Bild: Synodaler Weg / Marko Orlovic
Am Wochenende ist in Stuttgart mit der 6. Vollversammlung der Synodale Weg formell beendet worden. Aus dem Bistum Passau nahmen Bischof Stefan Oster SDB und Diözesanratsvorsitzender Markus Biber teil. Beide haben wir nach Ende der Versammlung um ihre Einschätzung gebeten. Hier das Interview mit Diözesanratsvorsitzendem Markus Biber.
Herr Biber, mit welchem Gefühl endet für Sie der Synodale Weg?
Der „Synodale Weg“ endet für mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil man die vielen Menschen mit denen man in den vergangenen 6 Jahren gern und intensiv über Fragen der katholischen Kirche in Deutschland diskutiert hat, so schnell nicht wieder in dieser Zusammensetzung sehen wird. Lachend, weil der „Synodale Weg“ ein großer Erfolg in vielerlei Hinsicht war und ist. So hat man sich durch die Diskussionen und das Umfeld besser kennengelernt, das Klima unter den Diskutanten hat sich im Vergleich zum Anfang doch deutlich verbessert und man hat Wege gefunden miteinander gute Ergebnisse zu erringen, die vorher niemand erwartet hätte. Dies kann man erkennen, wenn man sich die Papiere ansieht die gemeinsam verabschiedet wurden. Wichtig ist natürlich nun, dass diese in den einzelnen Diözesen auch umgesetzt werden.
Der Synodale Weg sollte die Stimme der Laien stärken. Hat er das tatsächlich getan – oder blieb am Ende doch alles in bischöflicher Hand?
Die letzte Entscheidung bzw. Verantwortung für die Umsetzung der gemeinsam getroffenen Entscheidungen auf dem Synodalen Weg aber auch allgemein in jedem Bistum bleibt in der Hand der Bischöfe. Allerdings führt die Verpflichtung der Bischöfe zur Synodalität – die von Papst Franziskus und Papst Leo gestützt wurde bzw. wird auch dazu, dass diese transparent und vor allem nach einer vorhergehenden gemeinsamen Willensbildung unter Einbeziehung aller zuständigen Beschlussgremien und damit auch der Laien getroffen werden.
Bild: Markus Biber
Viele Beschlüsse des Synodalen Weges sind rechtlich nicht bindend. Wie groß ist Ihre Sorge, dass am Ende wenig umgesetzt wird?
Diese Sorge ist für mich nur theoretischer Natur. Selbstverständlich ist es theoretisch in die Hand jedes einzelnen Bischofs gelegt, ob die Entscheidungen ‑wie soeben ausgeführt — umgesetzt werden. Allerdings wird es sicherlich zahlreiche Bischöfe geben die, dies mit voller Überzeugung durchführen werden. Sobald sich dies in einzelnen Diözesen abzeichnet, werden auch die Bischöfe, die nicht gewillt sind alles umzusetzen, in Zugzwang geraten, nachzuziehen, um keine unterschiedlichen Rechtslagen oder Vorgaben in Deutschland zu schaffen.
„Wenn man sieht, was … alles an Aufarbeitung und Präventionsarbeit angestoßen wurde und … umgesetzt wurde, dann kann man sagen, dass die katholische Kirche hier bereits mehr getan hat als etwa die verschiedenen staatlichen Ebenen.”
Der Synodale Weg sollte auch Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal ziehen. Ist das gelungen?
Meines Erachtens wurden hier sehr große Fortschritte erzielt und zahlreiche Konsequenzen aus dem vorangegangenen Missbrauchsskandal gezogen. Man hat sich gerade den systemischen Problemen der Kirche gestellt, versucht deren Entstehung zu ergründen und Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Dies war ja auch der Ausgangspunkt des Synodalen Weges, als die Bischofskonferenz nach Erscheinen der MHG-Studie das ZdK gebeten hat, gemeinsam diesen Weg zu gehen und die systemischen Ursachen in der katholischen Kirche in Deutschland anzugehen. Wenn man sieht, was dadurch alles an Aufarbeitung und Präventionsarbeit angestoßen wurde und auch schon umgesetzt wurde, dann kann man sagen, dass die katholische Kirche hier bereits mehr getan hat als etwa die verschiedenen staatlichen Ebenen.
Der Synodale Weg ist formal beendet, wie soll es nun weitergehen – auch im Bistum Passau?
Es ist richtig, dass der „Synodale Weg“ in Deutschland beendet ist. Gleichzeitig hat dieser jedoch mit der Schaffung einer gemeinsamen bundesweite Synodalkonferenz (zusammen mit ZdK und Bischofskonferenz), die auch mit dem Vatikan in Rom abgestimmt ist, die Weichen für Synodalität in der katholischen Kirche in Deutschland auf Dauer gestellt. Diese wird in den kommenden Monaten konstituiert und dann deren Mitglieder gewählt. Dort sollen künftig gemeinsam grundlegende Entscheidungen für die Kirche in Deutschland synodal getroffen werden.
Des Weiteren hat Papst Leo alle Bischöfe angehalten, in Ihren Diözesen auf ein synodales Miteinander hinzuwirken und hierzu Synodalteams auf allen Ebenen der katholischen Kirche zu schaffen. Auch in der Diözese ist bereits ein solches Team am Entstehen. So wird vermutlich rund um den Bistumsrat im Februar 2026 dieses Team endgültig gegründet werden und dann nach einer Ausbildung in den Grundzügen der Synodalität, seine Arbeit aufnehmen können, mit dem Ziel die Haltung von Synodalität und die Formen, wie man diese leben kann, auch in die Breite und Fläche der Diözese tragen zu können.
(Redaktion: Armin Berger)



