Bistum

Erkennen wir die Heiligen unter uns?

Susanne Simperl am 01.11.2026

Info Icon Foto: Susanne Simperl

Vor zahlreichen Gläubigen hat Bischof Stefan Oster am Sonntag, 1. November, im Passauer Stephansdom das Pontifikalamt zu Allerheiligen gefeiert. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand die Frage: „Erkennen wir die Heiligen unter uns?“

Der Blick auf die Gewalt in euro­päi­schen Städ­ten stand am Anfang der Aller­hei­li­gen­pre­digt von Bischof Ste­fan Oster. Beim Pon­ti­fi­kal­amt am Sonn­tag, 1. Novem­ber, im Pas­sau­er Ste­phans­dom warn­te er: Wer den Glau­ben ver­lie­re, wer­de anfäl­lig für fal­sche Über­zeu­gun­gen und Aggres­si­on. Dem stell­te er die Hal­tung der Selig­prei­sun­gen ent­ge­gen, Fried­fer­tig­keit, Barm­her­zig­keit und Lie­be, und frag­te: ​„Erken­nen wir die Hei­li­gen unter uns?“

Ein Blick aufs Han­dy am Mor­gen habe gezeigt, so Oster, dass die Gewalt­be­reit­schaft der ver­gan­ge­nen Wochen in Frank­reich und ande­ren Groß­städ­ten nun auch Deutsch­land erreicht habe. Aus Ber­lin und Frank­furt sei in der ver­gan­ge­nen Nacht von Aus­schrei­tun­gen und Plün­de­run­gen zu lesen gewe­sen. Er frag­te, ob es einen Zusam­men­hang mit Hal­lo­ween gebe und griff dabei die Redens­art auf: ​„Wo viel Licht ist, da ist viel Schat­ten.“ Schon im Mar­kus­evan­ge­li­um begeg­ne Jesus den Mäch­ten des Bösen gleich im ers­ten Kapi­tel mehr­fach. Wo das Licht Got­tes erschei­ne, tre­te auch das Dunk­le deut­li­cher hervor.

Mit Sor­ge blick­te Oster auf die Gesell­schaft. Wer den Glau­ben an Gott ver­lie­re, glau­be nicht etwa nichts mehr, son­dern womög­lich alles Mög­li­che, auch dass Gewalt erlaubt oder sogar gebo­ten sei, ohne dass Krieg herr­sche. ​„Wenn Chris­tus kei­nen Platz mehr in der See­le hat, dann sind die Ein­falls­to­re offen für alles Mög­li­che, was gewis­ser­ma­ßen unter dem Schein des Guten und Wah­ren daher­kommt, aber letzt­lich nicht wahr ist“, sag­te der Bischof.

Als Gegen­ent­wurf ver­wies er auf die Selig­prei­sun­gen, die Fried­fer­tig­keit, Gewalt­lo­sig­keit, Barm­her­zig­keit und Gerech­tig­keit in den Mit­tel­punkt stel­len. Direkt an die Got­tes­dienst­be­su­cher gewandt, frag­te Oster: ​„Stel­len Sie sich vor, eine sol­che Per­son wäre unter uns. Wür­den wir sie erken­nen? Wür­den wir die­se inne­re Schön­heit wahr­neh­men können?“

„Stel­len Sie sich vor, eine sol­che Per­son wäre unter uns. Wür­den wir sie erken­nen? Wür­den wir die­se inne­re Schön­heit wahr­neh­men können?”

Bischof Stefan Oster

Wie leicht Hei­lig­keit ver­kannt wird, zeig­te er am Bei­spiel der hei­li­gen The­re­se von Lisieux. Sie trat als Fünf­zehn­jäh­ri­ge mit Son­der­er­laub­nis des Paps­tes in den Kar­mel ein, starb als jun­ge Frau mit 24 Jah­ren und wur­de spä­ter von Papst Johan­nes Paul II. zur Kir­chen­leh­re­rin erklärt, obwohl sie nie Theo­lo­gie stu­diert hat­te. Ihren ​„klei­nen Weg“ fass­te der Bischof so zusam­men: ​„Die klei­nen Din­ge des All­tags mit mög­lichst gro­ßer Lie­be tun für Gott und für die ande­ren.“ Eine Mit­schwes­ter habe nach The­re­ses Tod sinn­ge­mäß gefragt, was man über die­se jun­ge Frau schon sagen sol­le. Erst durch ihr Buch ​„Geschich­te einer See­le“ habe die Welt begrif­fen, wer da gelebt hat­te. Aller­hei­li­gen, so Oster, dür­fe man des­halb auch ​„als ein Erken­nungs­fest“ lesen.

Mensch­li­che Rei­fe und Nächs­ten­lie­be zeig­ten sich beson­ders in Zei­ten von Belas­tung und Kri­se. Die Visi­on aus der Offen­ba­rung des Johan­nes, in der die Gewän­der der Hei­li­gen ​„weiß gewa­schen im Blut des Lam­mes“ sind, deu­te­te er als Bild für ein Herz, das sich in die Lie­be Chris­ti hin­ein­stellt und von ihr wei­ten lässt. Wer so lebe, dür­fe hof­fen, einst bei denen zu sein, die Gott im Him­mel schauen. 

Die Predigt hier zum Nachhören:

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Musi­ka­lisch gestal­te­ten Solis­ten, der Dom­chor und das Domor­ches­ter den Got­tes­dienst mit Mozarts Krö­nungs­mes­se in C‑Dur (KV 317).

Über Allerheiligen

Das Hoch­fest hat in der römisch-katho­li­schen Kir­che eine Tra­di­ti­on, die bis ins ach­te Jahr­hun­dert zurück­reicht. Es erin­nert nicht nur an die offi­zi­ell Hei­lig­ge­spro­che­nen, son­dern an alle Ver­stor­be­nen, die uner­kann­te Hei­li­ge sind. Zugleich lei­tet der Tag zu Aller­see­len am Mon­tag über: Dann besu­chen in Bay­ern tra­di­tio­nell vie­le Fami­li­en die Grä­ber und ent­zün­den Lich­ter, und Geist­li­che seg­nen beim Grä­ber­gang die Ruhe­stät­ten im Zei­chen der Auferstehungshoffnung.

Die Predigt hier als Audio:

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