Bistum

Theologie studieren – digital und flexibel

Tamina Friedl am 19.05.2026

Info Icon Bild: Fotostudio F. Wimbauer

Drei Studiengänge der Uni Passau ermöglichen ein digitales Theologiestudium. Studentin Magdalena Dietl und Prof. Dr. Bernhard Bleyer berichten im Gespräch vom Passauer Erfolgsmodell der flexiblen und berufsbegleitenden Theologiestudiengänge.

Man­che Men­schen sind Nacht­eu­len, ande­re sind Ler­chen. Man­che kön­nen sich zu Hau­se bes­ser kon­zen­trie­ren, ande­re aus­wärts, im Café oder in der Biblio­thek. Man­che star­ten direkt nach der Schu­le an der Uni­ver­si­tät durch, ande­re ste­hen mit­ten im Leben, brin­gen Stu­di­um, Fami­lie und Kin­der unter einen Hut. Eine 8‑Uhr-Vor­le­sung an der Uni lässt Stu­die­ren­den kei­ne Wahl. Anwe­sen­heit im Hör­saal und frü­hes Auf­ste­hen sind gesetzt. Kin­der­be­treu­ung ist Sache der Stu­die­ren­den. Mag­da­le­na Dietl hat sich für ein ande­res Modell ent­schie­den. Sie stu­diert den Bache­lor Katho­li­sche Theo­lo­gie und den Mas­ter Pas­to­ra­le Arbeit an der Uni­ver­si­tät Pas­sau und kann ihr Stu­di­um weit­ge­hend selbst orga­ni­sie­ren — rund um ihren Alltag. 

Studentin Magdalena Dietl hören Sie hier im Interview:

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Wir müs­sen ein Ange­bot kon­zi­pie­ren, das Men­schen in der brei­ten Lebens­mit­te anspricht“, so beschreibt Prof. Dr. Bern­hard Bley­er vom Depart­ment die Über­le­gun­gen rund um die Stu­di­en­gän­ge des Depart­ments. Resul­tat sind neben dem klas­si­schen Lehr­amt drei neue bzw. umstruk­tu­rier­te Stu­di­en­gän­ge: der Bache­lor Katho­li­sche Theo­lo­gie digi­tal, sowie die bei­den Mas­ter­stu­di­en­gän­ge Pas­to­ra­le Arbeit und Cari­tas­wis­sen­schaft und wer­te­ori­en­tier­tes Manage­ment. Alle drei sind sowohl digi­tal als auch in Voll- oder Teil­zeit und damit berufs­be­glei­tend stu­dier­bar. Mög­lich macht das eine Mischung aus syn­chro­nen Online-Vor­le­sun­gen am Abend und asyn­chro­nen Inhal­ten wie Vide­os, Tex­ten und Auf­ga­ben, die jeder­zeit bear­bei­tet wer­den kön­nen. Ergänzt wird das digi­ta­le Stu­di­um durch weni­ge Block­ta­ge in Prä­senz an der Universität.

Gera­de die Theo­lo­gie hat ja wirk­lich einen bun­ten Fächer­ka­non, den man auf alle mög­li­chen Lebens­be­rei­che anwen­den kann und in dem eigent­lich jeder sei­nen Bereich fin­den kann.”

Magdalena Dietl, Studentin Katholische Theologie und Pastorale Arbeit

Ich genie­ße die­se Fle­xi­bi­li­tät und die­se Unab­hän­gig­keit total, weil man ein­fach in sei­nem eige­nen Rhyth­mus arbei­ten kann“, so beschreibt Stu­den­tin Mag­da­le­na Dietl ihre Erfah­rung mit den digi­ta­len Stu­di­en­gän­gen. Seit der not­wen­di­gen Umstel­lung auf Online-Leh­re wäh­rend der Coro­na­pan­de­mie habe sich hoch­schul­di­dak­tisch und tech­nisch eini­ges getan, sodass das Kon­zept heu­te sehr gut funk­tio­nie­re. Vor­aus­set­zung sei ein gewis­ses Maß an Dis­zi­plin sei­tens der Stu­die­ren­den: Man muss sich jedes Mal sel­ber wie­der dazu auf­for­dern und so dis­zi­pli­niert sein, dass man jetzt sei­nen Lap­top nimmt, sich das Unter­richts­ma­te­ri­al anschaut und sich einarbeitet.“ 

