Bistum

Auf Spuren großer Frauen in Sachsen Anhalt

Redaktion am 26.10.2026

Info Icon Foto: Hildegard Weileder-Wurm

Gertrud von Helfta, Gertrud von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg, diese drei großen Mystikerinnen lebten im 14. Jahrhundert mindestens ein Jahrzehnt zusammen im Kloster Helfta. 

Sie wur­den mit ihren Glau­bens­er­fah­run­gen und ihrer geleb­ten Spi­ri­tua­li­tät zu Weg­wei­se­rin­nen für das Leben von vie­len Frau­en. Inspi­riert von die­sen Power­frau­en mach­ten sich 27 Frau­en, vor­wie­gend aus dem Bis­tum Pas­sau auf nach Sach­sen-Anhalt und lie­ßen sich ein auf die Her­zens­spi­ri­tua­li­tät die­ser gro­ßen Mys­ti­ke­rin­nen. Orga­ni­siert wur­de die Rei­se vom Bay­ri­schen Pil­ger­bü­ro in Koope­ra­ti­on mit der Frau­en­seel­sor­ge und dem KDFB-Diö­ze­san­ver­band Pas­sau. Die Rei­se­lei­tung hat­te Frau Hil­de­gard Wei­le­der-Wurm, als Geist­li­che Beglei­tung war Dr. Hil­de­gard Gose­brink, Lei­te­rin der Arbeits­stel­le Frau­en­seel­sor­ge der Frei­sin­ger Bischofskonferenz.

Die Rei­se star­te­te von Pas­sau, über Regens­burg, Hof und Hal­le nach Hal­ber­stadt. Hier erwar­te­te uns die Lieb­frau­en­kir­che mit ihren präch­ti­gen Chor­schran­ken, sowie der goti­sche Dom. Wei­ter ging es zu unse­rem ers­ten Über­nach­tungs­ort, dem Klos­ter Drü­beck, ein ehe­ma­li­ges Bene­dik­tin­ne­rin­nen­klos­ter mit sei­ner herr­li­chen Basi­li­ka aus dem Jahr 1004. 

Am Tag 2 mach­ten wir uns auf den Weg ver­schie­de­ne Schät­ze der Roma­nik zu besich­ti­gen: Gern­ro­de mit der Stifts­kir­che St. Cyria­kus und Wer­ni­ge­ro­de, eine herr­li­che Fach­werk­stadt im nörd­li­chen Harz.

Tag 3 führ­te in das male­ri­sche Qued­lin­burg mit sei­ner Stifts­kir­che St. Ser­va­ti, ein ein­zig­ar­ti­ger Sakral­bau im hoch­ro­ma­ni­schen Stil. Anschlie­ßen­de ging die Fahrt nach Mag­de­burg, wo wir im sog, Ron­cal­li-Haus (Name von Papst Johan­nes XXIII) unse­re Her­ber­ge fan­den. Der impo­san­te Dom St. Mau­ri­ti­us und St. Katha­ri­na mit der Grab­le­ge des Kai­sers Otto I. und sei­ner Gemah­lin Edi­tha hieß uns will­kom­men. Der Dom prä­sen­tier­te vie­le Frau­en, die für die Frau­en­ge­schich­te Mag­de­burgs wich­tig waren: Edi­tha, Katha­ri­na, Eli­sa­beth, Hed­wig, Maria, Anna Selb­tritt, Kuni­gun­de und Adel­heid. ​„Da zog ich um der Lie­be Got­tes wil­len in die Stadt,“ schrieb Mecht­hild 1230 und stell­te sich als Begi­ne an die Sei­te derer, die von der Armut in der Stadt erdrückt zu wer­den droh­ten. Sie kri­ti­sier­te die Kir­chen­lei­tung, nennt die Dom­her­ren von Mag­de­burg ​„Böcke…, weil ihr Fleisch vor Unkeusch­heit stinkt in der ewi­gen Wahr­heit vor sei­ner Hei­li­gen Dreifaltigkeit“.1250 begann Mecht­hild ihr Buch ​„Das flie­ßen­de Licht der Gott­heit“, in dem sie ihre Visio­nen auf­schreibt. Unter Todes­angst ent­floh Mecht­hild 1260 dem lebens­be­droh­li­chen Streit mit den Dom­her­ren von Mag­de­burg und fand Auf­nah­me im Frau­en­klos­ter Helfta im Mans­fel­der Land.

