Soziales

Rettungsanker für Frauen in Not

Redaktion am 29.10.2026

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Großer Bahnhof für Hildegard Stolper beim Festakt im Valentinssaal (von links): 2. Vorsitzende Doris Zauner, Laudator Diakon Konrad Niederländer, Bischof Stefan Oster, Hildegard Stolper, 1. Vorsitzende Dorothea Keilhofer, Passaus Oberbürgermeister Andreas Rother, Landrat Sebastian Gruber (Freyung-Grafenau), stellvertretender Landrat Walter Bauer (Landkreis Passau) und Silvia Wallner-Moosreiner vom SkF-Landesverband.

Standing ovations für Hildegard Stolper beim Festakt „35 Jahre SkF Frauenhaus Passau“ – Stephanusplakette vom Bischof – „Aus christlichen Werten konkrete Hilfe gemacht!“

Es gibt wohl nichts Fürch­ter­li­che­res als Gewalt an Frau­en und Kin­dern. Das Frau­en­haus Pas­sau des Sozi­al­diens­tes katho­li­scher Frau­en (SkF) ist seit Jahr­zehn­ten für Betrof­fe­ne Ret­ter in der Not. Das Jubi­lä­um ​„35 Jah­re Frau­en­haus Pas­sau“ wur­de nun mit einem Fest­akt im Valen­tins­saal am Dom­platz began­gen. Im Mit­tel­punkt stand die Frau, die durch ihren jahr­zehn­te­lan­gen kämp­fe­ri­schen Ein­satz zum Gesicht des Pas­sau­er Frau­en­hau­ses wur­de: Hil­de­gard Stolper. 

Ein Leben im Ein­satz für Frau­en in Not: Über das, was Hil­de­gard Stol­per (82) erlebt hat, könn­te sie ein Buch schrei­ben. Aber es wäre ein Buch mit vie­len trau­ri­gen Kapi­teln über ent­setz­li­che Grau­sam­kei­ten. In einem Gespräch mit dem Pas­sau­er Bis­tums­blatt im Vor­feld der Ver­an­stal­tung erzähl­te sie: Über eine Frau und deren vier und fünf Jah­re alten Töch­ter, die der Ehe­mann mit einem Tisch­bein so schwer miss­han­delt hat­te, dass alle drei mit Platz­wun­den in der Not­auf­nah­me des Kran­ken­hau­ses lan­de­ten, wo Hil­de­gard Stol­per sie abhol­te. Von einem klei­nen Mäd­chen, das vom eige­nen Vater ver­ge­wal­tigt wur­de, bis die Mut­ter in Panik im Frau­en­haus Hil­fe such­te. Von einer 75-jäh­ri­gen Frau aus einem Dorf im Baye­ri­schen Wald, die zeit­le­bens vom Ehe­mann geschla­gen und ein­ge­sperrt wor­den war, bis Hil­de­gard Stol­per sie in einer Nacht- und Nebel-Akti­on befrei­te. Hil­de­gard Stol­per resü­miert: ​„Ich bin immer noch fas­sungs­los über so viel Gewalt, aber auch dank­bar, dass wir so vie­len Frau­en hel­fen konnten!“

Dank­bar­keit ange­sichts des Jubi­lä­ums 35 Jah­re Frau­en­haus wur­de auch beim Fest­akt spür­bar. Nach dem Rück­zug von Hil­de­gard Stol­per ste­hen nun Doro­thea Keil­ho­fer und Doris Zau­ner an der Spit­ze des SkF. Sie stell­ten das neue Team der aktu­ell im Frau­en­haus Ver­ant­wort­li­chen und Beschäf­tig­ten vor. 

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Aus den Händen von Bischof Dr. Stefan Oster SDB nahm Hildegard Stolper strahlend die Stephanusplakette entgegen.

