Bistum

Offen bleiben für Überraschungen

Redaktion am 14.03.2026

Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst

Am 13. und 14. März tagte die Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau in Burghausen – mit tiefgründigen Erkenntnissen, lebhaften Diskussionen und praktischen Anwendungsbeispielen zu Künstlicher Intelligenz (KI).

Der Diö­ze­san­rat hat mit Künst­li­cher Intel­li­genz nicht nur eines der wich­tigs­ten gesell­schafts­po­li­ti­schen The­men unse­rer Zeit als Leit­mo­tiv für die Früh­jahrs­voll­ver­samm­lung gewählt, son­dern auch einen der renom­mier­tes­ten Exper­ten an der Schnitt­stel­le von KI und Kir­che für den Ein­füh­rungs­vor­trag am 13. März im Haus der Begeg­nung Hei­lig Geist, Burg­hau­sen, gewon­nen: Dr. Andre­as Lob-Hüde­pohl. Er ist Moral­theo­lo­ge und Pro­fes­sor für theo­lo­gi­sche Ethik an der Katho­li­schen Hoch­schu­le für Sozi­al­we­sen Ber­lin und beschäf­tigt sich inten­siv mit der Bedeu­tung und den Aus­wir­kun­gen von KI im Kon­text von Mensch und Maschi­ne bzw. Software. 

Nach einem for­mel­len Tagungs­teil, Gruß­wor­ten und einem geist­li­chen Impuls führ­te Lob-Hüde­pohl die Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer in einem leben­di­gen Par­force-Ritt durch Defi­ni­ti­on, Chan­cen und Risi­ken der jun­gen Tech­no­lo­gie. Kurz gesagt ste­he KI im engen Sinn für eine sich selbst ver­bes­sern­de Rechen­re­gel (Algo­rith­mus) oder bezie­hungs­wei­se für maschi­nel­les Ler­nen“. Die Kir­che müs­se sich schon allei­ne des­halb mit Künst­li­cher Intel­li­genz beschäf­ti­gen, weil die­se zuneh­mend fes­ter Bestand­teil der Lebens­welt von Gläu­bi­gen und von Men­schen ins­ge­samt wer­de. Die Tech­no­lo­gie basiert auf der auto­ma­ti­schen Aus­wer­tung mög­lichst gro­ßer exis­tie­ren­der Daten­men­gen: KI geht es dabei nicht um Wahr­heit, son­dern um Wahr­schein­lich­keit. Es gibt kei­ne Garan­tie, dass die Wahr­schein­lich­keit die Wahr­heit trifft“, warnt der Professor.

Die mensch­li­che Ver­nunft zie­le theo­re­tisch wie prak­tisch auf Erkennt­nis­ge­winn ab, um durch ver­ant­wort­li­ches Han­deln ein gutes Leben zu ermög­li­chen – immer ein­ge­bet­tet in per­sön­li­ches, sozia­les und kul­tu­rel­les Erle­ben. Wir sind Leib“ – das sei essen­ti­ell, so Lob-Hüde­pohl. Wäh­rend der Mensch bewusst und mit einer Inten­ti­on han­de­le, agie­re die KI als Agent“ nach fest­ge­leg­ten Regeln. Künst­li­che Intel­li­genz kön­ne unse­re Fähig­kei­ten erwei­tern, dür­fe sie aber nie­mals erset­zen: Je schwer­wie­gen­der die Aus­wir­kun­gen auf die Lebens­wir­kung des Men­schen sei, des­to stär­ker muss die Kon­trol­le von oder fach­li­che Auf­sicht über KI sein“, for­dert der Exper­te. Die Letzt­ent­schei­dung bzw. ‑ver­ant­wor­tung müs­se immer bei den Nut­zern verbleiben. 

