Bistum

Sensiplan: Für Familienplanung und Körperbewusstsein

Tamina Friedl am 08.05.2026

Info Icon Foto: Tamina Friedl / pbp

„Wer seinen Körper kennt, kann ihm vertrauen“, so steht es ganz oben auf dem Flyer für die Sensiplan-Methode. Sensiplan ist eine Methode der natürlichen Familienplanung (NFP). Ohne Hormone, dafür auf der Basis natürlicher Körperzeichen der Frau können präzise Aussagen über ihren Zyklus getroffen werden: Wann sind fruchtbare und unfruchtbare Tage? Wann stehen die Chancen gut, schwanger zu werden – und wann nicht? Sonja Fischer-Zoidl ist im Bistum Passau Ansprechpartnerin für Themen rund um die Familienplanung und seit Kurzem auch zertifizierte Sensiplan-Beraterin. Im Gespräch gibt sie Einblick in die Funktionsweise der Sensiplan-Methode und erzählt, was es im Bistum Passau Neues gibt im Bereich der NFP.

Natür­li­che Fami­li­en­pla­nung ist ein Über­be­griff für vie­le ver­schie­de­ne Metho­den, die sich dar­in unter­schei­den, wel­che Kör­per­zei­chen auf wel­che Art und Wei­se beob­ach­tet wer­den. Gemein­sam haben sie, dass alle Metho­den hor­mon­frei arbei­ten. Seit 2010 gibt es Sensiplan,eine eta­blier­te Mar­ke der Arbeits­grup­pe Natür­li­che Fami­li­en­pla­nung, die seit vie­len Jah­ren zur Orga­ni­sa­ti­on der Mal­te­ser gehört. Bei der natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung nach Sen­si­plan beob­ach­ten Frau­en die bei­den Kör­per­zei­chen Basal­t­em­pe­ra­tur und Zer­vix­sch­leim täg­lich, doku­men­tie­ren sie und wer­ten sie anschlie­ßend aus. Das geschieht nach einem fes­ten Regel­werk und immer indi­vi­du­ell für den aktu­el­len Zyklus der Frau, die die Metho­de anwen­det. Auf die­se Wei­se kön­nen unfrucht­ba­re und frucht­ba­re Tage bestimmt wer­den, was sowohl für die Kin­der­pla­nung als auch für die Ver­hü­tung genutzt wer­den kann. 

Sonja Fischer-Zoidl im Radiointerview:

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Ins­be­son­de­re für Letz­te­res spielt ein Fak­tor eine zen­tra­le Rol­le, so Son­ja Fischer-Zoidl: Sicher­heit ist natür­lich ein sehr wich­ti­ges The­ma, gera­de wenn ich aktu­ell kei­ne Kin­der möch­te.“ Sen­si­plan wur­de als wis­sen­schaft­lich geprüf­te Metho­de der natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung in den gynä­ko­lo­gi­schen Leit­li­ni­en auf­ge­nom­men und dort als sehr sicher emp­foh­len. Der Stan­dard für die Sicher­heit von Ver­hü­tungs­me­tho­den ist der soge­nann­te Pearl Index, der beschreibt, wie vie­le von 100 Frau­en, die eine Metho­de über ein Jahr hin­weg ange­wen­det haben, unge­wollt schwan­ger wer­den. Hier bewe­ge sich Sen­si­plan im Bereich der Pil­le, so Fischer-Zoidl, also bei einem Pearl Index von 0,4 bis 1,8. Die­se Spann­wei­te kann ein­fach begrün­det wer­den: Das liegt dar­an, dass zum einen die Metho­den­si­cher­heit ange­ge­ben wird. Das ist der Wert, wenn die Metho­de unter Labor­be­din­gun­gen abso­lut per­fekt ange­wen­det wird. Der zwei­te Wert ist der, der im ech­ten Leben unter Real-Life-Bedin­gun­gen ent­steht. Er berech­net mit ein, dass eine Anwen­de­rin auch mal etwas ver­gisst oder die Regeln nicht ein­hält. Die­ser Wert liegt eben bei 1,8.“ Um die Sicher­heit zu gewähr­leis­ten, sei die Vor­aus­set­zung, dass man die Metho­de in einem Ein­füh­rungs­kurs lernt, so Son­ja Fischer-Zoidl. Dabei unter­stüt­zen zer­ti­fi­zier­ten Sen­si­plan-Bera­te­rin­nen und ‑Bera­ter, die an die Metho­de Schritt für Schritt heranführen. 

Wir sind kei­ne Maschi­nen. Es gibt so vie­le Frau­en und somit so vie­le Zyklen, die wider­spie­geln, wie viel­fäl­tig wir als Men­schen ein­fach sind.”