Schirm­herr Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB beton­te in sei­nem Gruß­wort: ​„Ich habe das Frau­en­haus in mei­nen zwölf Jah­ren in Pas­sau immer wie­der als über­aus segens­rei­che Ein­rich­tung ken­nen­ge­lernt!“ Der Bischof sprach aktu­ell von einer dop­pel­ten Zäsur: ​„Ers­tens nach dem Über­gang hin zum neu­en Vor­stand in der Nach­fol­ge von Frau Stol­per, die durch ihren uner­müd­li­chen Ein­satz für die Frau­en zum bekann­ten Gesicht des Frau­en­hau­ses gewor­den ist. Eine Zäsur bedeu­tet die­ser Zeit­punkt auch in zwei­ter Hin­sicht. Sie ste­hen vor einer Ver­än­de­rung der Geset­zes­la­ge, die die Finan­zie­rung der Frau­en­häu­ser in Bay­ern betrifft.“ Der Bischof: ​„Ich möch­te sehr herz­lich für die Arbeit dan­ken. So vie­len Frau­en haben Sie gehol­fen, sich aus Struk­tu­ren von Unter­drü­ckung und Gewalt­er­fah­rung zu lösen. Und eini­gen konn­ten Sie, glau­be ich, sogar das Leben ret­ten! Und als Mann der Kir­che und des Glau­bens freue ich mich sehr dar­über, dass Sie mit dem Frau­en­haus an der Sei­te von Men­schen ste­hen, die zumin­dest für einen Abschnitt ihres Lebens an den Rand gedrängt und dort auch noch bedroht wer­den. Sie gehen – mit einem Wort von Papst Fran­zis­kus – wirk­lich an die Rän­der und Ihnen gelingt es immer wie­der durch ihren Dienst, Frau­en und oft auch ihre Kin­der vom Rand in die Mit­te der Gesell­schaft zurückzuführen!“ 

„Es braucht Men­schen, die hin­schau­en!“ beton­te Pas­saus Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Rother, eben­falls Schirm­herr der Ver­an­stal­tung, in sei­nem Gruß­wort. Auch Pas­saus stell­ver­tre­ten­der Land­rat Wal­ter Bau­er und Land­rat Sebas­ti­an Gru­ber (Frey­ung-Gra­fen­au) wür­dig­ten das Frau­en­haus als segens­rei­che Ein­rich­tung für Pas­sau und die Region.

Sil­via Wall­ner-Moos­rei­ner vom SkF-Lan­des­ver­band Bay­ern blick­te auf 35 Jah­re SkF-Orts­ver­ein Pas­sau zurück – von den klei­nen Anfän­gen im Jahr 1991 bis zum Neu­bau des Pas­sau­er Frau­en­hau­es 2017 und dem Anbau 2024. Die­se Zeit sei eng ver­knüpft mit dem Ein­satz von Hil­de­gard Stol­per, die sie im Namen des SkF ehr­te. Die Vor­sit­zen­de: ​„Mit nun­mehr 14 Plät­zen für Frau­en und 30 für Kin­der ist die Pas­sau­er Ein­rich­tung das größ­te Frau­en­haus unter katho­li­scher Trä­ger­schaft in Bay­ern.“ Nun fal­le die­ses Jubi­lä­um aber in eine Zeit, in der mit dem neu­en Gewalt­hil­fe­ge­setz wie­der ganz ande­re Her­aus­for­de­run­gen vor der Tür stünden. 

In sei­ner Lau­da­tio wür­dig­te Dia­kon Kon­rad Nie­der­län­der (ehe­ma­li­ger Cari­tas-Direk­tor) das Lebens­werk von Hil­de­gard Stol­per: ​„Heu­te dür­fen wir Ihnen unse­re Aner­ken­nung und unse­ren tief emp­fun­de­nen Dank aus­spre­chen. Wir wür­di­gen damit nicht nur Ihr jahr­zehn­te­lan­ges Enga­ge­ment für den Sozi­al­dienst katho­li­scher Frau­en Pas­sau, son­dern auch ein Lebens­werk, in dem sich christ­li­cher Glau­be in ein­drucks­vol­ler Wei­se in täti­ge Nächs­ten­lie­be ver­wan­delt hat!“

Gedankt wur­de der Leo-Big Band unter Lei­tung von Micha­el Beck für den erst­klas­si­gen musi­ka­li­schen Part, außer­dem dem tol­len Cate­ring-Ser­vice der Diö­ze­se Pas­sau unter Lei­tung von Mar­git Bau­er für die regio­na­len und sai­so­na­len Gau­men­freu­den nach dem offi­zi­el­len Teil. Bischof Ste­fan Oster erteil­te den Abschluss­se­gen, bevor die Gäs­te beim anschlie­ßen­den Emp­fang mit­ein­an­der ins Gespräch kamen. 

Kon­takt zum Frau­en­haus erhält man unter 0851/89272. Spen­den fürs Frau­en­haus sind wei­ter­hin drin­gend erwünscht unter IBAN: DE89 7509 0300 0004 3125 97 (Liga Bank Passau).

Text: Uschi Friedenberger

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