Eine Reise voller beeindruckender Landschaften, mystischer Kathedralen und besonderer spiritueller Momente erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pilgerreise „Mont Saint-Michel und Chartres“, zu der die Katholische Erwachsenenbildung Freyung-Grafenau Anfang September eingeladen hatte.
Sehr früh morgens um 4.00 Uhr war die Pilgergruppe von 20 Personen mit Reiseleiter und geistlichem Begleiter, KEB-Geschäftsführer Michael Winichner, vom Freyunger Busbahnhof gestartet und erreichte am frühen Abend die erste Station der Reise: Reims. Dort wurde die Gruppe von einer ortsansässigen Führerin durch die wundervolle Kathedrale, der Krönungskirche der französischen Könige, begleitet. Dies war der Auftakt einer Woche, in der sich Geschichte, Kunst, Landschaft und Glaube immer wieder miteinander verbanden.
Nach einer Übernachtung ging es schließlich über Honfleur, einem wunderschönen Hafen-Städtchen an der Mündung der Seine in den Atlantik, weiter zum eigentlichen Höhepunkt der Reise: dem Mont Saint-Michel. Schon der erste Blick auf den weithin sichtbaren Klosterberg, der sich eindrucksvoll aus der Bucht erhebt, ließ die Teilnehmer die besondere Atmosphäre dieses Ortes spüren. Die Besichtigung der Abteikirche und des Klosters, die hoch über der Bucht auf dem Felsen thronen, vermittelte eindrucksvoll die jahrhundertealte Geschichte dieses bedeutenden Wallfahrtsortes mit seiner mittelalterlichen Architektur.
Am Morgen des dritten Tages machte sich die Gruppe abermals auf den Weg zum Mont Saint-Michel und genoss die Ruhe vor der Ankunft der Touristenströme. In der kleinen Kirche Saint-Pierre feierte die Teilnehmer einen Wortgottesdienst und fuhren anschließend nach Avranches, das eng mit der Entstehung des Mont Saint-Michel verbunden ist. Der Überlieferung zufolge erschien dort der Erzengel Michael dem Bischof Aubert und beauftragte ihn mit dem Bau einer Kirche auf dem Felsen.
Am Nachmittag wartete schließlich ein Erlebnis der ganz besonderen Art: eine Wattwanderung zum Mont Saint-Michel. Bei Ebbe machte sich die Gruppe zu Fuß auf den Weg durch die Bucht. Für viele Teilnehmer war es äußerst beeindruckend, sich dem „heiligen Berg“ des buchstäblich mit allen Sinnen zu nähern. Der Wechsel von Wasser, Sand und Himmel, das Gehen auf dem Meeresboden und der immer näher rückende Mont Saint-Michel machten die Wanderung zu einem der nachhaltigsten Erlebnisse der gesamten Reise. Anschließend blieb ausreichend Zeit, um den besonderen Ort noch einmal ganz in Ruhe auf sich wirken zu lassen.
Der folgende Tag stand ganz im Zeichen der Geschichte der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie und des Atlantikwalls. In Arromanches-les-Bains und Longues-sur-Mer wurde ein entsprechendes Museum sowie die Reste der Verteidigungsanlagen besichtig. Danach ging es für die Gruppe nach Bayeux, wo eine geführte Besichtigung der eindrucksvollen Kathedrale auf sie wartete. Abgeschlossen wurde der Tag mit dem gemeinsamen Gebet der Vesper in einer Seitenkapelle.
Ein weiteres großes Highlight erwartete die Teilnehmer am folgenden Tag an der bretonischen Atlantikküste. Nach einer einstündigen Fahrt starteten sie eine Wanderung von rund 3,5 km unmittelbar an der spektakulären Küste entlang zum Leuchtturm von Cap Fréhel. Steile Felsen, das offene Meer und der Blick über die Küstenlandschaft machten die Wanderung für alle Teilnehmer zu einem weiteren Höhepunkt der Reise. Unterwegs lud Michael Winichner zu einem spirituellen Impuls ein. Inspiriert vom Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi richtete sich der Blick dabei auf die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung.
Am Nachmittag besichtige die Gruppe schließlich die Hafenstadt Saint-Malo mit seiner mächtigen Festungsanlage sowie den Fischerort Cancale, wo einige Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, die besten und frischesten Austern Frankreichs zu kosten.
Nach vier Nächten in einem Hotel nahe des Mont Saint-Michel brach die Gruppe nach Chartres auf. Die dortige weltberühmte hochgotische Kathedrale, die ursprünglichste ihrer Art, beeindruckte nicht nur durch ihre Architektur und die einzigartigen 172 mittelalterlichen Glasfenster. Für viele Teilnehmer wurde vor allem das berühmte Bodenlabyrinth zu einem tiefen und ergreifenden Erlebnis. Sie nutzten die Gelegenheit, das Labyrinth in aller Ruhe abzuschreiten – Schritt für Schritt, in der eigenen Geschwindigkeit und mit Zeit für die persönlichen Gedanken. Aus einem kunsthistorischen Zeugnis wurde so für viele ein sehr persönlicher spiritueller Weg.
Beendet wurde die Reise auf dem Rückweg mit einem Wortgottesdienst in der Kathedrale von Speyer, der größten romanischen Kirche des Abendlandes. Am späten Abend kehrte die Gruppe schließlich nach Freyung zurück und es endete eine Reise, die viele unterschiedliche Facetten miteinander verbunden hatte: eindrucksvolle Kathedralen und Klöster, bewegende Zeugnisse europäischer Geschichte, die Weite der Atlantikküste und besondere Momente des gemeinsamen Glaubens. Im Mittelpunkt standen dabei immer wieder Erfahrungen, die sich nicht allein in Bildern festhalten lassen – das Gehen durch das Watt auf den Mont Saint-Michel zu, das Staunen über die Kraft des Meeres am Cap Fréhel, das gemeinsame Gebet und schließlich die stillen Schritte durch das Labyrinth von Chartres.
Eine Pilgerreise, die damit vor allem eines hinterließ: viele Eindrücke für die Augen – und ebenso viele für Herz und Seele.
Text: KEB Freyung-Grafenau

