Bistum

Requiem für Dompropst i.R. Hans Wagenhammer

Redaktion am 21.08.2025

Info Icon Foto: Wolfgang Krinninger /pbp

Im Rahmen eines feierlichen Requiems hat das Bistum Passau am 21. August Abschied genommen von Dompropst i.R. Dr. Johann Wagenhammer. Er war an Mariä Himmelfahrt im Alter von 86 Jahren verstorben. 

Ver­trau­en, Hoff­nung, Glau­be und die Lie­be – auf die­sem Fun­da­ment ruh­te das Leben und Wir­ken von Dom­propst em. Dr. Hans Wagen­ham­mer. Am Hoch­fest Mariä Him­mel­fahrt hat Gott ihn zu sich geru­fen. Mit 86 Jah­ren durf­te er heim­ge­hen in jene Hei­mat, die er sich zeit­le­bens ersehn­te und von der er selbst ein­mal sag­te: ​„Mir ist bewusst, dass mei­ne künf­ti­ge Hei­mat im Him­mel sein wird.“

Gebo­ren wur­de Hans Wagen­ham­mer am 4. Juli 1939 auf dem Müll­ner­an­we­sen in Brunn­thal, Pfar­rei Feich­ten. Schon früh reg­te sich in ihm eine reli­giö­se Neu­gier, beson­ders durch sei­nen Reli­gi­ons­leh­rer, Pfar­rer Tho­mas Brück­lmei­er. Die­ser erkann­te das Talent des Buben und emp­fahl ihn für das Kna­ben­se­mi­nar Burg­hau­sen. Nach dem Abitur trat er in das Pries­ter­se­mi­nar Pas­sau ein. Am 29. Juni 1964, dem Hoch­fest Peter und Paul, emp­fing er zusam­men mit fünf­zehn Mit­brü­dern durch Bischof Simon Land­ers­dor­fer die Pries­ter­wei­he. Nur weni­ge Tage spä­ter fei­er­te er in sei­ner Hei­mat Feich­ten sei­ne Pri­miz – vor über 6000 Gläu­bi­gen, ein Fest, das in Erin­ne­rung blieb.

Sei­ne ers­ten pries­ter­li­chen Schrit­te führ­ten ihn als Kaplan nach Bad Gries­bach. Dort erleb­te man ihn als jun­gen Seel­sor­ger mit Herz, nah bei den Men­schen, der Freund­schaf­ten fürs Leben knüpf­te. Bald aber rief ihn die Wis­sen­schaft: 1965 begann er in Tübin­gen das Stu­di­um der Theo­lo­gie. Dort erleb­te er die geis­ti­ge Auf­bruchs­stim­mung nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, hör­te u.a. Vor­le­sun­gen bei Joseph Ratz­in­ger und pro­mo­vier­te schließ­lich 1976 zum Dok­tor der Theo­lo­gie. Prä­gend waren auch zwei Semes­ter in Inns­bruck, wo er Vor­le­sun­gen bei den Rah­ner-Brü­dern Karl und Hugo hör­te. ​„Er ahn­te, dass eine neue Kir­chen­zeit anbre­chen wer­de“, fass­te Dom­propst Dr. Micha­el Bär in sei­ner Beer­di­gungs­an­spra­che zusammen.

1978 über­trug ihm Bischof Anto­ni­us Hof­mann die Lei­tung des Pries­ter­se­mi­nars St. Ste­phan in Pas­sau. 14 Jah­re lang form­te er dort als Regens Gene­ra­tio­nen von Pries­tern. 72 Kan­di­da­ten wur­den in sei­ner Amts­zeit geweiht. ​„Es waren Jah­re, in denen ich gereift bin“, sag­te er spä­ter selbst. Vie­le Ehe­ma­li­ge erin­nern sich dank­bar an sei­nen Stil: kein stren­ger Vor­mund, son­dern ein väter­li­cher Beglei­ter, der Frei­heit gewähr­te und Ver­ant­wor­tung ein­for­der­te. ​„Er hat uns gelehrt, sel­ber zu ent­schei­den, was für uns wich­tig ist“, so for­mu­lier­te es Dr. Bär, der als Pries­ter­amts­kan­di­dat einer sei­ner Schü­ler war. Gera­de in die­ser Balan­ce von Frei­heit und geist­li­cher Tie­fe lag sei­ne Stärke.

1988 wur­de er in das Dom­ka­pi­tel beru­fen, 2005 schließ­lich zum Dom­propst ernannt. Damit über­nahm er zen­tra­le Auf­ga­ben in der Lei­tung des Bis­tums, ver­trat den Bischof nach außen, war in unzäh­li­gen Gre­mi­en tätig und setz­te sich mit Lei­den­schaft für Jugend und Bil­dung ein. Beson­ders am Her­zen lagen ihm der Kreuz­bund, die Katho­li­sche Arbeit­neh­mer­be­we­gung, die DJK sowie die Pil­ger­pas­to­ral. Unzäh­li­ge Men­schen beglei­te­te er auf Rei­sen ins Hei­li­ge Land, nach Lour­des, Assi­si oder Fati­ma – stets als Seel­sor­ger, Weg­ge­fähr­te und Glaubenszeuge.

Info Icon Foto: Tine Limmer

Neben aller Theo­lo­gie blieb er ein Mensch, der das Leben in sei­ner Fül­le lieb­te. Sport­lich war er unter­wegs auf Ber­gen und Ski­pis­ten, wag­te sich ins Wild­was­ser, bestieg Groß­glock­ner und Groß­ve­ne­di­ger. Sein ver­schmitz­tes Lächeln ver­riet, dass er trotz aller Ver­ant­wor­tung die Freu­de am Leben nicht verlor.

