Bischof

„Gib uns Kraft und Mut!“

Redaktion am 18.11.2024

Info Icon Foto: Wolfgang Krinninger

Der Gebetstag für Betroffene sexuellen Missbrauchs will bewusst Zeichen setzen: für die Anerkennung des Leids und für die Solidarität mit den Betroffenen. Die Skulptur „Ausschau und Lichtblick“ von Andreas Kuhnlein gab der berührenden Andacht in Passau den Rahmen vor.

Dar­auf ach­ten, was vie­le nicht sehen wol­len, die Geschich­te von Betrof­fe­nen hören, Anteil neh­men an ihrem Schmerz und ihrer Ein­sam­keit, von der Ver­ant­wor­tung spre­chen, aber auch über Hil­fe und Aus­we­ge aus der Not – das Gebet zum dies­jäh­ri­gen Gedenk­tag fass­te die Anlie­gen die­ser Pon­ti­fi­ka­lan­dacht am Sonn­tag­abend im Haus Spec­trum Kir­che auf Maria­hilf zusam­men. Und gemein­sam brach­ten in die­sem Gebet auch alle Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Andacht ihre Hoff­nung zum Aus­druck: Du, unser Gott, gib uns Kraft und Mut!“ Ein Sym­bol der Hoff­nung ist auch die Figur Aus­schau und Licht­blick“, die der Künst­ler Andre­as Kuhn­lein aus Unter­wös­sen für die­se Andacht zur Ver­fü­gung gestellt hat. Sie zeigt eine schwan­ge­re Frau, eine Frau in guter Hoff­nung, wie Sieg­fried Lang, der Spre­cher des Betrof­fe­nen­bei­rats, in sei­ner Ein­füh­rung erklär­te. Wird sich das Kind ohne Pro­ble­me ent­wi­ckeln? Wird das Kind beruf­lich, fami­li­är und gesell­schaft­lich erfolg­reich sein? Wird es sein Lebens­glück finden?“ 

Für Kin­der bzw. mitt­ler­wei­le Erwach­se­ne, die kör­per­li­chen, sexu­el­len oder auch spi­ri­tu­el­len Miss­brauch erdul­den muss­ten, könn­ten die­se fun­da­men­ta­len Lebens­fra­gen nicht mit einem unein­ge­schränk­ten Ja beant­wor­tet wer­den, mach­te Lang deut­lich. Bezo­gen auf die Situa­ti­on in der Auf­ar­bei­tung des Miss­brauchs­ge­sche­hens in der katho­li­schen Kir­che ste­he Kuhn­leins Skulp­tur für den Blick in die Zukunft. Auf dem Weg dahin sieht Lang durch­aus Erfol­ge, aber auch noch so man­che Fra­ge­zei­chen. Er nann­te in dem Zusam­men­hang die den Miss­brauch betref­fen­den The­men wie Kle­ri­ka­lis­mus, zöli­ba­t­ä­re Lebens­form für Pries­ter, Stel­lung von Frau­en in der Kir­che, finan­zi­el­le Aner­ken­nungs­leis­tung für Betrof­fe­ne mit miss­brauchs­be­dingt extrem erschwer­ten Lebens­si­tua­tio­nen oder Lebens­ver­läu­fen. In ein­dring­li­chen Wor­ten brach­te Lang zum Aus­druck, was sei­ner Ansicht nach Kuhn­leins Figur den Ver­ant­wort­li­chen der Kir­che mit­ge­ben wür­de: Nicht die Aus­übung pas­to­ra­ler Macht soll euer Han­deln bestim­men. Ver­gesst nicht eure pas­to­ra­le Ver­ant­wor­tung! Geht zu den Mit­men­schen im Auf­trag Jesu Chris­ti, beglei­tet sie, unter­stützt sie, steht ihnen mit Rat und Tat zur Sei­te, helft ihnen, wo immer sie Hil­fe brauchen.“ 

