Foto: Tamina Friedl / pbp
„Wer seinen Körper kennt, kann ihm vertrauen“, so steht es ganz oben auf dem Flyer für die Sensiplan-Methode. Sensiplan ist eine Methode der natürlichen Familienplanung (NFP). Ohne Hormone, dafür auf der Basis natürlicher Körperzeichen der Frau können präzise Aussagen über ihren Zyklus getroffen werden: Wann sind fruchtbare und unfruchtbare Tage? Wann stehen die Chancen gut, schwanger zu werden – und wann nicht? Sonja Fischer-Zoidl ist im Bistum Passau Ansprechpartnerin für Themen rund um die Familienplanung und seit Kurzem auch zertifizierte Sensiplan-Beraterin. Im Gespräch gibt sie Einblick in die Funktionsweise der Sensiplan-Methode und erzählt, was es im Bistum Passau Neues gibt im Bereich der NFP.
Natürliche Familienplanung ist ein Überbegriff für viele verschiedene Methoden, die sich darin unterscheiden, welche Körperzeichen auf welche Art und Weise beobachtet werden. Gemeinsam haben sie, dass alle Methoden hormonfrei arbeiten. Seit 2010 gibt es Sensiplan,eine etablierte Marke der Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung, die seit vielen Jahren zur Organisation der Malteser gehört. Bei der natürlichen Familienplanung nach Sensiplan beobachten Frauen die beiden Körperzeichen Basaltemperatur und Zervixschleim täglich, dokumentieren sie und werten sie anschließend aus. Das geschieht nach einem festen Regelwerk und immer individuell für den aktuellen Zyklus der Frau, die die Methode anwendet. Auf diese Weise können unfruchtbare und fruchtbare Tage bestimmt werden, was sowohl für die Kinderplanung als auch für die Verhütung genutzt werden kann.
Sonja Fischer-Zoidl im Radiointerview:
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Insbesondere für Letzteres spielt ein Faktor eine zentrale Rolle, so Sonja Fischer-Zoidl: „Sicherheit ist natürlich ein sehr wichtiges Thema, gerade wenn ich aktuell keine Kinder möchte.“ Sensiplan wurde als wissenschaftlich geprüfte Methode der natürlichen Familienplanung in den gynäkologischen Leitlinien aufgenommen und dort als sehr sicher empfohlen. Der Standard für die Sicherheit von Verhütungsmethoden ist der sogenannte Pearl Index, der beschreibt, wie viele von 100 Frauen, die eine Methode über ein Jahr hinweg angewendet haben, ungewollt schwanger werden. Hier bewege sich Sensiplan im Bereich der Pille, so Fischer-Zoidl, also bei einem Pearl Index von 0,4 bis 1,8. Diese Spannweite kann einfach begründet werden: „Das liegt daran, dass zum einen die Methodensicherheit angegeben wird. Das ist der Wert, wenn die Methode unter Laborbedingungen absolut perfekt angewendet wird. Der zweite Wert ist der, der im echten Leben unter Real-Life-Bedingungen entsteht. Er berechnet mit ein, dass eine Anwenderin auch mal etwas vergisst oder die Regeln nicht einhält. Dieser Wert liegt eben bei 1,8.“ Um die Sicherheit zu gewährleisten, sei die Voraussetzung, dass man die Methode in einem Einführungskurs lernt, so Sonja Fischer-Zoidl. Dabei unterstützen zertifizierten Sensiplan-Beraterinnen und ‑Berater, die an die Methode Schritt für Schritt heranführen.
„Wir sind keine Maschinen. Es gibt so viele Frauen und somit so viele Zyklen, die widerspiegeln, wie vielfältig wir als Menschen einfach sind.”
„Sensiplan eignet sich eigentlich für alle Frauen, ganz egal wie das persönliche Lebensumfeld ist“, ist sich Fischer-Zoidl sicher. Neben Verhütung und Familienplanung kann die Methode auch dabei helfen, das eigene Körperbewusstsein zu stärken. „Die Körperbeobachtung und ein tieferes Verständnis dafür, was eigentlich in meinem Körper abläuft, ist in allen möglichen Lebenssituationen total hilfreich, weil es Hinweise liefert über hormonelle Zusammenhänge, die ja unseren kompletten Körper steuern. Wenn man z.B. Zyklusstörungen oder ‑beschwerden hat oder in den Wechseljahren steckt,kann Sensiplan natürlich Hinweise geben.“ Fischer-Zoidl nennt im Zuge dessen auch den Begriff „Empowerment“. Sie beobachte, dass immer mehr Frauen aktuell auf der Suche seien nach hormonfreien Alternativen für Verhütung: „Ich habe das Gefühl, dass wirklich viele, vor allem junge Frauen einfach ein bisschen kritisch hinterfragen: Was mache ich mit meinem Körper? Dieses Gesundheitsbewusstsein und ein Trend zur Natürlichkeit sind da. Aber auch Studien zeigen, dass der Trend weggeht von Hormonen.“ Auch der Wunsch nach mehr geteilter Verantwortung in einer Partnerschaft bei diesem Thema zeige sich häufiger — gerade weil mit Blick auf hormonelle Verhütung viele Methoden Frauensache sind. „Das, finde ich, ist ein ganz wichtiger Punkt beim Thema Gleichberechtigung“, bestätigt Sonja Fischer-Zoidl. „Da bietet Sensiplan auch eine gute Möglichkeit, sich als Paar einfach mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen.“
Foto: privat
Die Sensiplan-Methode hat ihren Platz auch unter dem Dach der katholischen Kirche gefunden, wie zum Beispiel im Bistum Passau. Die Kirche mache sich Gedanken, wie Paare in der Familienplanung unterstützt werden können. So sei Sensiplan ein Angebot für konkrete Hilfestellung, die sicher und alltagstauglich ist, erklärt Fischer-Zoidl. Im Moment entwickle sich Sensiplan stark weiter, insbesondere im digitalen Bereich. Neben einem neuen Online-Auftritt auf Website und Social Media wurden kürzlich digitale eLearning-Angebote sowie die „Sensiplan+“ App als Zyklus-Tracking-App ins Leben gerufen. Eine Neuauflage des Standardwerks „Natürlich und sicher“ soll die Informationsmöglichkeiten für Anwenderinnen ebenso bereichern wie Onlineberatungen. Im Bistum Passau freut sich Sonja Fischer-Zoidl über aktuell sechs Beraterinnen und Berater. Zwei davon – Fischer-Zoidl selbst und Hebamme Stefanie Huber – haben die Ausbildung erst kürzlich erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen der Ausbildung erlerne man selbst die Methode Schritt für Schritt und im Detail, beschreibt Fischer-Zoidl. Neben einem Theorieabschnitt sei außerdem eine Praktikumsphase Teil der Ausbildung, in der die zukünftigen Beraterinnen und Berater bereits drei Frauen oder Paare bei einem Einführungskurs begleiten. Erst nach schriftlichen und mündlichen Prüfungen erhalte man das Zertifikat.
Sonja Fischer-Zoidl sei durch die Ausbildung noch einmal richtig bewusst geworden, wie individuell Familienplanung und der weibliche Zyklus seien: „Wir sind keine Maschinen. Es gibt so viele Frauen und somit so viele Zyklen, die widerspiegeln, wie vielfältig wir als Menschen einfach sind. Zykluswissen und somit Wissen über den eigenen Körper ist deshalb wirklich ein riesengroßer Schatz.“
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Sonja
Fischer-Zoidl
Referentin im Referat Ehe Familie Kinder, Leitung MFM-Zentrale Passau



