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Kirche vor Ort

Wallfahrtslied lebt als Glockemspiel auf

Redaktion am 03.05.2021

IMG 9486 info-icon-20px Foto: Johannes Schaffarczyk
Dieses Kruzifix zieht seit 325 Jahren Scharen von Menschen nach Tann. In der Blüte der Wallfahrt, Im Jahr 1800, wurden innerhalb einer Woche 29 000 Kommunionen ausgeteilt.

Am 3. Mai 1696, am Festtag der Kreuzauffindung, wurde ein Kruzifix mit einer 28 Zentimeter großen Christusfigur, das einst ein Schreinergeselle bei Aufräumarbeiten nach dem 30-jährigen Krieg in zwei Fuß Tiefe völlig verdreckt gefunden hatte, auf Geheiß des Fürsterzbischofs von Salzburg, Johann Ernst Graf von Thun (1687 – 1709), in die Kirche von Tann gebracht.

Das Kru­zi­fix hat­te Auf­se­hen erregt, weil das Haupt- und Bart­haar des Gekreu­zig­ten, das aus mensch­li­chem Natur­haar stammt, plötz­lich wuchs – ein Vor­gang, der sich mehr­fach wie­der­hol­te, wenn die Haa­re in den ursprüng­li­che Zustand zurück­ge­schnit­ten wur­den. Meh­re­re, auch bischöf­li­che Kom­mis­sio­nen, die offi­zi­ell zur Über­prü­fung ein­ge­setzt waren, bestä­tig­ten den unglaub­li­chen Vor­gang. Die Fol­ge: Immer mehr Men­schen kamen, die den Herr­gott von Tann“ ver­eh­ren woll­ten. Des­we­gen soll­te das Kru­zi­fix einen leicht zugäng­li­chen Platz in der Kir­che fin­den. Der 3. Mai 1696 war der offi­zi­el­le Start für eine Wall­fahrt, die in ihren bes­ten Zei­ten sogar die Anzahl der Pil­ger über­traf, die zur Schwar­zen Mut­ter­got­tes nach Alt­öt­ting kamen. Sie besteht heu­er seit 325 Jahren.

Frei­lich hat die Wall­fahrt zum Herr­gott von Tann“ ihre Bedeu­tung mit teil­wei­se 40 000 Pil­gern pro Jahr ver­lo­ren. Sie brach Ende des 19./Anfang des 20. Jahr­hun­derts ein als Fol­ge krie­ge­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen, vor allem der bei­den Welt­krie­ge und der damit ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Rezes­sio­nen. In der Neu­zeit ist wie­der etwas Leben in die Wall­fahrts­be­we­gung ein­ge­zo­gen – durch die Herz-Jesu-Frei­ta­ge am ers­ten Frei­tag im Monat, die den Herr­gott von Tann wie­der mehr ins Bewusst­sein der Öffent­lich­keit rücken, und das Tri­du­um, das am Frei­tag bis Sonn­tag in der 2. Sep­tem­ber­wo­che vor dem Fest Kreuzer­hö­hung mit einer Fami­li­en-Wan­der-Wall­fahrt am Sams­tag und der Stern­wall­fahrt von den Pfar­rei­en des Pfarr­ver­ban­des Tann zum Herr­gott von Tann“ beson­de­re Akzen­te setzt. Höhe­punkt am Sonn­tag ist heu­er im Jubi­lä­ums­jahr ein Pon­ti­fi­kal­amt mit Diö­ze­san­bi­schof Dr. Ste­fan Oster – immer unter der Vor­aus­set­zung, dass die Coro­na-Pan­de­mie die Umset­zung ermöglicht.

Eine beson­de­re Ver­beu­gung vor dem Herr­gott von Tann

Vie­le Men­schen haben dem wohl­tä­ti­gen Kru­zi­fix in der Wall­fahrts­kir­che in Tann immer wie­der und teil­wei­se sogar ein gan­zes Leben lang ihre Ver­eh­rung ent­ge­gen­ge­bracht. Sie fühl­ten sich in schwe­ren Zei­ten von ihm getra­gen und geführt. Von einer der­ar­ti­gen Hal­tung war auch Maria Prand­stät­ter, geb. Brand­stet­ter, aus Godlham, spä­ter Tann, geprägt. Schon mit ihren Groß­el­tern ist sie regel­mä­ßig zum Herr­gott von Tann“ gepil­gert Die­ses Kreuz“, sag­te sie ein­mal in einem Zei­tungs­in­ter­view, übt eine Fas­zi­na­ti­on auf mich aus. Es hat mir Hil­fe gege­ben, Gna­de und see­li­sche Kraft geschenkt.“ 

Aus die­ser Gesin­nung her­aus hat sie, die Lie­der tex­te­te und in Musik setz­te, im Jahr 1989 das Wall­fahrts­fahrts­lied Herr­gott von Tann“ geschrie­ben und der Pfar­rei St. Peter und Paul geschenkt. Auf die­se Wei­se woll­te ich mei­ne Dank­bar­keit über die Wall­fahrts­ta­ge, die von Pfar­rern und Pfar­rei so wun­der­bar aus­ge­rich­tet wer­den, zum Aus­druck brin­gen.“ Maria Prand­stät­ter hat mit die­sem Lied, das sie bis zu ihrem Lebens­en­de 2015 mit Bri­git­te Schie­bels­berr­ger oder Chris­ti­ne Maß­ber­ger zwei­stim­mig sang, ein Zei­chen gesetzt für Glau­bens­kraft, Reli­gio­si­tät und christ­li­ches Zusammengehörigkeitsgefühl.

