Foto: Uschi Friedenberger
Standing ovations für Hildegard Stolper beim Festakt „35 Jahre SkF Frauenhaus Passau“ – Stephanusplakette vom Bischof – „Aus christlichen Werten konkrete Hilfe gemacht!“
Es gibt wohl nichts Fürchterlicheres als Gewalt an Frauen und Kindern. Das Frauenhaus Passau des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) ist seit Jahrzehnten für Betroffene Retter in der Not. Das Jubiläum „35 Jahre Frauenhaus Passau“ wurde nun mit einem Festakt im Valentinssaal am Domplatz begangen. Im Mittelpunkt stand die Frau, die durch ihren jahrzehntelangen kämpferischen Einsatz zum Gesicht des Passauer Frauenhauses wurde: Hildegard Stolper.
Ein Leben im Einsatz für Frauen in Not: Über das, was Hildegard Stolper (82) erlebt hat, könnte sie ein Buch schreiben. Aber es wäre ein Buch mit vielen traurigen Kapiteln über entsetzliche Grausamkeiten. In einem Gespräch mit dem Passauer Bistumsblatt im Vorfeld der Veranstaltung erzählte sie: Über eine Frau und deren vier und fünf Jahre alten Töchter, die der Ehemann mit einem Tischbein so schwer misshandelt hatte, dass alle drei mit Platzwunden in der Notaufnahme des Krankenhauses landeten, wo Hildegard Stolper sie abholte. Von einem kleinen Mädchen, das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde, bis die Mutter in Panik im Frauenhaus Hilfe suchte. Von einer 75-jährigen Frau aus einem Dorf im Bayerischen Wald, die zeitlebens vom Ehemann geschlagen und eingesperrt worden war, bis Hildegard Stolper sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion befreite. Hildegard Stolper resümiert: „Ich bin immer noch fassungslos über so viel Gewalt, aber auch dankbar, dass wir so vielen Frauen helfen konnten!“
Dankbarkeit angesichts des Jubiläums 35 Jahre Frauenhaus wurde auch beim Festakt spürbar. Nach dem Rückzug von Hildegard Stolper stehen nun Dorothea Keilhofer und Doris Zauner an der Spitze des SkF. Sie stellten das neue Team der aktuell im Frauenhaus Verantwortlichen und Beschäftigten vor.
Foto: Uschi Friedenberger
Schirmherr Bischof Dr. Stefan Oster SDB betonte in seinem Grußwort: „Ich habe das Frauenhaus in meinen zwölf Jahren in Passau immer wieder als überaus segensreiche Einrichtung kennengelernt!“ Der Bischof sprach aktuell von einer doppelten Zäsur: „Erstens nach dem Übergang hin zum neuen Vorstand in der Nachfolge von Frau Stolper, die durch ihren unermüdlichen Einsatz für die Frauen zum bekannten Gesicht des Frauenhauses geworden ist. Eine Zäsur bedeutet dieser Zeitpunkt auch in zweiter Hinsicht. Sie stehen vor einer Veränderung der Gesetzeslage, die die Finanzierung der Frauenhäuser in Bayern betrifft.“ Der Bischof: „Ich möchte sehr herzlich für die Arbeit danken. So vielen Frauen haben Sie geholfen, sich aus Strukturen von Unterdrückung und Gewalterfahrung zu lösen. Und einigen konnten Sie, glaube ich, sogar das Leben retten! Und als Mann der Kirche und des Glaubens freue ich mich sehr darüber, dass Sie mit dem Frauenhaus an der Seite von Menschen stehen, die zumindest für einen Abschnitt ihres Lebens an den Rand gedrängt und dort auch noch bedroht werden. Sie gehen – mit einem Wort von Papst Franziskus – wirklich an die Ränder und Ihnen gelingt es immer wieder durch ihren Dienst, Frauen und oft auch ihre Kinder vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen!“
„Es braucht Menschen, die hinschauen!“ betonte Passaus Oberbürgermeister Andreas Rother, ebenfalls Schirmherr der Veranstaltung, in seinem Grußwort. Auch Passaus stellvertretender Landrat Walter Bauer und Landrat Sebastian Gruber (Freyung-Grafenau) würdigten das Frauenhaus als segensreiche Einrichtung für Passau und die Region.
Silvia Wallner-Moosreiner vom SkF-Landesverband Bayern blickte auf 35 Jahre SkF-Ortsverein Passau zurück – von den kleinen Anfängen im Jahr 1991 bis zum Neubau des Passauer Frauenhaues 2017 und dem Anbau 2024. Diese Zeit sei eng verknüpft mit dem Einsatz von Hildegard Stolper, die sie im Namen des SkF ehrte. Die Vorsitzende: „Mit nunmehr 14 Plätzen für Frauen und 30 für Kinder ist die Passauer Einrichtung das größte Frauenhaus unter katholischer Trägerschaft in Bayern.“ Nun falle dieses Jubiläum aber in eine Zeit, in der mit dem neuen Gewalthilfegesetz wieder ganz andere Herausforderungen vor der Tür stünden.
In seiner Laudatio würdigte Diakon Konrad Niederländer (ehemaliger Caritas-Direktor) das Lebenswerk von Hildegard Stolper: „Heute dürfen wir Ihnen unsere Anerkennung und unseren tief empfundenen Dank aussprechen. Wir würdigen damit nicht nur Ihr jahrzehntelanges Engagement für den Sozialdienst katholischer Frauen Passau, sondern auch ein Lebenswerk, in dem sich christlicher Glaube in eindrucksvoller Weise in tätige Nächstenliebe verwandelt hat!“
Gedankt wurde der Leo-Big Band unter Leitung von Michael Beck für den erstklassigen musikalischen Part, außerdem dem tollen Catering-Service der Diözese Passau unter Leitung von Margit Bauer für die regionalen und saisonalen Gaumenfreuden nach dem offiziellen Teil. Bischof Stefan Oster erteilte den Abschlusssegen, bevor die Gäste beim anschließenden Empfang miteinander ins Gespräch kamen.
Kontakt zum Frauenhaus erhält man unter 0851/89272. Spenden fürs Frauenhaus sind weiterhin dringend erwünscht unter IBAN: DE89 7509 0300 0004 3125 97 (Liga Bank Passau).
Text: Uschi Friedenberger



