Vertrauen, Hoffnung, Glaube und die Liebe – auf diesem Fundament ruhte das Leben und Wirken von Dompropst em. Dr. Hans Wagenhammer. Am Hochfest Mariä Himmelfahrt hat Gott ihn zu sich gerufen. Mit 86 Jahren durfte er heimgehen in jene Heimat, die er sich zeitlebens ersehnte und von der er selbst einmal sagte: „Mir ist bewusst, dass meine künftige Heimat im Himmel sein wird.“
Geboren wurde Hans Wagenhammer am 4. Juli 1939 auf dem Müllneranwesen in Brunnthal, Pfarrei Feichten. Schon früh regte sich in ihm eine religiöse Neugier, besonders durch seinen Religionslehrer, Pfarrer Thomas Brücklmeier. Dieser erkannte das Talent des Buben und empfahl ihn für das Knabenseminar Burghausen. Nach dem Abitur trat er in das Priesterseminar Passau ein. Am 29. Juni 1964, dem Hochfest Peter und Paul, empfing er zusammen mit fünfzehn Mitbrüdern durch Bischof Simon Landersdorfer die Priesterweihe. Nur wenige Tage später feierte er in seiner Heimat Feichten seine Primiz – vor über 6000 Gläubigen, ein Fest, das in Erinnerung blieb.
Seine ersten priesterlichen Schritte führten ihn als Kaplan nach Bad Griesbach. Dort erlebte man ihn als jungen Seelsorger mit Herz, nah bei den Menschen, der Freundschaften fürs Leben knüpfte. Bald aber rief ihn die Wissenschaft: 1965 begann er in Tübingen das Studium der Theologie. Dort erlebte er die geistige Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hörte u.a. Vorlesungen bei Joseph Ratzinger und promovierte schließlich 1976 zum Doktor der Theologie. Prägend waren auch zwei Semester in Innsbruck, wo er Vorlesungen bei den Rahner-Brüdern Karl und Hugo hörte. „Er ahnte, dass eine neue Kirchenzeit anbrechen werde“, fasste Dompropst Dr. Michael Bär in seiner Beerdigungsansprache zusammen.
1978 übertrug ihm Bischof Antonius Hofmann die Leitung des Priesterseminars St. Stephan in Passau. 14 Jahre lang formte er dort als Regens Generationen von Priestern. 72 Kandidaten wurden in seiner Amtszeit geweiht. „Es waren Jahre, in denen ich gereift bin“, sagte er später selbst. Viele Ehemalige erinnern sich dankbar an seinen Stil: kein strenger Vormund, sondern ein väterlicher Begleiter, der Freiheit gewährte und Verantwortung einforderte. „Er hat uns gelehrt, selber zu entscheiden, was für uns wichtig ist“, so formulierte es Dr. Bär, der als Priesteramtskandidat einer seiner Schüler war. Gerade in dieser Balance von Freiheit und geistlicher Tiefe lag seine Stärke.
1988 wurde er in das Domkapitel berufen, 2005 schließlich zum Dompropst ernannt. Damit übernahm er zentrale Aufgaben in der Leitung des Bistums, vertrat den Bischof nach außen, war in unzähligen Gremien tätig und setzte sich mit Leidenschaft für Jugend und Bildung ein. Besonders am Herzen lagen ihm der Kreuzbund, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die DJK sowie die Pilgerpastoral. Unzählige Menschen begleitete er auf Reisen ins Heilige Land, nach Lourdes, Assisi oder Fatima – stets als Seelsorger, Weggefährte und Glaubenszeuge.
Foto: Tine Limmer
Neben aller Theologie blieb er ein Mensch, der das Leben in seiner Fülle liebte. Sportlich war er unterwegs auf Bergen und Skipisten, wagte sich ins Wildwasser, bestieg Großglockner und Großvenediger. Sein verschmitztes Lächeln verriet, dass er trotz aller Verantwortung die Freude am Leben nicht verlor.
