Bistum

Vor 10 Jahren: Flüchtlingswelle erreicht Passau

Redaktion am 01.09.2025

Info Icon Bild: Caritas Diözesanverband Passau

Im Rückspiegel: Vor zehn Jahren war Passau ein Hotspot der Flüchtlinge. Der Hauptbahnhof Passau war für Zigtausende erste Anlaufstelle in Deutschland. Die Caritas sah und sieht in jedem fremden Gesicht den Hilferuf eines Menschen.

Eine Rück­schau auf die Ereig­nis­se vor 10 Jah­ren von Wolf­gang Duschl, Pres­se­spre­cher des Cari­tas­diö­ze­san­ver­ban­des Pas­sau, der selbst vor Ort mit­ge­hol­fen hat: 

Ja. Es waren Aus­nah­me­zu­stän­de am Pas­sau­er Haupt­bahn­hof. Ja. Es war manch­mal chao­tisch. Und Ja. Wir haben es geschafft! Die Wochen im Sep­tem­ber und Okto­ber vor zehn Jah­ren waren wahr­lich tur­bu­lent. Auch für die Cari­tas. Die Mitarbeiter:innen in der Bahn­hofs­mis­si­on und dann zahl­rei­che Kolleg:innen gehör­ten zu den Ers­ten, die sich um die Flücht­lin­ge küm­mer­ten. Die Drei­flüs­se­stadt mit ihren Behör­den, Sozi­al­ein­rich­tun­gen und vie­len ehren­amt­li­chen Helfer:innen hat es wahr­lich geschafft, den Men­schen auf der Flucht ein ers­tes Ankom­men zu ermög­li­chen. You are safe“. Wer dabei war in jenen Tagen dürf­te nach nun zehn Jah­ren ange­rührt sein von so man­chen Begeg­nun­gen. Und es gab sie zuhauf.

Was sich in die­sen Tagen an den euro­päi­schen Außen­gren­zen, inner­halb Euro­pas, im Land­kreis und in der Stadt Pas­sau abspiel­te, war von his­to­ri­schem Aus­maß. So kamen etwa in einer Wochen Ende Sep­tem­ber über 35.000 Per­so­nen am Haupt­bahn­hof an; an ein­zel­nen Tagen über 8000. Die Men­schen der Stadt und der gan­zen Diö­ze­se Pas­sau haben die Flücht­lin­ge nicht allein gelas­sen. Für die Cari­tas galt und gilt: Wir sehen in jedem frem­den Gesicht den Hil­fe­ruf eines Men­schen, der von Gott geliebt und ange­nom­men ist. Die Sor­ge um Men­schen in Not, ob hier­zu­lan­de oder welt­weit, ist und bleibt Grund­auf­trag als Caritas. 

Cari­tas und Bis­tum Pas­sau waren mit kon­kre­ten Hil­fen zur Stel­le. Erst­ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­tel und Geträn­ken, medi­zi­ni­sche Hil­fe, Kon­trol­len und dann ent­we­der in die Paul-Hal­len zur Über­nach­tung oder sofort wei­ter­rei­sen mit Bus­sen in die dezen­tra­len Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen. Das galt auch für Grenz­über­gän­ge wie in Weg­scheid, Neu­haus, Sim­bach am Inn. Not­un­ter­künf­te in kirch­li­chen Häu­sern wur­den vor­be­rei­tet. Rund um Gene­ral­vi­kar Dr. Klaus Metzl und Cari­tas­vor­stand Dr. Micha­el Bär schar­te sich die Arbeits­grup­pe Flücht­lings­hil­fe”.; spä­ter mit vie­len Hel­fer­krei­sen vor Ort.

Und dann waren da vie­len klei­nen Bege­ben­hei­ten rund um den Bahn­hof: Der Bäcker, der kos­ten­los sei­nen Ver­kaufs­wa­gen zur Ver­fü­gung stellt und füll­te, der Dis­coun­ter, des­sen Ver­triebs­chef ohne gro­ßes media­les Gedöns Trucks mit Nah­rungs­mit­teln und Geträn­ken zur Cari­tas schick­te. Die Helfer:innen, die ein­fach jeden Tag und Nachts da waren und so zu Freun­den wur­den. Das unkom­pli­zier­te Zusam­men mit der Bun­des­po­li­zei. Und immer ging es um Men­schen. Die wei­nen­den Kin­der, die alten Leu­te mit ihren Behin­de­run­gen, die jun­gen Leu­te die ein­fach ein neu­es Leben such­ten. Was aus den Ein­zel­nen gewor­den ist, weiß man nicht. Nur eines ist sicher: Die Men­schen rund um den Bahn­hof in Pas­sau und weit dar­über hin­aus haben sich anstän­dig verhalten.

Denn drei Din­ge schlie­ßen sich aus mei­ner Sicht gegen­sei­tig aus: Intel­li­genz – Anstand – Frem­den­feind­lich­keit. Wer intel­li­gent und frem­den­feind­lich ist, hat kei­nen Anstand. Wer Anstand hat und frem­den­feind­lich ist, ist nicht intel­li­gent. Wer anstän­dig ist und intel­li­gent ist, der ist nie und nim­mer fremdenfeindlich!

Text: Wolf­gang Duschl

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