Pfar­rer Wolf­gang Reincke woll­te dem gehalt­vol­len Lied eine noch grö­ße­re Bedeu­tung im Bewusst­sein der Gläu­bi­gen geben und gleich­zei­tig der Lied­schöp­fe­rin Maria Prand­stät­ter ein Denk­mal set­zen. Dabei kam ihm der Gedan­ke, das Wall­fahrts­ju­bi­lä­um für eine kraft­vol­le Wei­ter­be­le­bung der Wall­fahrt zu nut­zen und auf beson­de­re Wei­se den Herr­gott von Tann um Schutz und Bei­stand zu bit­ten, so wie es Maria Prand­stät­ter im Refrain ihres Wall­fahrts­lie­des, der vom Kir­chen­volk gesun­gen wird, aus­ge­drückt hat: Herr­gott von Tann, wir bit­ten dich schön, lass uns zu dir wie­der wall­fah­ren gehn. Schenk uns die Kraft, steh uns bei, Herr­gott von Tann, dei­nen Schutz uns verleih.“ 

Glo­cken­spiel wird vier­mal am Tag erklin­gen

Die bis­her vor­han­de­nen Glo­cken wer­den in einem Fest­got­tes­dienst am Herz-Jesu-Frei­tag am 07. Mai vom Alt­öt­tin­ger Stifts­propst Dr. Klaus Metzl, der von Diö­ze­san­bi­schof Dr. Ste­fan Oster dafür dele­giert wur­de, geweiht. Der Got­tes­dienst, den Dr. Metzl zele­briert, fin­det um 20 Uhr statt. Vor­aus geht um 19 Uhr eine Andacht um geist­li­che Berufungen. 

In der Woche nach dem Herz-Jesu-Frei­tag erhal­ten die Glo­cken für das Glo­cken­spiel in der Glo­cken­stu­be des Kirch­turms, wo auch die gro­ßen Kir­chen­glo­cken hän­gen, ihren end­gül­ti­gen Platz. Zum ers­ten Mal zu hören sind sie zur grö­ße­ren Ehre Got­tes und der Wall­fahrt zum Herr­gott von Tann“ an Chris­ti Him­mel­fahrt oder zu Pfings­ten mit dem Wall­fahrts­lied Herr­gott von Tann“. Alle ein­pro­gram­mier­ten Lie­der las­sen sich per EDV-Pro­gramm abru­fen. Sie wer­den mit­tels elek­trisch betrie­be­ner Stahl­häm­mer — Ton für Ton — aus den Glo­cken­män­teln geschla­gen. Für das Lied Herr­gott von Tann“ benö­tigt man sechs Glo­cken. Die größ­te Glo­cke mit 50 Kilo­gramm (kg) Gewicht ist dem Herr­gott von Tann“ gewid­met, das gesam­te Glo­cken­spiel-Ensem­ble aus 13 Glo­cken wird 358 kg auf die Waa­ge brin­gen. Das Bron­ze­ma­te­ri­al der Glo­cken besteht aus 78 % Kup­fer sowie 22 % Zinn.

Das Glo­cken­spiel klingt vor­nehm­lich in Rich­tung Markt­platz. Vier­mal pro Tag ist es in Zukunft zu hören: um 9 Uhr mit dem Refrain des Wall­fahrts­lie­des, um 12 Uhr mit dem vol­len Wall­fahrts­lied, um 15 Uhr wie­der mit dem Refrain, außer­dem um 19 Uhr mit einem Kir­chen­lied oder Teil davon aus dem kirch­li­chen Jah­res­kreis (Advent, Weih­nach­ten, Fas­ten­zeit, Kar­wo­che, Got­tes­mut­ter Maria etc.). Mit dem Glo­cken­spiel ver­fügt der Markt Tann nach der reno­vier­ten Kreu­zi­gungs­grup­pe auf dem Rah­men­berg aus dem Jahr 1890 nun­mehr in Kür­ze über eine zwei­te bemer­kens­wer­te Ein­rich­tung christ­li­cher Geisteshaltung.

IMG 1095 info-icon-20px Foto: Johannes Schaffarczyk

Text: Johan­nes Schaffarczyk