Ers­te kon­kre­te Anwen­dungs­ver­su­che im kirch­li­chen Kon­text abseits des simp­len Erstel­lens von Tex­ten wie etwa Spi­ri­tu­al Care Bots“ bzw. Faith Bots“ („Glau­bens­ro­bo­ter“) oder Segens­ro­bo­ter ber­gen laut Lob-Hüde­pohl sowohl Chan­cen als auch Risi­ken – wer­fen aber grund­sätz­lich vie­le Fra­gen auf. Chan­cen sei­en stets ver­füg­ba­re, nie­der­schwel­li­ge Ange­bo­te („Beich­ten mit Jesus“, Peters­ka­pel­le Luzern 2024), Risi­ken bei­spiels­wei­se miss­bräuch­li­che Len­kung, Vor­täu­schung emo­tio­na­ler Nähe oder feh­len­de Über­wa­chung durch Fach­per­so­nal in gefähr­li­chen Lebens­si­tua­tio­nen. Wie ein roter Faden zog sich das Wort Bezie­hung“ in der Dif­fe­ren­zie­rung von Mensch und Maschi­ne (KI) durch den Vor­trag des Gast­red­ners. Ech­te Bezie­hung, so Lob-Hüde­pohl, gelin­ge nur von Mensch zu Mensch. Genau dar­in lie­ge eine gro­ße Chan­ce von Kir­che und Seel­sor­ge in der nahen Zukunft: die Men­schen vor einer Ver­ein­nah­mung durch Tech­no­lo­gie, durch Künst­li­che Intel­li­genz zu schüt­zen, mit ihnen in Bezie­hung zu blei­ben, sie als gott­ge­woll­te indi­vi­du­el­le Geschöp­fe zu stär­ken und nicht als opti­mier­te Nut­zer einer von wem oder wie auch immer gesteu­er­ten Künst­li­chen Intel­li­genz“ allein zu lassen.

Die KI-Gret­chen­fra­ge sei, so Lob-Hüde­pohl abschlie­ßend: Gewäh­ren wir uns Men­schen nur eine wahr­schein­lich­keits­ba­sier­te Pro­gno­se oder eine unver­plan­te, über­ra­schungs­of­fe­ne Zukunft mit der Mög­lich­keit neue Erfah­run­gen zu machen?“ Letz­te­res sei gera­de­zu ein Mar­ken­zei­chen des christ­li­chen Menschenbildes.

Info Icon Foto: Michael Glaß
„Kamingespräch“ am 13. März 2026 im Rahmen der Frühjahrs-Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau in Burghausen (Haus der Begegnung Heilig Geist). Bischof Stefan Oster SDB (r.) und Referent Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (3.v.l.) mit Vertretern des Vorstands des Diözesanrats (v.l.) Dr. Peter Seidl (stellv. Vorsitzender), Angelika Görmiller (stellv. Vorsitzende), Markus Biber (Vorsitzender), Birgit Geier (stellv. Vorsitzende).

Aufmerksam und dennoch gelassen

Mit hoher Auf­merk­sam­keit und den­noch gelas­sen ver­folgt die Kir­che die Ent­wick­lun­gen im Bereich der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI). Das zeig­te ein Kamin­ge­spräch“ im Rah­men der Früh­jahrs-Voll­ver­samm­lung des Diö­ze­san­rats der Katho­li­ken im Bis­tum Pas­sau in Burg­hau­sen, das die Aus­wir­kung der KI auf den kirch­li­chen All­tag in den Blick nahm.

Pfar­rer Micha­el Wit­ti (PV Feich­ten) ver­folgt einen prag­ma­ti­schen Ansatz: KI kön­ne neu­gie­rig machen, aber nie das Eigent­li­che erset­zen“; etwa die zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hung im per­sön­li­chen Gespräch. Pre­dig­ten, die mit KI erstellt wer­den, wirk­ten flach, unori­gi­nell, lieb­los und ohne geist­li­che Tie­fe“, stell­te er fest. Für ihn bie­ten tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen und ihre Fol­gen gera­de des­halb eine Chan­ce für die Kir­che, weil sie etwa ange­sichts einer zuneh­men­den Ver­ein­sa­mung eine neue Wert­schät­zung für unser Kern­ge­schäft“ her­vor­brin­gen könn­ten. Auch hält er es für mög­lich, dass Men­schen im Zuge der Tech­ni­sie­rung nach emo­tio­na­len Zugän­gen such­ten und eine neue Sehn­sucht nach Spi­ri­tua­li­tät“ entwickelten.