Mag­da­le­na berei­tet das kei­ne Schwie­rig­kei­ten, bie­ten ihr ihre bei­den Stu­di­en­fä­cher inhalt­lich doch genau das, was sie inter­es­siert. Wäh­rend der Bache­lor Katho­li­sche Theo­lo­gie Grund­la­gen der ver­schie­de­nen theo­lo­gi­schen Dis­zi­pli­nen auf­baue, gehe es im Mas­ter Pas­to­ra­le Arbeit bereits um die kon­kre­te Arbeit in der Pfar­rei und dabei nöti­ge Kom­pe­ten­zen wie z.B. Gesprächs­füh­rung. Das passt gut zusam­men und ergänzt sich gut“, so Dietl. Des­halb hat sie sich auch dafür ent­schie­den, bei­de Fächer Hand in Hand zu stu­die­ren. Das Kli­schee, Theo­lo­gie sei tro­cken und ange­staubt, kann Mag­da­le­na eben­falls direkt wider­le­gen: Gera­de die Theo­lo­gie hat ja wirk­lich einen bun­ten Fächer­ka­non, den man auf alle mög­li­chen Lebens­be­rei­che anwen­den kann und in dem eigent­lich jeder sei­nen Bereich fin­den kann. Die Stu­di­en­gän­ge berei­ten einen auf unter­schied­lichs­te Berufs­fel­der im kirch­li­chen und pas­to­ra­len Bereich oder in ver­wand­ten Berufs­fel­dern vor, sei es in der Jugend­pas­to­ral, in der Sakra­men­ten­ka­te­che­se, in der Not­fall­seel­sor­ge und mehr.“ Dietl selbst sehe sich weni­ger als Fach­dis­zi­pli­ne­rin“ als als Theo­lo­gin im all­ge­mei­nen Sin­ne. Wenn sie sich ent­schei­den müss­te, wür­de sie sich am ehes­ten in der sys­te­ma­ti­schen Theo­lo­gie, also in der Dog­ma­tik und in der bibli­schen Theo­lo­gie ver­or­ten. Gera­de den Dia­log und die Ver­net­zung zwi­schen den Fächern fin­de sie aber wich­tig und sehr gewinnbringend. 

Alle Infos zu den theologischen Studiengänge finden Sie hier:

Mög­lich­kei­ten zur Ver­net­zung bie­tet ihr auch ihr Stu­di­um. Was mich nach­hal­tig fas­zi­niert, ist die Tat­sa­che, dass die Stu­die­ren­den­schaft je nach Stu­di­en­gang total bunt und total unter­schied­lich ist“, so Mag­da­le­na. Man kann ganz unter­schied­li­che Men­schen ken­nen­ler­nen, die aus total unter­schied­li­chen Grün­den die­se Stu­di­en­gän­ge stu­die­ren.“ Das sei erneut vor allem der Fle­xi­bi­li­tät des Stu­di­ums zu ver­dan­ken, die zum einen die Hemm­schwel­le ver­klei­ne­re, über­haupt ein Stu­di­um zu begin­nen, und zum ande­ren auch die Ziel­grup­pe und das Ein­zugs­ge­biet erwei­te­re. Unter ihren Kom­mi­li­to­nin­nen und Kom­mi­li­to­nen fin­den sich von Ärz­tin­nen bis Juris­ten aller­hand gleich­alt­ri­ge und älte­re Stu­die­ren­de, teils berufs­tä­tig und aus dem gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum. Sie alle eine die hohe Moti­va­ti­on, ein gro­ßes Inter­es­se an theo­lo­gi­schen Inhal­ten sowie an Aus­tausch und Dis­kus­si­on. Letz­te­res ent­ste­he vor allem in den syn­chro­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen und an den Prä­senz-Block­ta­gen. Aber auch in gemein­sa­men Whats­App-Grup­pen blei­ben die Stu­die­ren­den in Kon­takt und kön­nen die (räum­li­che) Distanz so über­brü­cken: Da sind wir gut ver­netzt und tau­schen uns regel­mä­ßig aus.“

Auch wenn wir jetzt gro­ße Wachs­tums­zah­len hin­ter uns haben und wir damit rech­nen, dass wir wei­ter­hin wach­sen wer­den, so ist es uns gleich­zei­tig ein Anlie­gen, dass Stu­die­ren­de bei uns das Gefühl haben, sie sind hier wirk­lich will­kom­men und sie wer­den hier in ihren indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen, Anlie­gen und in der not­wen­di­gen Fle­xi­bi­li­tät betreut.”

Prof. Dr. Bernhard Bleyer

Digi­tal und fle­xi­bel Theo­lo­gie stu­die­ren: Das über­zeugt also nicht nur Mag­da­le­na, son­dern inzwi­schen rund 145 Stu­die­ren­de in Pas­sau. Alle drei Stu­di­en­gän­ge freu­en sich über ste­ti­gen Zuwachs, ganz ent­ge­gen des deutsch­land­wei­ten Trends sin­ken­der Stu­die­ren­den­zah­len in der Theo­lo­gie. Prof. Dr. Bley­er sieht den Grund dafür eben­falls ins­be­son­de­re in der Fle­xi­bi­li­tät der Stu­di­en­gän­ge. Aber auch die indi­vi­du­el­le Betreu­ung hebt er als ent­schei­den­de Eigen­schaft her­vor: Die Stu­die­ren­den mel­den uns zurück, dass sie es sehr schät­zen, dass man bei uns das Gefühl hat, auch als Indi­vi­du­um, als Per­son betreut zu wer­den. Das ist uns ein ganz gro­ßes Anlie­gen.“ Und die­ses Anlie­gen habe auch mit wach­sen­der Stu­die­ren­den­schaft wei­ter­hin obers­te Priorität. 

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