Ein Koffer voller Trost

Redaktion am 01.12.2025

Info Icon Foto: Tine Limmer
Viele Utensilien braucht es für die Herstellung von Charli, dem Trostengel.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, beschäftigt die Trauer viele Personen. Besonders betroffen sind immer Kinder. Um ihnen die Trauer zu erleichtern und den Erwachsenen eine Hilfestellung zu bieten, wie sie mit kindlicher Trauer umgehen sollen, gibt es den Trostkoffer.

Trau­er und der Umgang damit sind noch immer ein Tabu­the­ma. Mit Kin­dern wird oft­mals nicht über Tod und Ver­lust gespro­chen, weil man sie schüt­zen möch­te. Doch haben Kin­der meist einen ande­ren, oft unkom­pli­zier­te­ren Umgang mit dem Tod. Gleich­zei­tig trau­ern Kin­der jedoch oft­mals län­ger und inten­si­ver. Der Trost­kof­fer, der für Kin­der im Alter von drei bis zwölf Jah­ren kon­zi­piert ist, bie­tet vie­le Aspek­te und gibt Ideen, wie man mit der Trau­er umge­hen kann. Die Aus­lei­he ist kos­ten­los. Der Kof­fer wird indi­vi­du­ell gepackt, berich­tet Bar­ba­ra Hartl, die sich in Hei­lig­kreuz die­ses wich­ti­gen Uten­sils für trau­ern­de Kin­der ange­nom­men hat.

Die Reli­gi­ons­päd­ago­gin erzählt, dass der Trost­kof­fer gera­de wie­der für eine Fami­lie gepackt wur­de, die ein Ster­nen­kind zu betrau­ern hat. Dem Geschwis­ter­kind soll mit Bil­der­bü­chern, Bas­tel­ma­te­ri­al und dem Engel Char­li eine Hil­fe­stel­lung im Umgang mit der Trau­er gege­ben wer­den. Bar­ba­ra Hartl hat dafür bereits eine Aus­wahl an Büchern ange­schafft, die sich nicht nur mit Ster­nen­kin­dern, son­dern auch mit Sui­zid, Krebs­er­kran­kun­gen, Ver­kehrs­un­fäl­len sowie dem Ver­lust von Eltern und Groß­el­tern befas­sen. Auch Bücher und Info­ma­te­ri­al für Eltern wer­den in den Kof­fer gepackt. Man kann eine Erin­ne­rungs­box bas­teln, in die wert­vol­le Erin­ne­run­gen gelegt wer­den, und eine Grab­ker­ze mit Sti­ckern ver­zie­ren, die dann auf­ge­stellt wird“, so ihre Anre­gun­gen. Um den Kof­fer indi­vi­du­ell zu packen, müs­se sie aber die Lebens- und Todes­um­stän­de der betrof­fe­nen Fami­lie ken­nen. Dem Kof­fer liegt ein Begleit­heft bei, mit Tipps und Anre­gun­gen für Ritua­le und den Umgang mit Gefüh­len. Meist bleibt der Trost­kof­fer zwei bis drei Wochen in einer Fami­lie. Doch das ist Abspra­che“, so Hartl. Man kann den Kof­fer ab dem Zeit­punkt eines Todes­fal­les abho­len. Es ist aber auch eini­ge Zeit spä­ter, auch nach der Beer­di­gung, mög­lich“, ergänzt sie.

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Das wich­tigs­te Uten­sil ist der selbst­ge­näh­te Tros­ten­gel Char­li, der bei der Fami­lie blei­ben darf oder mit dem Kof­fer wie­der zurück­ge­schickt wer­den kann. Die­ser Char­li wird in Näh­ca­fés gefer­tigt. Dafür kann man sich bei den Ent­wick­lern, der Reli­gi­ons­leh­re­rin in Bischofs­wie­sen, Ste­fa­nie Wit­te, und dem Pas­to­ral­re­fe­ren­ten Mar­tin Kinast, mel­den, die dafür im Jahr 2022 den zwei­ten Boni­fa­ti­us­preis erhal­ten haben.

Vor Kur­zem fand in Hei­lig­kreuz ein sol­ches Näh­ca­fé statt. Hier­zu kamen 23 Frau­en im Alter von 16 bis über 80 Jah­ren aus der gan­zen Regi­on, die sich für die gute Sache enga­gie­ren woll­ten. Die Arbeit ist in sie­ben Sta­tio­nen auf­ge­teilt: Zuschnitt, Nähen von Kör­per mit Füßen und Kopf, Stop­fen, Haa­re ein­nä­hen, Flü­gel nähen und stop­fen, Beklei­dung nähen und Gesicht auf­sti­cken. Zwei Frau­en mein­ten dazu, dass wohl die wich­tigs­te Sta­ti­on die der Engels­flü­gel sei, denn erst hier wer­de Char­li zum Tros­ten­gel. Ist der Tros­ten­gel nach auf­wen­di­ger Arbeit fer­tig, bekommt er ein Schild, auf dem zu lesen ist: Mit Lie­be gemacht von …“.

Von den Machern heißt es, dass nur weni­ge Näh­kennt­nis­se benö­tigt wür­den. Doch dem kön­ne Bar­ba­ra Hartl nicht zustim­men. Man­ches ist tat­säch­lich auf­wen­dig, und es braucht dafür eine erfah­re­ne Nähe­rin“, sagt sie. Und so sieht zum Schluss jeder Char­li ein klein wenig anders aus – und freut sich dar­auf, den Kin­dern ein wah­rer Tros­ten­gel sein zu dürfen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen über die Zusam­men­stel­lung, Bücher­lis­ten, Aus­leih­stel­len sowie eine Näh­an­lei­tung samt Anlei­tungs­vi­deo gibt es auf der Home­page www​.trost​kof​fer​.de

Bil­der und Text: Tine Limmer

Info Icon Foto: Tine Limmer
Barbara und Ernst Hartl präsentieren den Trostkoffer.

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