Ein Nachruf vom Schulleiter der Giselaschulen, Dr. Markus Eberhardt
Wenn Schwester Virginie über Niedernburg sprach, dann nicht zuerst von Gebäuden oder Strukturen, sie sprach von Menschen. In ihrer Abschiedsrede 2006 beschrieb sie das „pulsierende Leben“, das ihr jeden Tag begegnete: Schülerinnen, die fröhlich oder auch etwas verunsichert durch die Klosterpforte kamen, Lehrkräfte voller Ideen und Engagement, manchmal aber auch mit innerer Spannung, Eltern mit ihren Sorgen um die Töchter, die Erziehungsarbeit der Schule jedoch immer unterstützend. Dieses Bild zeigt sehr deutlich, was ihr Verständnis von Schule war: ein Ort der Verantwortung füreinander.
Fünf Jahrzehnte hat Schwester Virginie diese Philosophie an unseren Schulen geprägt, zuerst als Lehrerin, später als Schulleiterin. Generationen von Schülerinnen erinnern sich an sie als eine warmherzige Persönlichkeit, die nicht nur Wissen vermittelte, sondern immer den Menschen wahrnahm und alle ihre Schülerinnen beim Namen nennen konnte.
Geboren wurde sie am 26. April 1930 in Spiegelau als eines von acht Kindern des Holzbildhauers Hans Lentner. Doch mit zwölf Jahren fand sie ihre zweite Heimat. Sie kam als Internatsschülerin nach Niedernburg und entdeckte dort ihre besondere Begeisterung für die Naturwissenschaften, eine Leidenschaft, die sie später an ihre Schülerinnen weitergeben sollte. Nach dem Abitur wurde sie Novizin bei den Maria-Ward-Schwestern in Altötting. In München studierte sie schließlich die Fächer Biologie und Chemie und absolvierte dort auch ihr Referendariat.
„Ich bete jeden Tag für Niedernburg.”
1957 begann ihre Laufbahn am Gisela-Gymnasium, zunächst als Lehrerin. Neben dem Unterricht studierte sie Deutsch und Geschichte für das Lehramt an Realschulen und wurde schnell zur rechten Hand der damaligen Schulleiterin Schwester Gertrudis Segl. Es war ein unglaubliches Arbeitspensum, das sie in dieser Zeit bewältigt hat. 1994 übernahm Schwester Virginie schließlich die Leitung der Gisela-Schulen, zwölf Jahre lang stand sie an ihrer Spitze. Diese Zeit war geprägt von der Übernahme der Trägerschaft durch die Diözese Passau, dem Aufbau der sechsstufigen Realschule, der Vergrößerung der Schulgemeinschaft auf über 1.000 Schülerinnen, vielen Renovierungsmaßnahem und zuletzt dem Beginn des G8. Mit großem Engagement, Verantwortungsbewusstsein und einem klaren Blick für das Wesentliche meisterte sie alle diese Aufgaben.
2006 wurde sie nach fast einem halben Jahrhundert in Niedernburg in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Doch auch danach blieb sie ihrer Schule stets verbunden. „Ich bete jeden Tag für Niedernburg“, sagte sie mir bei unserer ersten Begegnung im September 2020. Nach einigen Monaten in Jerusalem und Rom zog sie in das Maria-Ward-Haus in der Neuen Rieser Straße. Die letzten beiden Lebensjahre war sie im Wohn- und Pflegeheim der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Altötting zuhause, wo sie in der Nacht zum Samstag verstarb.
Mit Schwester Virginie verlieren wir eine Persönlichkeit, die unsere Schule nachhaltig geprägt hat: als Lehrerin, als Schulleiterin und vor allem als Mensch. Ihre Tatkraft, ihre Klarheit, ihre Fürsorge für Schülerinnen und Mitarbeitende, ihre tiefe Verwurzelung im „Niedernburger Geist“ und in ihrem Glauben werden unvergessen bleiben. Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor ihrem Lebenswerk. Möge sie nun im Frieden Gottes ruhen.
Beerdigung
Eucharistiefeier am 18. März 2026 um 10:00 Uhr in der Friedhofskirche St. Michael in Altötting, anschließend Beerdigung auf dem Michaeli-Friedhof.


