Bischof

Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben

Pressemeldung am 24.06.2022

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Pressemitteilung der Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen im Bistum Passau

Es wird auch im Bis­tum Pas­sau eine Stu­die geben, die das Miss­brauchs­ge­sche­hen im Bis­tum Pas­sau umfas­send in den Blick nimmt. Das gibt die Unab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on zur Auf­ar­bei­tung sexu­el­len Miss­brauchs an Kin­dern und Jugend­li­chen im Bis­tum Pas­sau, die von Bischof Ste­fan Oster zu Beginn des Jah­res 2021 ein­be­ru­fen wur­de und die im April 2021 ihre Arbeit auf­ge­nom­men hat, nun bekannt. 

Die Stu­die trägt den Titel Sexu­el­ler Miss­brauch von min­der­jäh­ri­gen Schutz­be­foh­le­nen durch katho­li­sche Kle­ri­ker im Bis­tum Pas­sau 1945 – 2020. Aus­maß und Umstän­de – Reak­tio­nen und Hand­ha­bung sei­tens Kir­che, Öffent­lich­keit und sozia­lem Umfeld der Betroffenen“. 

Das Vor­ha­ben soll als Dritt­mit­tel­pro­jekt an der Uni­ver­si­tät Pas­sau ange­sie­delt und eben­dort am Lehr­stuhl für Neue­re und Neu­es­te Geschich­te unter der haupt­ver­ant­wort­li­chen Lei­tung von Prof. Dr. Hans-Chris­tof Kraus durch­ge­führt wer­den. Ihre Gesamt­lauf­zeit ist auf maxi­mal drei Jah­re fest­ge­legt. Die Kos­ten sind auf 610 000 Euro ver­an­schlagt. Wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter ist Prof. Dr. Marc von Knor­ring, Außer­plan­mä­ßi­ger Pro­fes­sor am Lehr­stuhl für Neue­re und Neu­es­te Geschich­te. Zwei wei­te­re Voll­zeit­stel­len ste­hen ihm zur Ver­fü­gung. Der Ver­trag zwi­schen Bis­tum, Uni­ver­si­tät und Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­si­on steht kurz vor der Unter­zeich­nung. Start des For­schungs­vor­ha­bens soll der 1. Juli 2022 sein.

Grund­la­ge des Beschlus­ses der Kom­mis­si­on waren inten­si­ve Dis­kus­sio­nen von Erkennt­nis­sen vor­lie­gen­der Stu­di­en, hier vor allem sol­che der MHG-Stu­die und des Gut­ach­tens der Kanz­lei WSW für das Erz­bis­tum Mün­chen und Frei­sing. Auch in Pas­sau wird bereits an den not­wen­di­gen Kon­se­quen­zen dar­aus gear­bei­tet. Die Kom­mis­si­on steht dar­über im Dia­log mit dem Bischof, von dem sie die aus ihrer Sicht not­wen­di­gen Refor­men an Haupt und Glie­dern ein­for­dert. Mit ihrer Stu­die sucht die Pas­sau­er Kom­mis­si­on dem Auf­trag zur quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Auf­ar­bei­tung gerecht zu wer­den, wie er in der Gemein­sa­men Erklä­rung“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und des Unab­hän­gi­gen Beauf­tra­gen der Bund­e­re­gie­rung vom 28. April 2020 for­mu­liert wur­de. Die Stu­die strebt eine voll­stän­di­ge Erschlie­ßung der ca. 3500 Per­so­nal­ak­ten und ande­rer Akten­be­stän­de des Bis­tums an, um eine wis­sen­schaft­lich zuver­läs­si­ge Erschlie­ßung des Miss­brauchs­ge­sche­hens im Zeit­raum zunächst ab 1945 zu leis­ten. Gleich wich­tig wie die Erhe­bung von Tätern, Taten und betrof­fe­nen Opfern soll auch der admi­nis­tra­ti­ve Umgang ver­ant­wort­li­cher Per­so­nen vor dem Hin­ter­grund kirch­lich-sys­te­mi­scher Struk­tu­ren geleis­tet werden. 

Die Stu­die wird hier anschlie­ßen an Erkennt­nis­se der MHG-Stu­die, die den auto­ri­tär-hier­ar­chi­schen Kle­ri­ka­lis­mus, das Ver­ständ­nis des Pries­ter­am­tes, die rigi­de katho­li­sche Sexu­al­mo­ral und nicht zuletzt den Pflicht­zö­li­bat als wich­ti­ge Bedin­gungs- und Ermög­li­chungs­struk­tu­ren nennt. Es sind dies aber auch Ansatz­punk­te für die zukünf­ti­ge Prä­ven­ti­ons­ar­beit, für die die Stu­die eben­so wich­ti­ge Kon­zep­te und Metho­den vor­be­rei­ten soll. Vor allem für die Pries­ter­aus­bil­dung, aber auch für die pas­to­ra­le Gemein­de- und Jugend­ar­beit sowie die Fort- und Wei­ter­bil­dung haupt- und ehren­amt­li­cher Mitarbeiter*innen in den ver­schie­dens­ten kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, Ver­bän­den und Ver­ei­nen sol­len von der Stu­die Anstö­ße erar­bei­tet wer­den. Bei allen Aspek­ten der Stu­die sind die Inter­es­sen der Betrof­fe­nen Aus­gangs­punkt und Ziel­per­spek­ti­ve der gesam­ten Stu­die. Der im Okto­ber 2021 gegrün­de­te unab­hän­gi­ge Betrof­fe­nen­bei­rat des Bis­tums erteil­te des­halb sei­ner­seits der Stu­die sei­ne Zustimmung.

