Soziales

Auf dem Weg zu einem Job für’s Leben

Redaktion am 30.08.2023

Info Icon Foto: can/Wolfgang Duschl
Antonia Groß ist im Bundesfreiwilligendienst für Menschen mit Behinderung im Einsatz. Für die 18jährige genau der richtige Platz und vielleicht einmal ein Job für’s Leben.

Mühsam sortieren sie klitzekleine Beilagenscheiben, falten Schutzecken für Duschwannen. Konzentriert arbeiten sie. Das Sprechen fällt manchen schwer. Dennoch leisten sie einen wichtigen Dienst. Sie leisten etwas. Sie haben Teil an der Gesellschaft. Ja, die Frauen und Männer in der Intensivgruppe haben Teil am Leben. Teils mehrfach und schwer behindert, dürfen sie in den Caritas-Werkstätten in Passau-Grubweg erfahren: sie gehören dazu, sind geschätzt und gut begleitet. Sie zählen!

Anto­nia Groß mit ihren 18 Jah­ren erfährt jeden Tag auf’s Neue, wie ein­zig­ar­tig die­se Men­schen sind“. Herz­lich sind sie, zuge­wandt, ehr­lich wenn sie Dich umar­men, ehr­lich, wenn sie mit Dir auf so unter­schied­li­che Wei­se kom­mu­ni­zie­ren“. Seit 6 Mona­ten ist sie jetzt in der Inten­siv­grup­pe im Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst (BFD) tätig. Kei­nen Tag hat sie bereut. Die­se sozia­le Arbeit passt zu mir“. Schon in der Fach­ober­schu­le hat sie Prak­ti­ka in Kita und Kran­ken­haus gemacht. Büro­ar­beit wäre nichts für mich, ich will mit Men­schen arbei­ten“. Man spürt das.

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Sie hilft den Men­schen mit Han­di­cap bei der Arbeit, wenn die Hand nicht so kann, wie der Kopf es vor­gibt, wenn Bewe­gun­gen nun ein­mal schwer zu koor­di­nie­ren sind. Sie stellt die Brot­zeit zusam­men, alles indi­vi­du­ell. Sie kne­tet mit den behin­der­ten Men­schen im Alter von 21 bis 58 Jah­ren Salz­teig für den Bas­tel­nach­mit­tag. Das Indi­vi­du­um steht bei der jun­gen Frau im Mit­tel­punkt. Den­noch: immer wie­der der Blick in die Grup­pe. Über­blick behal­ten über die Arbeits­ti­sche, die Rol­lis, die Kolleg*innen mit Behin­de­rung. Inten­siv­grup­pe meint auch inten­si­ve Betreu­ung jeder ein­zel­nen Per­son. Am Vor­mit­tag Arbeit, am Nach­mit­tag Bas­teln, Spie­len, Bewe­gung je nach indi­vi­du­el­len Möglichkeiten.

Die Lei­te­rin Manue­la Knon und die Kol­le­gin Hei­di Putz bestä­ti­gen, wie gut sich die BFD’lerin in das Team inte­griert hat. Lie­be­voll und herz­lich. Die­ser Ideen­reich­tum, ihre Krea­ti­vi­tät und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, das ist ein­fach toll“. Und wirk­lich: es beein­druckt, wie die jun­ge Frau, ihren Job bewäl­tigt. Mit einem Lächeln im Gesicht, offen, freund­lich, wert­schät­zend die­sen Men­schen gegen­über. Klar, dass die jun­ge Frau, in den drei­flüs­se-werk­stät­ten und bei der Cari­tas beruf­lich jeder­zeit will­kom­men wäre.

Doch noch ist es nicht soweit. Es steht die Wahl des Berufs­we­ges an. Stu­di­um der Sozia­len Arbeit oder Erzie­he­rin­nen-Aus­bil­dung mit spä­te­rer Wei­ter­bil­dung in einem sozia­len Stu­di­en­gang? Da ist für mich die­se Zeit im Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst als Ori­en­tie­rungs­pha­se gera­de rich­tig“, sagt Antonia.

Ich will das Pfle­gen­de in den Mit­tel­punkt stel­len. Des­halb habe ich bewusst die­sen Ein­satz­ort gewählt”

Antonia Groß

Jetzt über­legt sie die für sie rich­ti­gen Schrit­te. Sie erlebt durch aus, wie die Arbeit phy­sisch und psy­chisch for­dert. Aber es über­wie­gen bei wei­tem die posi­ti­ven Momen­te in denen mir die Men­schen mit Behin­de­rung ihre Zunei­gung schen­ken und mir so viel zurück­ge­ben“. Für die jun­ge Frau stimmt es schon, wenn man von einem Job für’s Leben“ spricht. Eine erfül­lend sinn­stif­ten­de Tätig­keit für einen selbst und ein Ein­satz, damit das Leben Ande­rer gelingt. 

In der Tat: die Welt wäre umso viel ärmer, wenn sie kei­nen adäqua­ten Platz für Men­schen mit Han­ci­cap bie­ten wür­de. So lie­be Men­schen wären völ­lig auf sich und ihre Fami­li­en ver­wie­sen. Des­halb ist der Dienst der Cari­tas und damit auch der Ein­satz die­ser 18jährigen Anto­nia Groß so wert­voll. Ja: Uner­setz­lich. Geht es doch um einen Job für’s Leben.

Text: Wolf­gang Duschl / Caritas 

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