Sei­ne Hei­mat Feich­ten ver­gaß er nie. Dort, wo sei­ne Fami­lie ver­wur­zelt ist und wo er im ver­gan­ge­nen Jahr noch fröh­lich, beschei­den und dank­bar sein dia­man­te­nes Pries­ter­ju­bi­lä­um fei­er­te, fühl­te er sich zuhau­se. Beson­ders sei­ne Schwes­ter Kres­zenz und sei­ne lang­jäh­ri­ge Haus­häl­te­rin Chris­ti­ne Lack­ner stan­den ihm treu zur Sei­te und gaben ihm Halt und Gebor­gen­heit. Dass die Fami­lie für Hans Wagen­ham­mer ein tra­gen­des Fun­da­ment war, brach­te beim Requi­em sein Nef­fe Alo­is Gart­ner in berüh­ren­den Wor­ten zum Aus­druck. Der Onkel sei immer offen gewe­sen, habe sich für alles inter­es­siert, alle unter­stützt und das Posi­ti­ve in jedem Fami­li­en­mit­glied gese­hen, so Gart­ner. Mit den Wor­ten ​„Mach’s guad, schau auf uns, mia seng uns!“, nahm er Abschied.

Wagen­ham­mers Wir­ken als theo­lo­gi­sches Gewis­sen des Dom­ka­pi­tels skiz­zier­te Dr. Bär in sei­ner Pre­digt: bele­sen, tief­grün­dig, ein Mann, der die gro­ßen Lini­en der Kir­che im Blick behielt und zugleich nie den ein­fa­chen Glau­ben der Men­schen ver­ach­te­te. Beson­ders in der DJK habe Wagen­ham­mer die Kir­che so erlebt, wie er sie lieb­te: boden­stän­dig, treu, herz­lich. Vie­le moch­ten ihn dort und wuss­ten um sei­ne Sym­pa­thie. ​„Mit ihm ver­lie­ren wir einen zutiefst mensch­li­chen Brü­cken­bau­er – zwi­schen Kir­che und Sport, zwi­schen Glau­ben und Leben“, beschrieb DJK-Geschäfts­füh­rer Phil­ipp Roos in sei­nem Nach­ruf die Trau­er der DJK-Fami­lie. Wagen­ham­mer habe ​„nie from­me Phra­sen gedro­schen, son­dern das Evan­ge­li­um in den All­tag über­setzt“, so Roos. Sei­ne Über­zeu­gung sei es gewe­sen, dass ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment der ​„wah­re Weg zu Sinn, Lebens­qua­li­tät und mensch­li­cher Grö­ße ist“.

Nachruf von Bischof Stefan Oster

Auf Wagen­ham­mers Fähig­keit, den Glau­ben zu leben, ver­wies auch Bischof Ste­fan Oster in sei­nem per­sön­li­chen Nach­ruf, den Dom­de­kan Dr. Hans Bau­ern­feind ver­las, da der Bischof im Urlaub war: Wagen­ham­mer sei kei­nes­wegs nur ein theo­rie­las­ti­ger Intel­lek­tu­el­ler gewe­sen, son­dern habe sich mit all sei­ner theo­lo­gi­schen Bil­dung zutiefst ein­bin­den las­sen in die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben­fel­der der Kir­che von Pas­sau. ​„Und“, so der Bischof wei­ter, ​„es war für mich immer deut­lich, dass er sei­ne Theo­lo­gie und sei­nen Glau­ben auch auf sein per­sön­li­ches Leben hin reflek­tiert und gedeu­tet hat. Er war von sei­nem Glau­ben durchdrungen.“

Wagen­ham­mers Leben war reich an Auf­ga­ben, Begeg­nun­gen, Erfol­gen – und auch an Gren­zen. Nicht alles gelang, man­ches schei­ter­te. Doch er wuss­te: Am Ende zählt nicht das eige­ne Werk, son­dern die Treue zu Gott. In sei­nem geist­li­chen Ver­mächt­nis, aus dem Dr. Bär zitier­te, schrieb er schlicht: ​„Gott ver­gel­te allen das Gute, das sie mir getan haben. Gott ver­voll­komm­ne, was mir und ande­ren mit mir nicht gelun­gen ist. Gott schen­ke uns allen ein seli­ges Wie­der­fin­den in sei­ner ewi­gen Herr­lich­keit. Behü­te euch Gott und auf Wiedersehen!“

Dank­bar schaut das Bis­tum Pas­sau zurück auf einen Pries­ter, Theo­lo­gen und Seel­sor­ger, der in 61 Jah­ren Dienst die Kir­che von Pas­sau geprägt hat. Sein Weg war nicht gerad­li­nig, son­dern suchend und rin­gend – und gera­de dar­in mensch­lich. Vie­le haben durch ihn Frei­heit, Hoff­nung und Glau­ben gelernt.

Bischof Ste­fan Oster fass­te sei­nen Dank so zusam­men: ​„Ich dan­ke ihm jeden­falls von gan­zem Her­zen für sein Lebens­zeug­nis in den vie­len ver­ant­wort­li­chen Posi­tio­nen und Auf­ga­ben, die er in der Kir­che von Pas­sau wahr­ge­nom­men hat. Zum Heil der Men­schen und zur Ehre Got­tes. Möge er leben im gro­ßen Frie­den Gottes.“

Text: Wolf­gang Krinninger

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