Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Auch der zweite Tag Adoratio in Altötting war nach dem gelungenen Auftakt ein Erfolg und stand, ganz dem Motto getreu, im Zeichen von neuer Hoffnung. Das zeigen die Impressionen zu Vortrag von Bischof Stefan Oster SDB „Anbetung – Quelle der Hoffnung“ und der Eucharistiefeier, dem Podiumsgespräch „Leo XIV. – ein Pontifikat der Hoffnung“ unter der Leitung von Sophia Kuby, den Workshops, dem Gebetsabend und der abschließenden Lichterprozession.
Ein neuer Tag im Zeichen neuer Hoffnung
Schon der Start in den zweiten Adoratio-Tag mit der Laudes, die von den Schwestern vom Kloster Wettenhausen gestaltet wurde, gab den Teilnehmenden neue Hoffnung mit auf den Weg. Das Motto zog sich dann auch – wie überhaupt an den drei Kongresstagen – durch den ganzen Tag. „Anbetung – Quelle der Hoffnung“ lautete der Titel des Vortrags von Bischof Stefan Oster im Anschluss an die Laudes in einer erneut vollen Basilika St. Anna, in deren Anschluss man wieder in die stille Anbetung gehen konnte.
„Anbetung – Quelle der Hoffnung“
Inwiefern Anbetung eine Quelle der Hoffnung sein kann, führte Bischof Stefan Oster, der selbst jeden Tag frühmorgens eine halbe Stunde vor dem Allerheiligsten anbetet, in seinem Vortrag aus. Er berichtete von zwei völlig gegensätzlichen persönlichen Erlebnissen. Bei dem einen hat er einen sterbenden Mann beim Sterben begleitet, der schließlich in innerem Frieden „nach Hause gehen“ durfte. Bei dem anderen Erlebnis hat er den Tod eines weiteren Mannes erlebt, der trostlos und hoffnungslos starb. „Eine Kontrasterfahrung“, wie der Bischof meinte. Er verwies darauf, dass Glaube eine zweite Natur sei, die über das weltliche hinausgehe. In den tieferen Glauben und damit in den tieferen inneren Frieden, so wie ihn der erste Mann erlebt habe, würde wir durch die stille Anbetung finden. „Anbetung ist aber nicht immer leicht“, betonte Bischof Oster. Sie koste die Veränderung des Herzens. Doch lohnt es sich, diesen Weg zu gehen, wie er ausführte.
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Seine Botschaft: Die Stille lernt neues Denken! Qualitäten wie Zuhören- und Lieben-Lernen, wahres Erkennen (von Gott) und dass Gott die Mitte von Allem ist, gehören ihm zufolge dazu. Das sei der Weg, dass wir heiler bzw. heiliger werden, so der Bischof. „Die einzige Voraussetzung ist, sich lieben zu lassen, sodass er aus dir herauslieben kann, was wirklich ist.“ Genau das sei Anbetung. Die Stille vor Gott führe schließlich in die innere Freiheit und „dass wir in Krisen lernen, freie Menschen zu sein“. Genau das hätte der erstere der beiden sterbenden Männer erlebt, so Bischof Oster. „Wir sind gerettet, aber in der Hoffnung“, zitierte er den Apostel Paulus. Er schloss mit einem wichtigen Satz aus dem Römerbrief: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.“ (Römerbrief 8,28−29)
„Die einzige Voraussetzung, heiler bzw. heiliger zu werden, ist, sich lieben zu lassen, sodass er aus dir herauslieben kann, was wirklich ist.”
Eucharistiefeier
Wie wir aus Heiligen neue Hoffnung schöpfen können, thematisierte Bischof Oster dann in seiner Predigt in der Eucharistiefeier, die musikalisch von der Jugend2000 München gestaltet wurde. Er erinnerte zuerst an den Heiligen Vinzenz von Paul, dessen Gedenktag wir am heutigen 27. September feiern. Er hatte sich zu Lebzeiten im 17. Jahrhundert besonders für Arme eingesetzt und sei Gott dadurch nähergekommen, so der Bischof. Nicht die Reichen und Mächtigen habe Gott geachtet. „Gott erwählt die Einfachen, die Schwachen, die nichts gelten“, betonte er. Als beste Beispiele nannte er die Heiligen der bedeutendsten Wallfahrtsorte wie beispielsweise die Heilige Bernadette von Lourdes oder den Heiligen Bruder Konrad von Parzham, der zeitlebens an der Klosterpforte des Kapuzinerklosters in Altötting für die Bedürftigen da war. Weitere Beispiele für „kleine Heilige“ seien die Heilige Therese von Lisieux und die Heilige Mutter Teresa. Sie alle seien Zeuginnen und Zeugen geistlichen Lebens, so Bischof Oster. „Die Welt braucht dieses Zeugnis“, betonte er und verwies auf den zunehmenden Priestermangel. Er ermutigte all jene, die ein geistliches Leben als Priester oder Ordensmensch anstrebten, sich zu trauen, diesen Weg zu gehen. Die Gläubigen ermutigte er schließlich, die Nähe zu Gott zu suchen und auch Zeuginnen und Zeugen zu sein. „Leben wir bei ihm, gehen wir hinaus und erzählen, wie sehr wir ihn brauchen!“
„„Leben wir bei ihm, gehen wir hinaus und erzählen, wie sehr wir ihn brauchen!“”
„Leo XIV. – ein Pontifikat der Hoffnung“
