Foto: Bayer / pbp
Mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst im Passauer Stephansdom hat Bischof Oster am Pfingstsonntag nicht nur das Hochfest der Aussendung des Heiligen Geistes gefeiert, sondern zugleich die 11. Maria-Hilf-Woche im Bistum Passau ausgerufen und sein 12. Bischofsjubiläum begangen.
Im Mittelpunkt der Predigt stand die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens und nach dem Wirken des Heiligen Geistes. Dabei spannte Bischof Oster einen weiten Bogen von den Sehnsüchten und Ängsten des Menschen bis hin zur befreienden Botschaft von Pfingsten, dem „Geburtstag der Kirche“. Gleich zu Beginn stellte er die Frage: „Was ist Geschichte?“ Geschichte sei der Versuch des Menschen, „dem Leben des Einzelnen, dem Leben von Familien, von Gruppen, von Nationen, von der ganzen Welt irgendwie Sinn abzugewinnen“.
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In diesem Zusammenhang griff der Passauer Bischof Gedanken des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski auf, der Geschichte sinngemäß als „die Erzählung des verzweifelten Versuchs der Menschen, ohne Gott glücklich zu werden“ beschrieben habe. Oster benannte dabei vier große Versuchungen, mit denen Menschen ihr Glück häufig allein sichern wollten: Anerkennung, Vergnügen, Sicherheit und Macht.
Wer ausschließlich nach Anerkennung strebe, laufe Gefahr, zum „People Pleaser“ zu werden, erklärte der Bischof. Mit Blick auf gesellschaftliche Anpassung sagte er: „Die meisten Menschen werden als Original geboren und sterben als Kopie.“ Auch die Suche nach Vergnügen könne in Abhängigkeiten führen. Die Natur der Sucht bestehe darin, „dass sie nicht gestillt werden kann“. Reichtum verspreche Sicherheit, könne den Menschen letztlich aber ebenso wenig erfüllen wie Macht, wenn diese dazu genutzt werde, andere kleinzuhalten.
All diese Dinge seien nicht per se schlecht, betonte Oster. Doch wer darin das letzte Glück suche, verlange immer nach mehr und gerate zugleich in Angst vor Verlust, Krankheit und Tod. „Wir sind endlich und wir gehen auf den Tod zu“, sagte der Bischof. Gerade deshalb versuchten viele Menschen, sich an Besitz, Einfluss oder Anerkennung festzuklammern.
Die Botschaft von Pfingsten stelle sich genau in diese menschliche Grundsituation hinein. Mit Verweis auf den Apostel Paulus sagte Oster: „Niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, es sei denn, er spricht aus dem Heiligen Geist.“ Der Geist Gottes entlarve die „falschen Götzen“ und führe den Menschen zu der Erkenntnis, dass das Herz erst in Gott Ruhe finde. Dabei zitierte der Bischof auch den Kirchenvater Augustinus von Hippo: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruhe findet in dir.“
Mit Blick auf das Evangelium erinnerte Oster an die verängstigten Jünger hinter verschlossenen Türen. Der auferstandene Christus trete mitten unter sie und spreche die Worte: „Der Friede sei mit euch.“ Dieser Friede – der biblische Schalom – bedeute das „große Heilsein in Gott“, die Harmonie von Leib und Seele, Mensch und Schöpfung.
Besonders eindrücklich deutete der Bischof die Szene, in der Jesus seine Jünger anhaucht und spricht: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Pfingsten sei deshalb eine „Neuschöpfung“. Wer sich vom Geist Gottes berühren lasse, dessen Leben verändere sich grundlegend. Menschen, die aus diesem Geist lebten, hätten „ein anderes Gesicht“: freier, dankbarer, weniger ängstlich und liebesfähiger.
Hier können Sie sich die Predigt anhören:
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Für die festliche musikalische Gestaltung sorgten der Domchor und das Domorchester mit ihren Solisten. Domkantor Maximilian Jäger musizierte an der Truhenorgel und Domorganist Ludwig Ruckdeschel an der Hauptorgel. Die Gesamtleitung lag bei Andreas Unterguggenberger.
Im Anschluss an das Pontifikalamt fand auf dem Domplatz ein gemeinsames Pfingstfest statt, zu dem unter anderem die Katholische Studentengemeinde Passau als Mitorganisator eingeladen hatte. Bei Kaiserwetter, bayerischer Blasmusik und kühlem Freibier der Hacklberger Brauerei nutzten zahlreiche Gottesdienstbesucher die Gelegenheit zum Austausch und zur persönlichen Begegnung mit Bischof Stefan.



