenden kann und in dem eigentlich jeder seinen Bereich finden kann. Die Studiengänge bereiten einen auf unterschiedlichste Berufsfelder im kirchlichen und pastoralen Bereich oder in verwandten Berufsfeldern vor, sei es in der Jugendpastoral, in der Sakramentenkatechese, in der Notfallseelsorge und mehr.“ Dietl selbst sehe sich weniger als „Fachdisziplinerin“ als als Theologin im allgemeinen Sinne. Wenn sie sich entscheiden müsste, würde sie sich am ehesten in der systematischen Theologie, also in der Dogmatik und in der biblischen Theologie verorten. Gerade den Dialog und die Vernetzung zwischen den Fächern finde sie aber wichtig und sehr gewinnbringend.
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Möglichkeiten zur Vernetzung bietet ihr auch ihr Studium. „Was mich nachhaltig fasziniert, ist die Tatsache, dass die Studierendenschaft je nach Studiengang total bunt und total unterschiedlich ist“, so Magdalena. „Man kann ganz unterschiedliche Menschen kennenlernen, die aus total unterschiedlichen Gründen diese Studiengänge studieren.“ Das sei erneut vor allem der Flexibilität des Studiums zu verdanken, die zum einen die Hemmschwelle verkleinere, überhaupt ein Studium zu beginnen, und zum anderen auch die Zielgruppe und das Einzugsgebiet erweitere. Unter ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen finden sich von Ärztinnen bis Juristen allerhand gleichaltrige und ältere Studierende, teils berufstätig und aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sie alle eine die hohe Motivation, ein großes Interesse an theologischen Inhalten sowie an Austausch und Diskussion. Letzteres entstehe vor allem in den synchronen Lehrveranstaltungen und an den Präsenz-Blocktagen. Aber auch in gemeinsamen WhatsApp-Gruppen bleiben die Studierenden in Kontakt und können die (räumliche) Distanz so überbrücken: „Da sind wir gut vernetzt und tauschen uns regelmäßig aus.“
„Auch wenn wir jetzt große Wachstumszahlen hinter uns haben und wir damit rechnen, dass wir weiterhin wachsen werden, so ist es uns gleichzeitig ein Anliegen, dass Studierende bei uns das Gefühl haben, sie sind hier wirklich willkommen und sie werden hier in ihren individuellen Bedürfnissen, Anliegen und in der notwendigen Flexibilität betreut.”
Digital und flexibel Theologie studieren: Das überzeugt also nicht nur Magdalena, sondern inzwischen rund 145 Studierende in Passau. Alle drei Studiengänge freuen sich über stetigen Zuwachs, ganz entgegen des deutschlandweiten Trends sinkender Studierendenzahlen in der Theologie. Prof. Dr. Bleyer sieht den Grund dafür ebenfalls insbesondere in der Flexibilität der Studiengänge. Aber auch die individuelle Betreuung hebt er als entscheidende Eigenschaft hervor: „Die Studierenden melden uns zurück, dass sie es sehr schätzen, dass man bei uns das Gefühl hat, auch als Individuum, als Person betreut zu werden. Das ist uns ein ganz großes Anliegen.“ Und dieses Anliegen habe auch mit wachsender Studierendenschaft weiterhin oberste Priorität.



