Soziales

Fachtag in Niederalteich setzt Zeichen

Redaktion am 12.11.2025

Info Icon Foto: Diana Millgramm
Ein schwieriges, aber notwendiges Thema stand im Mittelpunkt des Fachtags für Landwirtschaft an der Landvolkshochschule Niederalteich: „Unterwanderung von rechts – Zeichen erkennen. Kante zeigen.“ Den Einstieg bildete ein Vortrag von Jacob Pfeifer, der online zugeschaltet war.

Ein schwieriges, aber notwendiges Thema stand im Mittelpunkt des Fachtags für Landwirtschaft an der Landvolkshochschule Niederalteich: „Unterwanderung von rechts – Zeichen erkennen. Kante zeigen.“ Am Samstag diskutierten Landwirtinnen und Landwirte, Fachleute aus Bildung und Verbänden sowie Vertreter aus der Praxis über die wachsende Gefahr rechtsextremer Einflussnahme auf den ländlichen Raum.

Den Ein­stieg bil­de­te ein Vor­trag von Jacob Pfei­fer, der in der poli­ti­schen Bil­dung tätig ist. Er beleuch­te­te die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Bau­ern­pro­tes­ten des Jah­res 2024 und der geziel­ten Instru­men­ta­li­sie­rung durch rechts­ra­di­ka­le Grup­pie­run­gen. Pfei­fer mach­te deut­lich, dass extrem rech­te Akteu­re gesell­schaft­li­che Kri­sen und wirt­schaft­li­che Ver­un­si­che­rung bewusst nut­zen, um Ver­trau­en in demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen zu erschüt­tern. Sie ver­brei­te­ten Feind­bil­der, ver­such­ten wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se in Fra­ge zu stel­len und ersetz­ten Fak­ten zuneh­mend durch Popu­lis­mus und Fake News. Die wirt­schaft­li­che Lage in Deutsch­land nega­tiv dar­zu­stel­len, anti­se­mi­ti­sche und ras­sis­ti­sche Ver­hal­tens­wei­sen zu stär­ken, die Kli­ma­kri­se zu ver­harm­lo­sen oder zu leug­nen – dahin­ter ste­cke am Ende das über­ge­ord­ne­te Ziel der extrem Rech­ten. Das End­ziel ist die Über­win­dung der demo­kra­ti­schen Strukturen.“

Auch die Bau­ern­pro­tes­te sei­en von sol­chen Kräf­ten ver­ein­nahmt wor­den, erklär­te Pfei­fer, wobei er klar­stell­te, dass natür­lich nicht alle Teil­neh­mer dem rech­ten Spek­trum zuzu­ord­nen sei­en. Mit Paro­len wie Wir sind das Volk“ oder Wir gegen die da oben“ ver­such­ten sie, ein unpo­li­ti­sches oder volks­na­hes Image zu schaf­fen und zugleich Spal­tung zu säen. Vie­le The­men sei­en plötz­lich mit den Topf der Pro­tes­te gewor­fen wor­den, die mit dem eigent­li­chen Zie­len nichts zu tun gehabt hät­ten. Emo­tio­nen und Wut waren hier das Ein­falls­tor für vie­le ande­re The­men, wie zum Bei­spiel Remi­gra­ti­on und Gen­der­wahn­sinn – ihnen ging es nicht um die Land­wirt­schaft, son­dern ihre eige­nen Zie­le“, nann­te er eini­ge Bei­spie­le. Sozia­le Medi­en spiel­ten dabei eine zen­tra­le Rol­le: Platt­for­men, die gera­de in der jun­gen Gene­ra­ti­on oft als ein­zi­ge Infor­ma­ti­ons­quel­le die­nen, ver­stärk­ten die Reich­wei­te der extre­men Bot­schaf­ten erheblich.

Die Zie­le rech­ter Grup­pie­run­gen, so der Refe­rent, sei­en viel­fäl­tig. Hin­ter all dem ste­he jedoch ein über­ge­ord­ne­tes Ziel: demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren zu unter­gra­ben und die Gesell­schaft zu pola­ri­sie­ren. Pfei­fer mach­te deut­lich, dass vie­le land­wirt­schaft­li­che Jugend­ver­bän­de die­sem Ver­such ent­schlos­sen ent­ge­gen­tre­ten. Eine gemein­sa­me Kam­pa­gne habe damals unmiss­ver­ständ­lich signa­li­siert: Wir las­sen uns nicht von extrem Rech­ten instrumentalisieren.“

Im Anschluss stand die Fra­ge im Raum, wie man als Ein­zel­ner und als Orga­ni­sa­ti­on reagie­ren kann. Demo­kra­tie, so Pfei­fer, lebe vom Wider­spruch, nicht vom Schwei­gen. Kla­re Sat­zun­gen, Haus­ver­bo­te, Gegen­pro­tes­te oder Koope­ra­ti­on mit Bera­tungs­stel­len könn­ten wirk­sa­me Stra­te­gien sein – auch wenn sie Mut und Stand­haf­tig­keit erfordern.

