Soziales

Weltfrauentag: Blumen, Schokolade, Gerechtigkeit

Tamina Friedl am 06.03.2026

Info Icon Foto: KDFB Passau
Porträt von Frau Grad.

Am 8. März werden Frauen in Italien mit strahlendgelben Mimosen beschenkt, in Polen sind es Rosen, Tulpen oder Nelken und in Rumänien gibt es Geschenke wie zum Muttertag. Hierzulande ist der 8. März ein Feiertag in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, besondere Traditionen gibt es keine. Dass es darum auch gar nicht so sehr geht, das sagt Adelinde Grad. Die stellvertretende Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) im Bistum Passau kann auf Blumen und Schokolade gut verzichten – wenn es dafür mehr Gerechtigkeit gibt. 

Der Welt­frau­en­tag wird ja welt­weit gefei­ert und in vie­len Län­dern haben die Frau­en bei Wei­tem noch nicht die­se Rech­te, die bei uns schon durch­ge­setzt sind.”

Adelinde Grad

Meh­re­re Jahr­zehn­te lie­gen zwi­schen den Ursprün­gen des Welt­frau­en­tags in Deutsch­land zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts und heu­te und doch hat der Tag sei­nen Stel­len­wert nie ver­lo­ren. Zum einen auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne: Der Welt­frau­en­tag wird ja welt­weit gefei­ert und in vie­len Län­dern haben die Frau­en bei Wei­tem noch nicht die­se Rech­te, die bei uns schon durch­ge­setzt sind“, betont Ade­lin­de Grad. Zum ande­ren aber auch in Deutsch­land, wo Gleich­be­rech­ti­gung auf dem Papier gege­ben ist, aber in Berei­chen wie Lohn­ge­rech­tig­keit und Care-Arbeit Erwar­tung und Rea­li­tät noch immer aus­ein­an­der­ge­hen. 16% beträgt der Gen­der Pay Gap 2025 und weist dar­auf hin, dass Frau­en im Schnitt einen um 16% gerin­ge­ren Stun­den­lohn erhal­ten. Zen­tra­le Grün­de dafür sieht Ade­lin­de Grad etwa im hohen Teil­zeit- und Mini­job-Anteil bei Frau­en und dar­in, dass sie sel­te­ner in Füh­rungs­po­si­tio­nen, dafür häu­fi­ger in schlech­ter-bezahl­ten Bran­chen wie im sozia­len Bereich tätig sind. 

Ade­lin­de Grad fin­det den Kern vie­ler Her­aus­for­de­run­gen jedoch vor allem im Stich­wort Care-Arbeit“, also in unbe­zahl­ter Sor­ge­ar­beit, zum Bei­spiel für Kin­der und ande­re Ange­hö­ri­ge, die über­wie­gend Frau­en leis­ten. Auf die Fra­ge, ob das Bewusst­sein für Care-Arbeit in der Gesell­schaft gestie­gen sei, ant­wor­tet Grad: Das ist einer­seits des­halb mehr in den Mit­tel­punkt gerückt, weil Care-Arbeit, wenn man sie außer Haus ver­la­gert, sehr teu­er gewor­den ist. Die Kos­ten für Pfle­ge­hei­me stei­gen zum Bei­spiel stän­dig an.“ Im Zuge des­sen habe sich allein in dem Begriff Care-Arbeit“, der Pfle­ge­ar­beit und Sor­ge­ar­beit für Kin­der gemein­sam betrach­tet, eine Mög­lich­keit ent­wi­ckelt, die­se Tätig­keit in der Berufs­bio­gra­fie von Frau oder Mann kon­kret zu benen­nen und zu berück­sich­ti­gen. Für Frau­en die Chan­ce, Lücken zu schlie­ßen und Auf­stiegs­chan­cen aus­zu­glei­chen: Frau­en haben nicht die glei­chen Auf­stiegs­chan­cen in Betrie­ben, weil sie eben zwi­schen­drin Lücken in ihrer Erwerbs­bio­gra­fie haben, teil­wei­se dann tech­nisch nicht mehr ange­passt sind und Wei­ter­bil­dun­gen brau­chen, die teil­wei­se nicht gewährt wer­den.“ Die Kin­der­be­treu­ung aus­ge­gli­chen auf­zu­tei­len, sei trotz­dem kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Oft nicht, weil die Eltern sich das nicht wün­schen, son­dern weil es etwa in der pri­va­ten Wirt­schaft noch nicht üblich sei. Hier und in der Unter­stüt­zung selb­stän­dig-täti­ger Frau­en sieht Grad ein gro­ßes Ein­satz­feld, auch für den Frauenbund.

Von den Frau­en selbst wün­sche sich Ade­lin­de Grad mehr Selbst­ver­trau­en und Selbst­be­wusst­sein. Oft­mals stel­le sie fest, dass Frau­en auch Frau­en oft weni­ger zutrau­en. Kann die das?“, sei die Fra­ge, die oft gestellt wer­de. Der KDFB kön­ne hier anset­zen, indem er gute Vor­bil­der vor­stel­le. Frau­en, die viel bewir­ken im Beruf, in der Gesell­schaft und auch in der Kir­che. Gott sei Dank haben wir ja auch in der katho­li­schen Kir­che ein paar sehr, sehr taf­fe Frau­en“, so Grad. Der KDFB Pas­sau nut­ze hier sei­ne Platt­for­men wie die Ver­bands­zeit­schrift enga­giert“, aber auch ganz prak­ti­sche Kurs­for­ma­te, die zei­gen sol­len: Hier set­zen sich Frau­en für Frau­en ein. Ech­te Vor­bil­der eben. 