Gün­ther Reit­h­mei­er (AG Senio­ren der Stadt Burg­hau­sen) fehlt noch ein Stück weit die Fan­ta­sie“, wie KI einer zuneh­men­den Ein­sam­keit im Alter ent­ge­gen­wir­ken könn­te. Er beob­ach­te, wie Netz­wer­ke etwa in Ver­ei­nen weg­bre­chen, jedoch kaum, dass Senio­ren die KI bewusst nut­zen. Reit­h­mei­er bemän­gel­te, dass Wei­ter­bil­dun­gen in die­sem Bereich meist nur bis zur Ren­te“ mög­lich sei­en und älte­re Men­schen daher zuneh­mend den Anschluss verlören.

Der Moral­theo­lo­ge Prof. Dr. Andre­as Lob-Hüde­pohl warf ein, dass Con­ver­sa­tio­nal AI“ – KI-Anwen­dun­gen, die Dia­lo­ge zwi­schen Mensch und Maschi­ne ermög­li­chen – gera­de im nied­rig­schwel­li­gen Bereich sehr hilf­reich sein könn­ten. Und wenn Senio­ren nur über den Chat­bot ins Gespräch kom­men und viel­leicht sogar über des­sen Ant­wor­ten gemein­sam lachen, sei schon etwas gewon­nen. Ent­schei­dend sei, dass den Men­schen bewusst ist, dass sie sich nur“ mit einem tech­ni­schen Attri­but unter­hal­ten. Beim Ein­satz in der Pfle­ge oder in der Psych­ia­trie sei eine fach­li­che Beglei­tung zwingend.

Ganz anders sieht die Ent­wick­lung in Schu­len und Hoch­schu­len aus, wo der Umgang mit moder­ner Tech­nik für jun­ge Men­schen längst selbst­ver­ständ­lich ist, wäh­rend die Insti­tu­tio­nen weit hin­ter­her­hin­ken. Hier waren sich Prof. Dr. Andre­as Lob-Hüde­pohl (Katho­li­schen Hoch­schu­le für Sozi­al­we­sen Ber­lin) und Dr. Mar­kus Eber­hardt (Schul­di­rek­tor der Gise­la-Schu­len Nie­dern­burg) einig. Und auch die Arbeits­welt hinkt hin­ter­her“, warf Franz Schlüs­sel­hu­ber (Christ­li­che Arbei­ter­ju­gend) ein.

Dass Schü­ler ihre Haus­auf­ga­ben mit­hil­fe der KI erle­di­gen, sei längst Rea­li­tät, und wir haben momen­tan kaum die rich­ti­gen Ant­wor­ten dar­auf“, stell­te Eber­hardt fest. Er plä­dier­te für ein ver­pflich­ten­des Fach Medi­en­kun­de“, unter ande­rem auch, um dem Pro­blem der zuneh­men­den Des­in­for­ma­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken. Auch das Berufs­bild Leh­rer“ müs­se sich ändern, damit die­se die Schü­ler gut beglei­ten kön­nen. Grund­sätz­lich tritt Eber­hardt in der Debat­te für mehr Gelas­sen­heit“ ein: Schü­le­rin­nen und Schü­ler gehen mit KI sehr gut um und haben Kom­pe­ten­zen, von denen wir Erwach­se­ne nur träu­men kön­nen“, sag­te er.

Schlüs­sel­hu­ber bemerk­te, dass jun­ge Men­schen auch beim The­ma Des­in­for­ma­ti­on oft auf­merk­sa­mer sei­en und die­se schnel­ler erkenn­ten als älte­re. Den­noch for­der­te auch er, dass Schu­len im Unter­richt mehr auf die Medi­en­kom­pe­tenz ach­ten sollten.

