Bild: KiS Bistum Passau
Seit über 20 Jahren gibt es in den bayerischen Diözesen die „Krisenseelsorge im Schulbereich", kurz KiS. Bei einer Feierstunde in Spectrum Kirche in Passau wurden am Montag zwei „Neue“ ausgesandt. Sie erhielten ihre Zertifikate von Generalvikar Josef Ederer überreicht.
Die Krisenseelsorge im Schulbereich (KiS) ist ein Angebot der bayerischen Diözesen für alle Menschen im Lebensraum Schule, die mit Tod und Trauer in Berührung kommen. Die diözesanen KiS-MitarbeiterInnen sind speziell ausgebildete kirchliche und staatliche Lehrkräfte aller Schularten. Das Anliegen ist eine sensible und an den Bedürfnissen einzelner Personen und Systeme orientierte Unterstützung und Begleitung. Krisensituationen in der Schule treten meist plötzlich und unvorbereitet ein. Ein plötzlicher Todesfall in der Schulfamilie, ein Unfall, ein alles veränderndes Ereignis – für alle Beteiligten im Schulalltag stellen solche Ereignisse eine große Herausforderung dar. Sei es die Schulleitung, Lehrkräfte und natürlich die Schülerinnen und Schüler. Um auf solche Fälle gut vorbereitet zu sein, gibt es diese speziell ausgebildeten schulischen Krisenteams.
Am Montagabend kamen zum KiS-Team im Bistum Passau zwei weitere Personen hinzu. Sie erhielten ihre Zertifikate von Generalvikar Josef Ederer überreicht. Im Radiobeitrag erzählen Sie von der Ausbildung und auch von ihren bisherigen Erfahrungen im Schulbereich, als z.B. plötzlich jemand verstarb.
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Anna Perl ist Gemeindereferentin im Pfarrverband Pfarrkirchen und z.B. auch in der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Für sie stellte die Ausbildung eine sinnvolle Ergänzung zu ihrer Ausbildung als Notfallseelsorgerin dar. Gerade weil eine Trauer- oder Verlustproblematik mit Kindern und Jugendlichen den Seelsorger doch noch einmal anders herausfordert. „In der Notfallseelsorge bist im Grunde überall unterwegs, draußen. Man bekommt einen Anruf und fährt dann los. KiS ist wieder ein ganz spezieller Bereich, eben die Schule und das schulische Umfeld. Und da musst du eben genau diesen Kontext Schule kennen, das ist eben anders als bei der Notfallseelsorge“, erklärt Anna Perl die Unterschiede. Auch der rechtliche Hintergrund sei anders im Schulbereich, weil z.B. die Anforderung durch die Schulleitung erfolgen müsse. „Ich habe da sehr viel Handwerkszeug mitbekommen in der Kis-Ausbildung. Es gibt für solche Fälle aber keinen konkreten Ablaufplan, aber man lernt wie man reagieren muss, welche Materialien sind verfügbar.“ Nützlich war das Erlernte auch schon in der bitteren Realität, als die Mutter einer Schülerin verstarb. „Da hast du dann eine Klasse vor dir. Und ganz viele reagieren unterschiedlich. Freundinnen, Freunde sind wahnsinnig betroffen. Und ganz viele fragen sich dann — oh mein Gott, was ist, wenn meine Mama krank wird, oder das meiner Mama passiert. Und die muss man dann alle auf eine besondere Art und Weise auffangen. Und da bist du dann auch — Gott sei Dank — nie alleine. Du hast immer auch den Klassenlehrer mit dabei, weil der ja schon einen Bezug zu den Kindern hat.“
Michael Osterholzer ist seit September 2024 Pfarrer im Team des Pfarrverbandes Arnstorf, im Landkreis Rottal-Inn. Seine Motivation den KiS-Kurs zu belegen: „Ich arbeite gern in der Schule, mir liegen Kinder und Jugendliche sehr am Herzen und ich glaube, dass das ein ganz wichtiges Arbeitsfeld ist, um an Schüler heranzukommen. Gerade wenn da Probleme auftreten, wenn schlimme Sachen vorfallen, dass man da als Kirche auch Präsenz zeigt.“ Es sei ein besonderer Bereich, weil Kinder und Jugendliche z.B. auf eine andere Art und Weise trauern, wie Erwachsene. „Es ist natürlich eine ganz andere Welt für uns als Erwachsene, in die man sich dann erst wieder einarbeiten muss. Und ich finde es wahnsinnig spannend, zu verstehen, was beschäftigt denn die heutige Jugend? Wie tickt die nächste Generation?“. Wie wichtig und nützlich die Ausbildung ist, musste Pfarrer Michael Osterholzer nur kurz nach Antritt als Pfarrer in Arnsdorf erfahren, als eine Lehrerin plötzlich verstarb und aufgrund ihrer großen Beliebtheit eine riesige Lücke in der Schulfamilie hinterließ. Dort war die KiS-Ausbildung sehr wertvoll, um mit dem Kollegium und den Schülerinnen und Schülern diesen Verlust aufzuarbeiten: „Da haben wir dann ja in der Schule selber einen Trauerraum eingerichtet, da sind Briefe geschrieben worden an die Angehörigen. Und wir haben dann eine große Andacht abgehalten, für die Schüler der Schule, und das war wirklich eine sehr prägende Erfahrung. Ein sehr trauriger Anlass, aber es war sehr nachhaltig, eine wirklich wertvolle Erfahrung in der schlimmen Krise“.
Hier geht es zu den Webseiten von KiS im Bistum Passau:



