Foto: Zieringer / pbp
Diese Weihnachtsgeschichte ist die schönste und wichtigste Geschichte, die je geschrieben worden ist. Mit einem Zitat des Schriftstellers Martin Walser leitete Bischof Stefan Oster die diesjährige Predigt in der Christmette ein.
Die Hirten auf den Feldern rund um Bethlehem erlebten eine spektakuläre himmlische Inszenierung: einen Engel, der ihnen sagt, sie sollen keine Angst haben und der ihnen die eine große Freude verkündet. Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Es hat dann noch 30 Jahre gedauert bis Jesus sein Wirken beginnt, bis dahin verbringt die Heilige Familie ein Leben in der Verborgenheit. Der Schöpfer des Universums kommt in unser kleines Leben um uns nahe zu sein. Er gibt sich uns in „unfassbar zärtlicher Weise dar als ein kleines Kind, das sich uns buchstäblich ans und ins Herz legen will“, so der Bischof. Dieses kleine Kind können wir in uns erwachsen werden lassen, so wie Jesus als erwachsener Mann anfängt vom Reich Gottes zu erzählen, Wunder zu tun und von dem die Menschen den Eindruck haben, dass er tief in der Wahrheit Gottes steht. Ein Mensch, der sich von dieser Wahrheit berühren lässt, spürt, dass er nicht mehr nur für diese Welt lebe, sondern eine Herkunft habe, die Vater heißt und „eine Zukunft, die Reich Gottes heißt. Das Reich der Liebe.“ Der Bischof lud die Menschen ein, sich Gott ans Herz gehen zu lassen, ihn besser kennenzulernen, sein Sakrament zu hören und vor allem auch selbst zu denen zu gehen, die ihn noch nicht kennen: „Zu denen gut sein und in die Demut des Dienens finden. Wenn das in uns passiert, dann werden wir Menschen des Friedens sein.“ Die Sehnsucht Gottes ist es, „dass wir draußen in der Welt Friedensmenschen werden, Weihnachtsmenschen werden, weil diese zerrissene Welt nichts mehr braucht als weihnachtliche Menschen, die wissen worum es geht, wenn es um den Frieden geht, der von Gott kommt.“
Hier können Sie sich die Predigt von der Christmette im Dom anhören:
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Vom Wort und der Wahrheit
Am Hochfest der Geburt des Herrn sprach Bischof Stefan Oster in der Predigt über die Bedeutung des Wortes, des „Logos“ und führte dazu mehrere Aspekte an. Zum einen: „Alles ist durch das Wort, durch die Vernunft geworden. Alles hat Sinn“, so der Bischof mit Blick auf die Natur und ihre Gesetze, durch sie sie zu uns spricht. Die Welt ist worthaft. Ein zweiter Aspekt ist, dass sich Gott selbst durch das kleine Kind in der Krippe zeigt. Durch Jesus und durch sein ganzes Leben hindurch sagt der Vater aus Liebe das, was er der Welt zu sagen hat. Mehr noch: Menschen, die Jesus nahegekommen sind, haben den Eindruck: Er ist das Wort Gottes. Als dritten Aspekt nennt Bischof Stefan die Tatsache, dass ein Baby immer in eine Sprachfamilie hineingeboren wird. Ein Baby kann noch nicht sprechen, es kommt nach und nach ins Sprechen durch die engsten Familienangehörigen, die dem Kind ein Weltbild und ein Weltverständnis vermitteln. Ein Kind wächst in eine Sprachfamilie und ein Weltverständnis hinein. „So bekommt ein Kind auch ein Verhältnis von Erkennen einerseits, aber auch ein Verhältnis dazu, was wahr ist. Was die Eltern sagen, das ist auch irgendwie die Welt“, so der Bischof. Keine Familie sei aber ganz heil und frei von Vorurteilen oder Wertungen, die vielleicht verkehrt sind und die an Kinder weitergegeben werden, so Oster, der in diesem Zusammenhang von einer eigenen Kindheitserfahrung berichtet. Als kleiner Junge habe er in einen Briefkasten in der Nachbarschaft Kröten gelegt, weil er dachte damit seinen Eltern einen Gefallen zu tun, da das Verhältnis zu diesen Nachbarn etwas schwierig war. Dass er dafür Hausarrest bekommen habe, habe er zunächst gar nicht verstehen können, so der Bischof mit einem Schmunzeln.
Sprechen mit dem liebenden Blick
Wie erging es dem Sohn Gottes? Einem Kind, das mit heiligen Eltern in einer Kleinstadt in Galiläa aufwächst? Das das Leben der Menschen kennenlernt und den Handwerksberuf des Vaters erlernt. Was erfährt der, der selbst das Wort des Vaters ist, über das Sprechen? „Jesus spricht aus tiefer Freiheit, ohne gute Miene zum bösen Spiel zu machen oder irgendwie kompromisshaft zu sein.“ Und gerade darin geht der, der sich schon in der Krippe so unfassbar verdemütigt hat, in völliger Freiheit für die Seinen aus Liebe ans Kreuz, lässt sich foltern und töten. „In diesem Liebeswort ist alles geschaffen und wer sich davon ansprechen lässt, kann in diesem Wort Erlösung finden“, so der Bischof. „Lassen wir uns von diesem Wort unser eigenes Sprechen korrigieren. Wie spricht der, der von Jesus berührt wird? Hoffentlich so, dass er zunächst ein Hörender ist. Dreißig Jahre lang hörte Jesus den Menschen zu, bevor er zum ersten mal zu ihnen spricht. „Bemühen wir uns um ein Sprechen mit dem liebenden Blick auf den anderen. Um ein Sprechen, das aufrichtet und aufbaut und im eigenen Sprechen und Dienen bezeugt, dass es von dem berührt ist, der das ewige Wort ist.“
Hier können Sie sich die Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag im Dom anhören:
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Die Weihnachtsgottesdienste wurden von Domchor und Domorchester feierlich umrahmt. Sie musizierten die Salzburger “Stille Nacht” Messe des früheren Eichstätter Domkapellmeisters Wolfram Menschick. Neben Werken von Praetorius, Willcocks, und Unterguggenberger erklang in der Christmette das berühmte „Transeamus“ von Joseph Schnabel. Bassolist war Bernhard Forster. Am ersten Weihnachtsfeiertag musizierte das Vokalensemble Cappella Cathedralis gemeinsam mit dem Domorchester die „Pastoralmesse“ von V. E. Horák. Zudem erklang das innige „Pueri Concinite“, vorgetragen von Matthias Deger, Tenor, und die Arie „Großer Gott und starker König“ aus J. S. Bachs Weihnachtsoratorium, gesungen vom Bassisten Lorenz Schober. Das Trompetensolo übernahm Michael Lakota. An der Orgel spielte Domorganist Ludwig Ruckdeschel. Die Leitung lag ihn Händen von Domkapellmeister Andreas Unterguggenberger.



