Bistum

Vier Künstler, vier Welten

Redaktion am 18.12.2025

Info Icon Foto: Bayer / pbp

Jahresabschlussausstellung von vier Mitarbeitenden des Bistums Passau in der Galerie Art Active in Passau.

Es gibt Aus­stel­lun­gen, die sich dem schnel­len Blick ent­zie­hen. Aus­stel­lun­gen, die erst dann zu spre­chen begin­nen, wenn man bereit ist, ste­hen zu blei­ben, zu ver­wei­len, sich ein­zu­las­sen. Mit die­sem Gedan­ken eröff­ne­te die Gale­rie Art Acti­ve ihre Jah­res­ab­schluss­aus­stel­lung VIER“ – ein gemein­sa­mes Pro­jekt der Künst­ler Regi­na Lech­ner, Syl­via Gnatz, Andre­as Paul und HaPe Eggerl. Vier künst­le­ri­sche Posi­tio­nen, vier Zugän­ge zum Mate­ri­al, vier Inhal­te, die unter­schied­li­cher kaum sein könn­ten, aber ihre Tätig­keit im Bis­tum Pas­sau ver­bin­det sie.

Bür­ger­meis­te­rin Eri­ka Trä­ger mach­te in der Begrü­ßung deut­lich, wie sehr die Stadt vom kul­tu­rel­len Enga­ge­ment klei­ner, unab­hän­gi­ger Kunst­or­te wie der Art-Acti­ve-Gale­rie pro­fi­tiert. Sie wür­dig­te den Ein­satz von Jut­ta Leit­ner, Initia­to­rin und Lei­te­rin der Gale­rie, die seit Jah­ren ein abwechs­lungs­rei­ches und inno­va­ti­ves Pro­gramm kura­tiert. Die Reso­nanz des Publi­kums zei­ge, dass die­ses Enga­ge­ment hoch geschätzt wird. Flo­ri­an Lech­ner an der Gitar­re umrahm­te die Vernissage.

Lau­da­to­rin Dr. Eva Lech­ner führ­te das Publi­kum in einem aus­führ­li­chen Rund­gang durch die vier Künst­ler­po­si­tio­nen, in einer erzäh­le­ri­schen Annä­he­rung an Gedan­ken, Mate­ria­li­en und Pro­zes­se, die hin­ter den Wer­ken stehen.

Syl­via Gnatz, Initia­to­rin der Aus­stel­lung und Mit­glied der Künst­ler­grup­pe 23, gestal­tet Holz­skulp­tu­ren, häu­fig aus exo­ti­schen Höl­zern gear­bei­tet. Die­se ver­lan­gen Auf­merk­sam­keit gera­de des­halb, weil sie so klein wir­ken – ein Ein­druck, der täuscht. Die Grö­ße ist kein ästhe­ti­scher Selbst­zweck, son­dern ergibt sich aus dem Roh­ma­te­ri­al: kom­pak­te Holz­blö­cke, ursprüng­lich für hoch­wer­ti­ge Mes­ser­grif­fe gedacht. Dr. Lech­ner schil­der­te ein­drucks­voll, wie Gnatz aus die­sen Mate­ria­li­en klei­ne Figu­ren her­aus­ar­bei­tet, die trotz ihres For­mats eine bemer­kens­wer­te Aus­drucks­kraft besit­zen. Beson­ders fas­zi­nier­te das Publi­kum ihre Erläu­te­rung zu einer Figur aus Eben­holz: Wäh­rend man erwar­tet, dass Eben­holz durch­gän­gig schwarz ist, erklär­te sie, dass nur der Kern tief­schwarz sei, wäh­rend die äuße­ren Schich­ten hell blei­ben. Die­se natür­li­che Zwei­far­big­keit ver­leiht der Figur fast meta­pho­ri­sche Dimen­si­on – das Wesent­li­che liegt oft im Inne­ren, ver­bor­gen unter der Oberfläche.