Sonja Fischer-Zoidl

Sen­si­plan eig­net sich eigent­lich für alle Frau­en, ganz egal wie das per­sön­li­che Lebens­um­feld ist“, ist sich Fischer-Zoidl sicher. Neben Ver­hü­tung und Fami­li­en­pla­nung kann die Metho­de auch dabei hel­fen, das eige­ne Kör­per­be­wusst­sein zu stär­ken. Die Kör­per­be­ob­ach­tung und ein tie­fe­res Ver­ständ­nis dafür, was eigent­lich in mei­nem Kör­per abläuft, ist in allen mög­li­chen Lebens­si­tua­tio­nen total hilf­reich, weil es Hin­wei­se lie­fert über hor­mo­nel­le Zusam­men­hän­ge, die ja unse­ren kom­plet­ten Kör­per steu­ern. Wenn man z.B. Zyklus­stö­run­gen oder ‑beschwer­den hat oder in den Wech­sel­jah­ren steckt,kann Sen­si­plan natür­lich Hin­wei­se geben.“ Fischer-Zoidl nennt im Zuge des­sen auch den Begriff Empower­ment“. Sie beob­ach­te, dass immer mehr Frau­en aktu­ell auf der Suche sei­en nach hor­mon­frei­en Alter­na­ti­ven für Ver­hü­tung: Ich habe das Gefühl, dass wirk­lich vie­le, vor allem jun­ge Frau­en ein­fach ein biss­chen kri­tisch hin­ter­fra­gen: Was mache ich mit mei­nem Kör­per? Die­ses Gesund­heits­be­wusst­sein und ein Trend zur Natür­lich­keit sind da. Aber auch Stu­di­en zei­gen, dass der Trend weg­geht von Hor­mo­nen.“ Auch der Wunsch nach mehr geteil­ter Ver­ant­wor­tung in einer Part­ner­schaft bei die­sem The­ma zei­ge sich häu­fi­ger — gera­de weil mit Blick auf hor­mo­nel­le Ver­hü­tung vie­le Metho­den Frau­en­sa­che sind. Das, fin­de ich, ist ein ganz wich­ti­ger Punkt beim The­ma Gleich­be­rech­ti­gung“, bestä­tigt Son­ja Fischer-Zoidl. Da bie­tet Sen­si­plan auch eine gute Mög­lich­keit, sich als Paar ein­fach mehr mit dem The­ma auseinanderzusetzen.“

Info Icon Foto: privat
Auch Hebamme Stefanie Huber hat vor kurzem gemeinsam mit Sonja Fischer-Zoidl die Ausbildung zur Sensiplan-Beraterin abgeschlossen.

Die Sen­si­plan-Metho­de hat ihren Platz auch unter dem Dach der katho­li­schen Kir­che gefun­den, wie zum Bei­spiel im Bis­tum Pas­sau. Die Kir­che mache sich Gedan­ken, wie Paa­re in der Fami­li­en­pla­nung unter­stützt wer­den kön­nen. So sei Sen­si­plan ein Ange­bot für kon­kre­te Hil­fe­stel­lung, die sicher und all­tags­taug­lich ist, erklärt Fischer-Zoidl. Im Moment ent­wick­le sich Sen­si­plan stark wei­ter, ins­be­son­de­re im digi­ta­len Bereich. Neben einem neu­en Online-Auf­tritt auf Web­site und Social Media wur­den kürz­lich digi­ta­le eLear­ning-Ange­bo­te sowie die Sen­si­plan+“ App als Zyklus-Track­ing-App ins Leben geru­fen. Eine Neu­auf­la­ge des Stan­dard­werks Natür­lich und sicher“ soll die Infor­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten für Anwen­de­rin­nen eben­so berei­chern wie Online­be­ra­tun­gen. Im Bis­tum Pas­sau freut sich Son­ja Fischer-Zoidl über aktu­ell sechs Bera­te­rin­nen und Bera­ter. Zwei davon – Fischer-Zoidl selbst und Heb­am­me Ste­fa­nie Huber – haben die Aus­bil­dung erst kürz­lich erfolg­reich abge­schlos­sen. Im Rah­men der Aus­bil­dung erler­ne man selbst die Metho­de Schritt für Schritt und im Detail, beschreibt Fischer-Zoidl. Neben einem Theo­rie­ab­schnitt sei außer­dem eine Prak­ti­kums­pha­se Teil der Aus­bil­dung, in der die zukünf­ti­gen Bera­te­rin­nen und Bera­ter bereits drei Frau­en oder Paa­re bei einem Ein­füh­rungs­kurs beglei­ten. Erst nach schrift­li­chen und münd­li­chen Prü­fun­gen erhal­te man das Zertifikat.

Son­ja Fischer-Zoidl sei durch die Aus­bil­dung noch ein­mal rich­tig bewusst gewor­den, wie indi­vi­du­ell Fami­li­en­pla­nung und der weib­li­che Zyklus sei­en: Wir sind kei­ne Maschi­nen. Es gibt so vie­le Frau­en und somit so vie­le Zyklen, die wider­spie­geln, wie viel­fäl­tig wir als Men­schen ein­fach sind. Zyklus­wis­sen und somit Wis­sen über den eige­nen Kör­per ist des­halb wirk­lich ein rie­sen­gro­ßer Schatz.“

Mehr zum Thema natürliche Familienplanung (NFP) erfahren Sie hier:

NFP - Natürliche Familienplanung

… steht für Methoden der Empfängnisregelung, die die Zeichen der zyklischen Fruchtbarkeit der Frau und das Wissen um die gemeinsame Fruchtbarkeit von Mann und Frau nutzen, um gezielt eine Schwangerschaft anzustreben oder zu vermeiden. Die Zeichen der Fruchtbarkeit werden beobachtet, in ein Zyklusblatt eingetragen und nach festen Regeln ausgewertet.

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Sonja
Fischer-Zoidl

Referentin im Referat Ehe Familie Kinder, Leitung MFM-Zentrale Passau

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