In seiner Predigt ging der Bischof von einer Begegnung aus, bei der ein Mann ihn angesprochen habe. Dieser stellte infrage, ob es Liebe ‚umsonst‘ – ohne Eigennutz und Hintergedanken – überhaupt gebe. Dass Menschen, wenn sie Gutes tun, oft auch an das Eigene denken, sei tatsächlich nicht ungewöhnlich, so der Bischof. Auch er selbst gehe etwa lieber zu Terminen, bei denen man sich auf ihn freue.
Zugleich sage ihm aber der Glaube: “Im geistlichen Leben soll man eigentlich keinen Unterschied machen — egal wer kommt.” In herausfordernden Situationen bitte er: “Herr, hilf mir, gib mir die Geduld, ein hörender Mensch zu sein. Hilf mir, dass die andere Person mir auch noch Überraschung und Gabe sein kann.”
Darum im Gebet zu bitten, sei zentral, denn “wirkliche Selbstlosigkeit, die den anderen in seiner Andersheit meint, um seinetwillen, die dann auch noch gut zu dem ist, wenn er mich nicht gut findet oder mich sogar bekämpft: Die gibt es nur in Christus. Die Feinde lieben: Das gibt es nur in Christus. Immer und immer wieder vergeben: Das gibt es nur in Christus. Das gibt es nicht woanders.”
Ausgehend von diesen Gedanken leitete der Bischof zum besonderen Gepräge des Allerseelentags über: Wenn man für die Verstorbenen bete, sei das Gebet besonders selbstlos und nicht am eigenen Nutzen orientiert: “Wenn wir es ernst meinen, dann ist es gewissermaßen ein Ausweis für die Liebe, die umsonst ist. Denn die Toten sind doch die, die uns am wenigsten bringen.” In unserem Gebet könnten wir darum bitten, dass die Verstorbenen hineingenommen werden in die Liebe Christi und so ihre Vollendung finden.
In den Fürbitten der Liturgie wurde diese Bitte für die im Dom Bestatteten wie für alle Verstorbenen vor Gott gebracht. Im Anschluss an die Heilige Messe begaben sich Bischof und Domkapitel in die Gruft des Doms, um die dort befindlichen Gräber mit Weihwasser zu besprengen. Danach waren die Gläubigen zum Gebet an und in der Gruft eingeladen.
Musikalisch gestaltet wurde die Liturgie durch das Frauenstimmenensemble und die Domorgel unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Guggenberger.