Einen wich­ti­gen Bei­trag zur Demo­kra­tie­för­de­rung leis­tet auch das land­wirt­schaft­li­che Aus­bil­dungs­sys­tem. Fabi­an Wer­ner, Schul­lei­ter der Land­wirt­schafts­schu­le Pas­sau und der Höhe­ren Land­bau­schu­le Rott­hal­müns­ter, erläu­ter­te, wie im Fach Poli­tik und Gesell­schaft demo­kra­ti­sche Grund­la­gen ver­mit­telt wer­den. Doch auch in ande­ren Fächern, beton­te er, sei die Aus­ein­an­der­set­zung mit gesell­schaft­li­chen The­men unver­zicht­bar. Mit Sor­ge beob­ach­te er, dass in immer mehr bäu­er­li­chen Haus­hal­ten kei­ne Tages­zei­tung mehr gele­sen wer­de. Die Fähig­keit, län­ge­re Tex­te zu ver­ste­hen, gehe ver­lo­ren – eine Ent­wick­lung, die eine fun­dier­te Mei­nungs­bil­dung erschwere.

Kri­ti­sche Stim­men kamen auch aus den land­wirt­schaft­li­chen Ver­bän­den. Josef Schmid, Lan­des­vor­sit­zen­der der Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft (AbL) Bay­ern, berich­te­te, dass sich die AbL früh­zei­tig und deut­lich von rechts­extre­men Strö­mun­gen distan­ziert und sich kri­tisch auch mit den Bau­ern­pro­tes­ten aus­ein­an­der­ge­setz­te habe. Mit der Art und Wei­se der Auf­ru­fe und dem Voka­bu­lar auf den Pro­tes­ten war die AbL größ­ten­teils nicht ein­ver­stan­den.“ Mensch­lich­keit und Men­schen­rech­te sei­en fest in der Sat­zung ver­an­kert. Mit Blick auf die Bau­ern­pro­tes­te habe Schmid ein zuneh­mend aggres­si­ves Auf­tre­ten und Ver­un­si­che­rung als Reak­ti­on in der Bevöl­ke­rung festgestellt.

Peter Huber, Direk­tor des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands Nie­der­bay­ern, hob eben­falls die demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren sei­nes Ver­ban­des her­vor. Wich­tig sei, kla­re Gren­zen zu zie­hen und sich nicht ver­ein­nah­men zu las­sen. Gleich­zei­tig brau­che es Men­schen, die sich vor Ort küm­mern, sowie poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen, die land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben Pla­nungs­si­cher­heit geben.

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Am Nach­mit­tag rück­te der Work­shop Öko­lo­gie von rechts: Rechts­extre­me Ideo­lo­gien im Natur- und Umwelt­schutz“ in den Mit­tel­punkt. Eine Refe­ren­tin der Fach­stel­le FARN (Radi­ka­li­sie­rungs­prä­ven­ti­on und Enga­ge­ment im Natur­schutz) zeig­te auf, wie rechts­extre­me Grup­pen öko­lo­gi­sche The­men für ihre Zwe­cke miss­brau­chen. In der Geschich­te wur­den ver­schie­de­ne öko­lo­gi­sche Bewe­gun­gen von Rechts­extre­men geprägt. Die Beweg­grün­de sind jedoch ande­re: Umwelt­schutz bedeu­te­te hier näm­lich in ers­ter Linie Hei­mat­schutz“ oder Volks­schutz“. Ein Leit­ge­dan­ke ist für extrem Rech­te ist die natür­li­che” Ver­bin­dung von Volk und Lebens­raum“, auch Blut und Boden“-Ideologie genannt, stell­te die Refe­ren­tin fest. Die Teil­neh­men­den erfuh­ren, dass demo­kra­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen des Umwelt- und Natur­schut­zes immer wie­der mit Koope­ra­ti­ons­an­fra­gen und Unter­wan­de­rungs­ver­su­chen kon­fron­tiert wer­den. Der Work­shop sen­si­bi­li­sier­te für die­se Stra­te­gien und mach­te deut­lich, wie wich­tig es ist, his­to­ri­sche und aktu­el­le Ver­flech­tun­gen zu erkennen.

Zum Abschluss dis­ku­tier­te die rund 30-köp­fi­ge Run­de, ob Men­schen mit rech­ten Posi­tio­nen in sol­che Ver­an­stal­tun­gen ein­be­zo­gen wer­den soll­ten. Wäh­rend eini­ge dar­in eine Chan­ce sahen, fal­sche Argu­men­te im Dis­kurs zu ent­kräf­ten, warn­ten ande­re vor der Gefahr, dass Mei­nun­gen ohne die Bereit­schaft zum Dia­log plat­ziert wer­den und der Dis­kurs gesprengt wird. Einig­keit herrsch­te jedoch dar­über, dass Räu­me geschaf­fen wer­den müs­sen, in denen eine offe­ne, kri­ti­sche und zugleich geschütz­te Aus­ein­an­der­set­zung mög­lich bleibt.

Gelei­tet wur­de der Fach­tag von Bar­ba­ra Mes­se­rer, Bil­dungs­re­fe­ren­tin für Land­wirt­schaft und Öko­lo­gie an der LVHS Nie­der­al­t­eich. Unter­stützt wur­de die Ver­an­stal­tung vom Öko­so­zia­len Forum Nie­der­al­t­eich, dem Lan­des­bil­dungs­werk KLB Bay­ern und dem KDFB-Diö­ze­san­ver­band Pas­sau. Geför­dert wur­de sie von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung, die sich bun­des­weit für eine star­ke, demo­kra­ti­sche Zivil­ge­sell­schaft einsetzt. 

Text: Dia­na Millgramm

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