Foto: Tine Limmer
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, beschäftigt die Trauer viele Personen. Besonders betroffen sind immer Kinder. Um ihnen die Trauer zu erleichtern und den Erwachsenen eine Hilfestellung zu bieten, wie sie mit kindlicher Trauer umgehen sollen, gibt es den Trostkoffer.
Trauer und der Umgang damit sind noch immer ein Tabuthema. Mit Kindern wird oftmals nicht über Tod und Verlust gesprochen, weil man sie schützen möchte. Doch haben Kinder meist einen anderen, oft unkomplizierteren Umgang mit dem Tod. Gleichzeitig trauern Kinder jedoch oftmals länger und intensiver. Der Trostkoffer, der für Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren konzipiert ist, bietet viele Aspekte und gibt Ideen, wie man mit der Trauer umgehen kann. Die Ausleihe ist kostenlos. Der Koffer wird individuell gepackt, berichtet Barbara Hartl, die sich in Heiligkreuz dieses wichtigen Utensils für trauernde Kinder angenommen hat.
Die Religionspädagogin erzählt, dass der Trostkoffer gerade wieder für eine Familie gepackt wurde, die ein Sternenkind zu betrauern hat. Dem Geschwisterkind soll mit Bilderbüchern, Bastelmaterial und dem Engel Charli eine Hilfestellung im Umgang mit der Trauer gegeben werden. Barbara Hartl hat dafür bereits eine Auswahl an Büchern angeschafft, die sich nicht nur mit Sternenkindern, sondern auch mit Suizid, Krebserkrankungen, Verkehrsunfällen sowie dem Verlust von Eltern und Großeltern befassen. Auch Bücher und Infomaterial für Eltern werden in den Koffer gepackt. „Man kann eine Erinnerungsbox basteln, in die wertvolle Erinnerungen gelegt werden, und eine Grabkerze mit Stickern verzieren, die dann aufgestellt wird“, so ihre Anregungen. Um den Koffer individuell zu packen, müsse sie aber die Lebens- und Todesumstände der betroffenen Familie kennen. Dem Koffer liegt ein Begleitheft bei, mit Tipps und Anregungen für Rituale und den Umgang mit Gefühlen. „Meist bleibt der Trostkoffer zwei bis drei Wochen in einer Familie. Doch das ist Absprache“, so Hartl. „Man kann den Koffer ab dem Zeitpunkt eines Todesfalles abholen. Es ist aber auch einige Zeit später, auch nach der Beerdigung, möglich“, ergänzt sie.
Foto: Tine Limmer
Das wichtigste Utensil ist der selbstgenähte Trostengel Charli, der bei der Familie bleiben darf oder mit dem Koffer wieder zurückgeschickt werden kann. Dieser Charli wird in Nähcafés gefertigt. Dafür kann man sich bei den Entwicklern, der Religionslehrerin in Bischofswiesen, Stefanie Witte, und dem Pastoralreferenten Martin Kinast, melden, die dafür im Jahr 2022 den zweiten Bonifatiuspreis erhalten haben.
Vor Kurzem fand in Heiligkreuz ein solches Nähcafé statt. Hierzu kamen 23 Frauen im Alter von 16 bis über 80 Jahren aus der ganzen Region, die sich für die gute Sache engagieren wollten. Die Arbeit ist in sieben Stationen aufgeteilt: Zuschnitt, Nähen von Körper mit Füßen und Kopf, Stopfen, Haare einnähen, Flügel nähen und stopfen, Bekleidung nähen und Gesicht aufsticken. Zwei Frauen meinten dazu, dass wohl die wichtigste Station die der Engelsflügel sei, denn erst hier werde Charli zum Trostengel. Ist der Trostengel nach aufwendiger Arbeit fertig, bekommt er ein Schild, auf dem zu lesen ist: „Mit Liebe gemacht von …“.
Von den Machern heißt es, dass nur wenige Nähkenntnisse benötigt würden. Doch dem könne Barbara Hartl nicht zustimmen. „Manches ist tatsächlich aufwendig, und es braucht dafür eine erfahrene Näherin“, sagt sie. Und so sieht zum Schluss jeder Charli ein klein wenig anders aus – und freut sich darauf, den Kindern ein wahrer Trostengel sein zu dürfen.
Weitere Informationen über die Zusammenstellung, Bücherlisten, Ausleihstellen sowie eine Nähanleitung samt Anleitungsvideo gibt es auf der Homepage www.trostkoffer.de
Bilder und Text: Tine Limmer