Das Interview mit Adelinde Grad gibt's hier zum Anhören:

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The­men wie Care-Arbeit erken­ne Grad ins­be­son­de­re in der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on mitt­ler­wei­le als zen­tra­le Aspek­te zum Bei­spiel in Bezie­hun­gen, über die sich Paa­re gemein­sam Gedan­ken machen. Zugleich nutzt die­se Gene­ra­ti­on dar­über hin­aus auch die sozia­len Medi­en, um sich über The­men rund um Gleich­stel­lung aus­zu­tau­schen. Fluch oder Segen? Ich wür­de sagen: Jein“, erwi­dert Ade­lin­de Grad hier mit einem Augen­zwin­kern. Ihr Ein­druck sei, dass beson­ders auf Platt­for­men wie Tik­Tok und Insta­gram eher Model­le bewor­ben wer­den, die zwar weni­ger Geschlech­ter, dafür aber Gene­ra­tio­nen spal­ten. Hier lau­te es oft die bösen Boo­mer gegen die Gen Z“. Auch die­se unaus­ge­wo­ge­nen Dis­kus­sio­nen wür­den nicht wei­ter­brin­gen, so Grad. 

Für den Katho­li­schen Deut­schen Frau­en­bund sei in den letz­ten Jah­ren vor allem die Auf­klä­rungs­ar­beit ein Kern­ge­biet des Enga­ge­ments – wich­tig ins­be­son­de­re ange­sichts nach wie vor anstei­gen­der Gewalt gegen Frau­en, auch in Deutsch­land. 187.128 weib­li­che Opfer häus­li­cher Gewalt, 53.451 weib­li­che Opfer von Sexu­al­straf­ta­ten, 308 Femi­zi­de, so die Zah­len des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums in Deutsch­land für 2024. Frau­en durch Auf­klä­rungs­ar­beit zu stär­ken und das The­ma in die Öffent­lich­keit zu trans­por­tie­ren, wir­ke einer oft vor­herr­schen­den Täter-Opfer-Umkehr ent­ge­gen und schär­fe das Ver­ständ­nis für die Not­wen­dig­keit eines wirk­sa­men Opfer­schut­zes. Die Scham muss die Sei­te wech­seln“, zitiert Ade­lin­de Grad an die­ser Stel­le Gisè­le Peli­cot, die für den Ver­ge­wal­ti­gungs­pro­zess gegen ihren Ex-Mann und 50 wei­te­re Täter bekannt ist. Auch für schein­bar in Deutsch­land nicht prä­sen­te Fäl­le wie Geni­tal­ver­stüm­me­lung oder Zwangs­hei­rat müs­se das Bewusst­sein wach­sen: Wir müs­sen dafür offen sein, dass sol­che Frau­en bei uns in Deutsch­land Schutz bekom­men, wenn sie flie­hen aus ihrem Land“, so Grad. Über die­se ideel­le Auf­klä­rungs­ar­beit hin­aus unter­stützt der KDFB dazu auch Frau­en­häu­ser in der Regi­on finanziell.

Die­ses Jahr fällt der Welt­frau­en­tag mit dem Wahl­sonn­tag der Kom­mu­nal­wah­len zusam­men. Es soll ein Wählt­frau­en­tag“ sein, so der Appell des KDFB. Die Lokal­po­li­tik kön­ne für Frau­en in der Regi­on eine Men­ge tun, ist sich Ade­lin­de Grad sicher. Es fan­ge an beim Aus­bau von Kita-Plät­zen und gehe bis hin zum fami­li­en­ge­rech­ten ÖPNV und der Stär­kung der Ganz­tags­schu­len, für die der KDFB bereits geschul­tes (weib­li­ches) Per­so­nal zur Ver­fü­gung stellt. Was die Gestal­tung der Kan­di­da­tin­nen- und Kan­di­da­ten­lis­ten betrifft, rich­te sich die Ver­tei­lung der Lis­ten­plät­ze oft gern nach den Posi­tio­nen im ört­li­chen Ver­eins­le­ben“, im Fuß­ball­ver­ein oder bei der Feu­er­wehr zum Bei­spiel. Da gebe es Dorf­lis­ten, auf denen ste­he eine ein­zi­ge Frau unter ansons­ten aus­schließ­lich Män­nern, so Ade­lin­de Grad. Auch hier plä­diert Grad für mehr Unter­stüt­zung von Frau­en für Frau­en: Wir Frau­en müs­sen drei Din­ge ler­nen: Ers­tens ein­mal, dass wir Frau­en akzep­tie­ren. Dass wir Frau­en etwas zutrau­en. Und drit­tens, dass wir Frau­en ver­trau­en. Dar­an müs­sen wir arbei­ten und das machen wir auch vom KDFB aus.“

Ade­lin­de Grad sagt selbst, sie habe gelernt, dass Frau­en in man­cher Hin­sicht anders ticken als Män­ner – und trotz­dem oder gera­de des­halb Erfolg haben kön­nen. Aspek­te wie Soft Skills in wirt­schaft­li­chen Debat­ten und ein Blick auf das gro­ße Gan­ze brin­gen in vie­len Dis­kus­sio­nen zusätz­li­che Per­spek­ti­ven. Das habe sie in der Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Frau­en erlebt. Den Blick­win­kel zu wei­ten, sich zu infor­mie­ren und in den Aus­tausch zu gehen, sei­en im Mit­ein­an­der wesent­lich. Wich­ti­ger als das Geschenk zum Welt­frau­en­tag: Wir wür­den uns kei­ne Blu­men oder Scho­ko­la­de oder sowas wün­schen. Wir wün­schen uns Gerechtigkeit.“ 

Text: Tami­na Friedl / pbp

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