Lob-Hüde­pohl erzähl­te, dass er von sei­nen Stu­den­ten kei­ne schrift­li­chen Haus­ar­bei­ten mehr ver­lan­ge, weil die­se meist mit­hil­fe von KI erstellt wür­den. Was er sich aber gut vor­stel­len kön­ne, sei­en Haus­ar­bei­ten, in denen Stu­den­ten die KI-Ergeb­nis­se ein­ord­nen und kom­men­tie­ren müs­sen – das för­de­re digi­ta­le Kom­pe­tenz, erklär­te er.

Auf die Ent­wick­lun­gen in der Arbeits­welt ange­spro­chen, äußer­te Schlüs­sel­hu­ber die Befürch­tung, dass bestimm­te Beru­fe von der KI ver­drängt wür­den und dass davon laut Stu­di­en vor allem auch Berufs­ein­stei­ger betrof­fen wären. Er wies aber auch dar­auf hin, dass durch tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen vie­le neue Jobs ent­ste­hen könn­ten. Lob-Hüde­pohl warn­te, dass neue Arbeits­plät­ze hoch spe­zia­li­siert sein und dass sich auch die Ein­gangs­qua­li­fi­ka­tio­nen im gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gungs­be­reich erhö­hen würden.

Vor allem aber warn­te Lob-Hüde­pohl vor Heils­er­zäh­lun­gen, die dank der KI ein Para­dies auf Erden“ ver­spre­chen. Gera­de hier sei die Kir­che her­aus­ge­for­dert, die­sen Ver­spre­chen der Tech-Eli­te ent­schie­den ent­ge­gen­zu­tre­ten. Die­se wür­den sich nie­mals erfül­len, bän­den aber sehr viel Geld, das an ande­rer Stel­le fehlt.

An eine Art Super-KI“, die all­mäch­tig wird, glaubt auch Hans Käser (Geschäfts­füh­rer der IT-Fir­ma Ani­ma­bit) nicht. Ich plä­die­re für Gelas­sen­heit“, beton­te er. Für ihn ist die KI weder Fluch noch Segen, son­dern schlicht ein wei­te­res Werk­zeug, das bestimm­te Arbeits­be­rei­che pro­duk­ti­ver machen kön­ne. Ent­schei­dend blei­be, wie Men­schen die KI nut­zen. Und die mensch­li­che Krea­ti­vi­tät etwa wer­de die KI nie­mals erset­zen können.

Ein Punkt, in dem sich Käser nicht nur mit Pfar­rer Wit­ti einig ist. Lob-Hüde­pohl beton­te, dass KI den Men­schen auch nicht den Spaß und die Freu­de“ neh­men kön­ne, einen Text zu lesen und zu ver­ste­hen oder einen Gedan­ken selbst auszuformulieren.

Bei der Fra­ge­run­de mel­de­te sich auch Bischof Ste­fan Oster SDB zu Wort, der das Kamin­ge­spräch als Zuhö­rer ver­folgt hat­te. Er warn­te u.a. vor den kom­mer­zi­el­len Inter­es­sen, die hin­ter den aktu­el­len tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen stün­den. Außer­dem warn­te er vor einer stän­di­gen Ablen­kung durch moder­ne Tech­nik. Denn gera­de die krea­ti­ve Arbeit erfor­de­re Selbst­kon­trol­le und Aufmerksamkeit.

Ob in (Hoch-)Schule und Beruf, in der Seel­sor­ge oder in der Senio­ren­ar­beit: KI kön­ne ein nütz­li­ches Werk­zeug sein, so das Fazit von Mode­ra­to­rin Ange­li­ka Gör­mil­ler am Ende des Kamin­ge­sprächs. Für Chris­ten aber sei ent­schei­dend, die Wür­de des Men­schen im Blick zu behalten.

Text + Fotos: Wolf­gang Ter­hörst, Micha­el Glaß

Der zweite Tag der Vollversammlung

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