Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Nach der Verlegung von Stolpersteinen für Adelgunde Dölzer und Willi Heckmann in der Passauer Altstadt fand im St.-Valentin-Festsaal am Domplatz eine Gedenkveranstaltung statt. Dort sprach man über das Schicksal der beiden Opfer des Nationalsozialismus.
Stolpersteine – die meisten kennen die kleinen, in den Gehweg eingelassenen Platten als Erinnerungstafeln für jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Inzwischen sind vielerorts aber auch solche Steine für andere Gruppen von Verfolgten verlegt worden, zwei davon am Donnerstagvormittag in Passau in der Roßtränke (vor dem heutigen Cubana) und in der Lederergasse. Der Stein in der Roßtränke erinnert an den homosexuellen Musiker Willi Heckmann, der 1937 für ein Engagement nach Passau kam, einige Monate hier lebte, von der Gestapo verhaftet und schließlich deportiert wurde. Es folgten acht Jahre Konzentrationslager – so lange, wie nur wenige Menschen dort überlebt haben. Der Stein in der Lederergasse ist Adelgunde Dölzer gewidmet, ein sogenanntes „Euthanasieopfer“, wegen ihrer Krankheit von den Nationalsozialisten ermordet.
Im Anschluss an die Verlegung der Steine, die Künstler Gunter Demnig trotz Schneeregens persönlich vornahm, fand im Festsaal von St. Valentin eine Gedenkveranstaltung statt, bei der auch Gabi Dölzer (Enkelin von Adelgunde Dölzer) und Klaus Stanjek (Neffe von Willi Heckmann) über das Geschehen vor fast 90 Jahren und wie es ihre Familien in der Folge beeinflusst hat, sprachen. Nach der Begrüßung von Tobias Waldherr, Vorsitzender des Stadtjugendrings Passau, sowie den Grußworten von Andreas Rother, zweiter Bürgermeister der Stadt Passau, und Stefanie Denk, Vorsitzende des Bezirksjugendrings Niederbayern, wurde durch einen Erinnerungsbeitrag mehr zur Lebensgeschichte von Willi Heckmann erfahrbar. Klaus Stanjek gewährte in seinem Beitrag mit dem Titel „Was ich über das Schicksal meines Onkels herausfand und was ich heute darüber denke.“ Einblick in seine Familiengeschichte. Im Anschluss daran gewährte Gabi Dölzer in ihrer Trauerrede einen Einblick in das Schicksal ihrer Großmutter Adelgunde Dölzer. Der Vortrag mit dem Titel „Die Erinnerung an die nationalsozialistischen ‚Euthanasie‘-Morde“ von Dr. Winfried Helm schloss die Gedenkveranstaltung, die musikalisch von einer Spielgruppe des 1. Akkordeonorchesters Passau begleitet wurde, schließlich ab.
Einen ausführlichen Bericht zu den Stolpersteinen und auch zur Geschichte von Adelgunde Dölzer und Willi Heckmann lesen Sie im Passauer Bistumsblatt, Ausgabe 9.
Das Projekt Stolpersteine
Stolpersteine sind ein europaweites Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig. In Passau wird das Projekt vom Stadtjugendring Passau getragen und gemeinsam mit dem Auersperg-Gymnasium Freudenhain, der Montessori-Schule Passau, dem Gymnasium Leopoldinum, der Initiative „Wochen zur Demokratie“ sowie dem 1. Akkordeonorchester Passau verwirklicht. Die beteiligten Einrichtungen und Gruppen übernehmen die Patenschaften für die Stolpersteine und setzen damit ein sichtbares Zeichen des Erinnerns an die Menschen, denen sie gewidmet sind. Ermöglicht wird die Umsetzung des Projekts durch die Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt (Ortsverein Passau und Hacklberg), des Bistums Passau, des Kulturamts der Stadt Passau und des Bezirksjugendrings Niederbayern.
Text + Fotos: Barbara Osdarty / pbb, Stefanie Hintermayr / pbp