Seine Heimat Feichten vergaß er nie. Dort, wo seine Familie verwurzelt ist und wo er im vergangenen Jahr noch fröhlich, bescheiden und dankbar sein diamantenes Priesterjubiläum feierte, fühlte er sich zuhause. Besonders seine Schwester Kreszenz und seine langjährige Haushälterin Christine Lackner standen ihm treu zur Seite und gaben ihm Halt und Geborgenheit. Dass die Familie für Hans Wagenhammer ein tragendes Fundament war, brachte beim Requiem sein Neffe Alois Gartner in berührenden Worten zum Ausdruck. Der Onkel sei immer offen gewesen, habe sich für alles interessiert, alle unterstützt und das Positive in jedem Familienmitglied gesehen, so Gartner. Mit den Worten „Mach’s guad, schau auf uns, mia seng uns!“, nahm er Abschied.
Wagenhammers Wirken als theologisches Gewissen des Domkapitels skizzierte Dr. Bär in seiner Predigt: belesen, tiefgründig, ein Mann, der die großen Linien der Kirche im Blick behielt und zugleich nie den einfachen Glauben der Menschen verachtete. Besonders in der DJK habe Wagenhammer die Kirche so erlebt, wie er sie liebte: bodenständig, treu, herzlich. Viele mochten ihn dort und wussten um seine Sympathie. „Mit ihm verlieren wir einen zutiefst menschlichen Brückenbauer – zwischen Kirche und Sport, zwischen Glauben und Leben“, beschrieb DJK-Geschäftsführer Philipp Roos in seinem Nachruf die Trauer der DJK-Familie. Wagenhammer habe „nie fromme Phrasen gedroschen, sondern das Evangelium in den Alltag übersetzt“, so Roos. Seine Überzeugung sei es gewesen, dass ehrenamtliches Engagement der „wahre Weg zu Sinn, Lebensqualität und menschlicher Größe ist“.
Nachruf von Bischof Stefan Oster
Auf Wagenhammers Fähigkeit, den Glauben zu leben, verwies auch Bischof Stefan Oster in seinem persönlichen Nachruf, den Domdekan Dr. Hans Bauernfeind verlas, da der Bischof im Urlaub war: Wagenhammer sei keineswegs nur ein theorielastiger Intellektueller gewesen, sondern habe sich mit all seiner theologischen Bildung zutiefst einbinden lassen in die verschiedenen Aufgabenfelder der Kirche von Passau. „Und“, so der Bischof weiter, „es war für mich immer deutlich, dass er seine Theologie und seinen Glauben auch auf sein persönliches Leben hin reflektiert und gedeutet hat. Er war von seinem Glauben durchdrungen.“
Wagenhammers Leben war reich an Aufgaben, Begegnungen, Erfolgen – und auch an Grenzen. Nicht alles gelang, manches scheiterte. Doch er wusste: Am Ende zählt nicht das eigene Werk, sondern die Treue zu Gott. In seinem geistlichen Vermächtnis, aus dem Dr. Bär zitierte, schrieb er schlicht: „Gott vergelte allen das Gute, das sie mir getan haben. Gott vervollkommne, was mir und anderen mit mir nicht gelungen ist. Gott schenke uns allen ein seliges Wiederfinden in seiner ewigen Herrlichkeit. Behüte euch Gott und auf Wiedersehen!“
Dankbar schaut das Bistum Passau zurück auf einen Priester, Theologen und Seelsorger, der in 61 Jahren Dienst die Kirche von Passau geprägt hat. Sein Weg war nicht geradlinig, sondern suchend und ringend – und gerade darin menschlich. Viele haben durch ihn Freiheit, Hoffnung und Glauben gelernt.
Bischof Stefan Oster fasste seinen Dank so zusammen: „Ich danke ihm jedenfalls von ganzem Herzen für sein Lebenszeugnis in den vielen verantwortlichen Positionen und Aufgaben, die er in der Kirche von Passau wahrgenommen hat. Zum Heil der Menschen und zur Ehre Gottes. Möge er leben im großen Frieden Gottes.“
Text: Wolfgang Krinninger