Die tex­ti­len Arbei­ten von Regi­na Lech­ner sind Wer­ke, die auf bei­na­he medi­ta­ti­ve Wei­se das Mate­ri­al Stoff neu inter­pre­tie­ren. Die Künst­le­rin, gelern­te Schnei­de­rin mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung im Bereich Patch­work und Tex­til­de­sign, schafft Arbei­ten von außer­ge­wöhn­li­cher hand­werk­li­cher und künst­le­ri­scher Qua­li­tät. Dr. Lech­ner beton­te, dass die­se Wer­ke nur in Ruhe zu erfas­sen sind. Bemal­te Stof­fe, die zer­schnit­ten, neu ver­näht und mit unter­schied­li­chen Kno­ten, Appli­ka­tio­nen und Sti­cke­rei­en ver­se­hen wer­den. Es ent­ste­hen Ober­flä­chen, die an Moos, Flech­ten oder Was­ser erin­nern. Beson­ders her­vor­ge­ho­ben wur­de das Werk über die Soča, den sma­ragd­grü­nen Fluss in Slo­we­ni­en. Tür­kis- und Blau­tö­ne erschei­nen hier als auf­ge­näh­te Schich­ten, das Schim­mern und Flie­ßen des Was­sers nicht imi­tie­rend, son­dern in einer eige­nen, tex­ti­len Spra­che sicht­bar machend. Ein Werk, das man nicht im Vor­über­ge­hen erfas­sen kann – man muss näher­tre­ten und den Stoff wie eine Land­schaft lesen.

Den drit­ten Künst­ler, Andre­as Paul, stell­te Dr. Lech­ner als jeman­den vor, der Holz nicht nur bear­bei­tet, son­dern erforscht. Auto­di­dakt spal­tet, fräst, brennt und schnei­det er aus dem ursprüng­lich mas­si­ven Roh­stoff das Inne­re Poten­zi­al des Mate­ri­als her­aus. Sei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Holz und Scha­mott wirkt wie von Brü­chen erzählt und gleich­zei­tig von den Ver­bin­dun­gen, die aus die­sen Brü­chen ent­ste­hen kön­nen. Ein Werk berühr­te die Lau­da­to­rin beson­ders: eine auf­ge­bro­che­ne Struk­tur­ar­beit, die ein eins­ti­ges Kriegs­ge­rät – ver­lo­ren und zugleich kraft­voll – neu inter­pre­tiert. Dr. Lech­ner beschrieb die Wir­kung die­ser Arbeit als stil­le Beob­ach­tung mensch­li­cher Erfah­run­gen: Manch­mal muss etwas auf­bre­chen, damit sich Neu­es zei­gen kann.

Die Wer­ke von HaPe Eggerl sind eng mit sei­nem krea­ti­ven und spi­ri­tu­el­len Coa­ching ver­bun­den. Sei­ne Bil­der spre­chen von Trans­for­ma­ti­on, see­li­scher Bewe­gung, Licht und inne­ren Räu­men. Immer wie­der erschei­nen Vögel – nicht als schmü­cken­des Motiv, son­dern als Sym­bo­le für Über­gän­ge, Bot­schaf­ten und Wand­lungs­pro­zes­se. Lech­ner beton­te, dass Eggerls Bil­der das Unsicht­ba­re sicht­bar machen wol­len: In nahe­zu jedem Werk öff­net sich ein Durch­blick in eine Welt hin­ter der Welt. Da sich spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen nur schwer in Wor­te fas­sen las­sen, bie­ten Bil­der – so erläu­ter­te sie – den not­wen­di­gen Frei­raum, um see­li­sche Bewe­gun­gen aus­zu­drü­cken, ohne sie zu fixieren.

Nach die­ser ein­drucks­vol­len Rei­se durch vier künst­le­ri­sche Uni­ver­sen wur­de deut­lich: VIER ist kei­ne Anein­an­der­rei­hung ein­zel­ner Wer­ke, son­dern ein Gespräch über Per­spek­ti­ven, Mate­ri­al und Denk­an­sät­ze. Die Aus­stel­lung ver­langt Auf­merk­sam­keit, Zeit, Ruhe und die Bereit­schaft, sich auf unter­schied­li­che Aus­drucks­for­men einzulassen.

Unter den Gäs­ten der Ver­nis­sa­ge waren Stadt­rä­tin Kat­ja Reit­mai­er sowie AGON e.V.-Vorstand Enri­co Herzig.

Text: Máxi­ma Binder

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