Auf der ande­ren Sei­te soll­ten die von Miss­brauch Betrof­fe­nen ver­su­chen, trotz aller Trau­ma­ti­sie­rung den Weg des Ver­zei­hens zu fin­den und zu gehen, damit sich ver­lo­re­nes Ver­trau­en wie­der auf­bau­en lässt“. Lang ging auch auf die jüngs­te Papst-Enzy­kli­ka Dil­e­xit nos“ („Er hat uns geliebt“) ein. Fran­zis­kus for­dert dar­in eine Rück­kehr zu einer Zivi­li­sa­ti­on der Lie­be“ in einer Welt, die ihr Herz ver­lo­ren zu haben scheint“. Für alle Ver­ant­wort­li­chen und Betei­lig­ten in der Miss­brauchs­auf­ar­bei­tung sei dies ein fun­da­men­ta­ler Auftrag.

eine Atom­bom­be ins Herz der Kirche”

Bischof Stefan Oster in seiner Predigt

Auch Bischof Ste­fan Oster ließ sich in sei­ner Pre­digt von der Kuhn­lein-Skulp­tur inspi­rie­ren. Die Figur einer Schwan­ge­ren hält Aus­schau, wagt einen Aus­blick nach vor­ne und trägt in sich – so könn­te man deu­ten – den Licht­blick, der dem Aus­blick schon Rich­tung gibt“. Oster ließ kei­nen Zwei­fel, dass die Kir­che mit dem Miss­brauchs­ge­sche­hen, mit den Fol­gen und der Sor­ge um Safe spaces“ nie zu einem Ende kom­men wer­de. Wir müs­sen dran blei­ben – um der Men­schen wil­len.“ Die Betrof­fe­nen hät­ten an dem Leid, das ihnen von Men­schen der Kir­che zuge­fügt wur­de, oft ein Leben lang zu tra­gen. Das Aus­maß des Leids sei eine Atom­bom­be ins Herz der Kir­che“, denn die Kir­che lebe vom Ver­trau­en glau­ben­der Men­schen, und die­ses Ver­trau­en habe rie­si­gen Scha­den erlit­ten. Mit­ten in dem Ort, den Men­schen mit Kir­che iden­ti­fi­zie­ren, ist unfass­li­ches Leid zuge­fügt wor­den, sind Men­schen ver­ra­ten und miss­braucht wor­den“, so der Pas­sau­er Bischof. 

Die Predigt zum Nachhören:

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Doch Kir­che sei viel tie­fer als ihre momen­ta­ne Erschei­nungs­form. Im Inners­ten sei und blei­be sie der Ort, an dem die Men­schen Jesus begeg­nen kön­nen. Er bleibt, Er ist der Treue. Er ist die Hoff­nung auf das Leben, auf das neue, das grö­ße­re Leben. Er ist die Hoff­nung der Welt und aus­nahms­los die Hoff­nung für jeden Men­schen“, sag­te Oster. Von Kuhn­leins Skulp­tur schlug er schließ­lich einen Bogen zur schwan­ge­ren Gestalt der Mut­ter des Herrn. Sie sage uns: Ja, die Kir­che ist ver­beult, sie hat Ver­trau­en ver­spielt, sie ist eine Insti­tu­ti­on, in der es auch Ver­bre­chen und das Böse gibt. Aber sie ist tie­fer und zuerst der Ankunfts­ort und Wohn­ort Got­tes in der Welt.“ In den Für­bit­ten brach­ten Frau­en und Män­ner der Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­si­on, des Betrof­fe­nen­bei­rats und der Prä­ven­ti­on Trau­er, Leid und die Hoff­nung zum Aus­druck, dass man gemein­sam einen Weg fin­det, um die Ver­gan­gen­heit auf­zu­ar­bei­ten und schließ­lich Frie­den zu finden.

Ja, die Kir­che ist ver­beult, sie hat Ver­trau­en ver­spielt, sie ist eine Insti­tu­ti­on, in der es auch Ver­bre­chen und das Böse gibt. Aber sie ist tie­fer und zuerst der Ankunfts­ort und Wohn­ort Got­tes in der Welt.”

Bischof Stefan Oster in seiner Predigt

Musi­ka­lisch höchst ein­drucks­voll gestal­tet wur­de die Andacht von Dom­ka­pell­meis­ter Andre­as Unter­gug­gen­ber­ger gemein­sam mit einem Frau­en­stim­men­en­sem­ble. Im Anschluss lud Bischof Ste­fan Oster alle Betei­lig­ten zum Gespräch ins Foy­er von Spec­trum Kirche.


Text und Fotos: Wolf­gang Krinninger

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