Der am 8. Mai neugewählte Papst Leo XIV. mit seinem Pontifikat als eines, das Hoffnung gibt, war Thema der Podiumsdiskussion am Nachmittag. Darüber sprach Sophia Kuby, Leiterin der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International in Wien, mit dem Focus-Missionar Jimmy Harrison, der Autorin und Online-Redakteurin Anna Diouf, und Stephanie Stampfer, Redakteurin beim YOU! Magazin und Host des Podcast Unverschämt Katholisch. Grundsätzlich waren sich alle einig, dass der neue Papst ein Hoffnungszeichen für die katholische Kirche ist. „Wir leben in einer Zeit der Umbrüche, in der wir einen Papst wie Leo brauchen“, meine Anna Diouf zum Zeitgeist, der geprägt ist von stetigen Neuerungen und Fortschritt wie beispielsweise aktuell die Künstliche Intelligenz (KI). „Ich habe das Gefühl, dass Menschen jetzt wieder vermehrt die Frage nach dem Sinn stellen“, so Diouf weiter und betonte, dass dies eine große Chance für die Kirche sei. Stephanie Stampfer und Jimmy Harrison bestätigten Dioufs Sichtweise. „Menschen wollen Antworten auf die Frage, was oder wer der Mensch ist“, so Harrison. Nur eine Antwort hierauf gäbe es: „Jesus Christus ist der einzige Sinn!“ Offen, authentisch und mit Selbstvertrauen zu ihm zu stehen, dazu ermutigte Stephanie Stampfer. Ganz ihrem Podcast-Titel „Unverschämt“ getreu meinte sie: „Wir dürfen unverschämt zu Jesus stehen.“ Dazu aber brauche es zuallererst das Gebet, ergänzte Focus-Missionar Harrison, und – neben Ordensleuten – auch kontemplative Missionare. Die Kirche müsse sich schließlich nicht verstecken, meinte Anna Diouf dann dazu. „Es gibt hier so viel Schönes, was noch dazu auch wahr ist.“ Beste Beispiele seien prächtige Kirchen mit ihren Schätzen und Kunstwerken sowie Kirchenmusik und Kultur. Das dürfe die Kirche auch zeigen.
Dass der neue Papst das Apostolische Schreiben „Evangelii Gaudium“ (zu dt. die Freude am Evangelium) des verstorbenen Papstes Franziskus so kompromisslos vorlebe, schätze Jimmy Harrison besonders an Leo XIV., mit einer klaren und entschiedenen Haltung. „Das ist wirklich ein Mann, der sein eigenes Leben für seine Herde aufgibt“, würdigte Stephanie Stampfer den Pontifex. Was also gibt der Kirche neue Hoffnung? – So lautete die abschließende Frage von Sophia Kuby an die Podiumsgäste. Focus ‑Missionar Harrison hatte seine Antwort sofort parat: „Jesus und seine Worte. Er hat gesagt: Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt.“ Mit Verweis auf ihre vielen Erfahrungen von Aufbruch antwortete Online-Redakteurin Diouf: „Die vielen Erwachungs- und Bekehrungsgeschichten geben mir Hoffnung.“ Und Podcast-Host Stampfer meinte: „Die aktuelle Krise gibt mir Hoffnung. Denn unsere Zeit bringt sehr feurige Glaubenszeugnisse mit sich.“ Eine Krise sei schließlich auch immer eine große Chance und lasse definitiv hoffen.
„Wir haben ja alles. Es ist alles da. Wir brauchen nichts neu erfinden. Wir müssen uns nur trauen, es herauszuholen.”
Workshops – Neue Hoffnung erfahren
In den zahlreichen Workshops im Anschluss an die Podiumsdiskussion konnten sich die Teilnehmenden zum Thema „Neue Hoffnung“ inspirieren lassen. So sprachen beispielsweise Prof. Dr. Sandra Huebenthal über „Wer die Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht“, Samuel Sieber, Referent für Neuevangelisierung in Passau, über den Alpha-Kurs, und Dekan Bernhard Hesse, zusammen mit Ursula Schwarz und Manfred Benkert, über die 24/7 Anbetung in einer Pfarrei. Und auf die Spuren der Wallfahrt konnte man sich dem Altöttinger Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl zusammen mit dem Kapuzinerpater Marinus Parzinger bei einer geistlichen Stadtführung durch den Wallfahrtsort begeben.
Gebetsabend und Lichterprozession
Seinen Abschluss fand der zweite Adoratio-Tag in der Basilika mit dem gemeinsamen Gebetsabend, der musikalisch von Tom Weißl und Band gestaltet wurde. Neben dem gemeinsamen Gebet wurden hier auch einzelne Bitten vorgetragen. Bei der anschließenden von Prälat Klaus Metzl geleiteten Lichterprozession zog man hinauf zum Kapellplatz und um die Gnadenkapelle. Am Heiligtum angekommen erflehten die Gläubigen, in Begleitung einer Altöttinger Blaskapelle, den Schutz der Gnadenmutter und beteten dabei mit Kerzen in den Händen gemeinsam den Rosenkranz. Nachdem er die Gnadenmutter erneut geweiht hatte, verabschiedete Bischof Stefan Oster schließlich die Gebetsgemeinschaft mit einem herzlichen „Gute Nacht!“ Am Sonntag ist dann der dritte und letzte Adoratio-Tag, an dem der Münchner Kardinal Reinhard Marx der Eucharistiefeier vorsteht.
Mehr zu Adoratio
Adoratio Altötting ist ein Kongress, der sich der eucharistischen Anbetung und der Erneuerung des Glaubens im deutschsprachigen Raum widmet. Inspiriert von dem internationalen Kongress zur ewigen eucharistischen Anbetung, der 2011 erstmals in Rom stattfand, wurde Adoratio 2019 in Altötting ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Referats für Neuevangelisierung des Bistums Passau wird der Kongress 2025 in Zusammenarbeit mit den Bistümern Augsburg und Eichstätt bereits zum sechsten Mal veranstaltet.