Tag 4 besich­tig­ten wir das ehe­ma­li­ge Klos­ter Jeri­chow, ein archi­tek­to­ni­sches Juwel als ältes­tes Back­stein­ge­bäu­de nörd­lich der Alpen. Ein Klos­ter­gar­ten mit zahl­rei­chen bibli­schen Pflan­zen erfreu­te die Gemü­ter. Nach­mit­tags stand ein Besuch in der ehe­ma­li­gen Kai­ser- und Han­se­stadt Tan­ger­mün­de an der Elbe an. Es wur­de die Kir­che St. Ste­phan besich­tigt und ein Rund­gang führ­te uns durch das Städt­chen im Stil der Backsteingotik.

Tag 5 führ­te nach Eis­le­ben, der Geburts- und Ster­be­stadt Mar­tin Luthers und zum Klos­ter Helfta. Es wur­de Luthers Tauf­kir­che, sowie die Kir­che St. Anna mit einer beein­dru­cken­den Stein­bi­bel besucht. Im Klos­ter Helfta begeg­ne­ten die Pil­ge­rin­nen den Frau­en­mys­ti­ke­rin­nen Ger­trud von Helfta, Ger­trud von Hacke­born und Mecht­hild von Mag­de­burg. Ger­trud von Helfta (1256 ‑1302) war eine visio­nä­re Mys­ti­ke­rin und hoch­ge­bil­de­te Frau. Mit Leib und See­le eine Seel­sor­ge­rin, stell­te sie sich in den Dienst der Men­schen, die damals im Klos­ter Helfta Bei­stand such­ten. In ihren viel­fäl­ti­gen Wer­ken, u.a. ein Exer­zi­ti­en­buch für Frau­en mach­te sie sich dem Geheim­nis des Lebens auf die Spur.

Tag 6 hieß es Abschied neh­men. Auf dem Weg in Rich­tung Hei­mat gab es noch einen Stopp in der sie­ben­tür­mi­gen Stadt Naum­burg. Hier erwar­te­te uns eine Füh­rung durch die Dom­kir­che St. Peter und Paul mit ihren zwölf Stif­ter­fi­gu­ren aus dem Jahr 1250, dar­un­ter die beein­dru­cken­de Figur der Uta von Naumburg.

Neben dem anspre­chen­den, kul­tu­rel­len Pro­gramm mit wert­vol­len Infor­ma­tio­nen zu den Städ­ten und Sehens­wür­dig­kei­ten mach­ten auch die theo­lo­gi­schen Impul­se die­se Rei­se so beson­ders. Geist­li­che Beglei­te­rin Dr. Hil­de­gard Gose­brink hat­te für jeden Tag Ein­hei­ten vor­be­rei­tet, die zum The­ma Stifts­frau­en, Klos­ter­frau­en, Begi­nen und Mys­ti­ke­rin­nen infor­mier­ten. Authen­ti­sche Tex­te von Ger­trud von Helfta und Mecht­hild von Mag­de­burg wur­den betrach­tet und gebe­tet. Rei­se­be­glei­te­rin Hil­de­gard Wei­le­der-Wurm lud die Pil­ge­rin­nen zum täg­li­chen Mor­gen- und Abend­lob in einer Kir­che nahe der Unter­kunft ein. Unver­gess­lich das medi­ta­ti­ve Schrei­ten mit Lob­ge­sän­gen durch das begeh­ba­re Laby­rinth aus Heil­kräu­tern und Wei­den­ge­flech­ten im Gar­ten von Klos­ter Helfta. 

Foto: Hil­de­gard Weileder-Wurm 

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