Prof. Dr. Marc von Knor­ring (gebo­ren 1971 in Aurich), der seit 2008 in Pas­sau wirkt und des­sen For­schungs­schwer­punk­te im 19./20. bzw. 16./17. Jahr­hun­dert ange­sie­delt sind, umreißt sein Vor­ha­ben zusam­men­fas­send wie folgt: 

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Das For­schungs­pro­jekt strebt zunächst eine zah­len­mä­ßi­ge Erhe­bung der Miss­brauchs­fäl­le an, die Auf­schluss über deren Dimen­si­on sowie etwa über typi­sche“ Betei­lig­te und Tat­kon­tex­te im Wan­del der Zeit geben soll. Schwer­punkt­mä­ßig zielt es dann auf die Her­aus­ar­bei­tung von Nähr­bö­den und Ermög­li­chungs­fak­to­ren für den Miss­brauch von min­der­jäh­ri­gen Schutz­be­foh­le­nen durch Geist­li­che ab, wobei neben den inner­kirch­li­chen Struk­tu­ren beson­ders das sozia­le Umfeld der Betrof­fe­nen und sei­ne Rol­le beim Ver­tu­schen oder Ver­schwei­gen der Taten beleuch­tet wer­den soll. Die­se Kom­bi­na­ti­on von quan­ti­ta­ti­ver und qua­li­ta­ti­ver Unter­su­chung mit ihren spe­zi­el­len Schwer­punkt­set­zun­gen hebt die geplan­te Pas­sau­er Lang­zeit­stu­die in Anleh­nung an die Stu­die des Bis­tums Müns­ter deut­lich von ande­ren ab. Dabei geht es jedoch nicht nur um Auf­klä­rung über ver­gan­ge­ne Gescheh­nis­se und ihre Ursa­chen, viel­mehr sind zugleich wich­ti­ge Hin­wei­se für die Aus­rich­tung zukünf­ti­ger Prä­ven­ti­ons­ar­beit zu erwarten.“

Par­al­lel zur anlau­fen­den Stu­die wer­den Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­si­on und Betrof­fe­nen­bei­rat über alle Aspek­te von zurück­lie­gen­den aber auch mög­li­cher­wei­se fort­be­stehen­den Ursa­chen und zukünf­ti­ger Prä­ven­ti­on mit dem Bischof, der Lei­tung und Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern den Dia­log und die Koope­ra­ti­on suchen. Denn das all­seits erklär­te Ziel ist es, dem Miss­brauch in der Kir­che den Gar­aus zu machen. Und wenn kirch­li­che Struk­tu­ren ihn begüns­ti­gen, kön­nen sie schwer­lich gott­ge­ben sein und bedür­fen der Reform. 

Bischof Dr. Ste­fan Oster, der die Zustim­mung der Bis­tums­gre­mi­en ein­ge­holt hat, gab der Kom­mis­si­on grü­nes Licht für die Stu­die und der Sicher­stel­lung ihrer Finan­zie­rung. Er betont: Das Dom­ka­pi­tel, der Ordi­na­ri­ats­rat und der Diö­ze­san­ver­mö­gens­ver­wal­tungs­rat ste­hen ein­hel­lig hin­ter dem Pro­jekt, so wie es die Auf­ar­bei­tungs­kom­mis­si­on vor­ge­legt hat. Ich selbst natür­lich auch. Wir wol­len und brau­chen ein mög­lichst genau­es Bild des Gesche­hens in der beschrie­be­nen Zeit — um der Betrof­fe­nen wil­len, um der Gläu­bi­gen wil­len und um zu ler­nen, wie wir als Kir­che ins­ge­samt Miss­brauch mög­lichst ver­mei­den kön­nen. Die Erkennt­nis­se wer­den sicher schmerz­haft sein — weil wir sehen wer­den, wel­ches Leid den Betrof­fe­nen zuge­fügt wur­de — und wer die Taten gedeckt und somit direkt oder indi­rekt mit ermög­licht hat. Aber ich hof­fe, es wird für die gan­ze Kir­che von Pas­sau am Ende rei­ni­gend sein.“

Der unab­hän­gi­gen Kom­mis­si­on zur Auf­ar­bei­tung sexu­el­len Miss­brauchs an Kin­dern und Jugend­li­chen im Bis­tum Pas­sau gehö­ren sie­ben Mit­glie­der an. Dies sind:

  • Udo Holy (als Ver­tre­ter der Betroffenen) 
  • Dr. Mar­tin Lin­der (Kin­der- und Jugend­psych­ia­ter; ehem. Direk­tor der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie Bezirks­kli­ni­kum der Ober­pfalz / Regensburg 
  • Dipl.-Soz.Päd. Michae­la Mül­ler (Bera­tungs­stel­le Frau­en hel­fen Frau­en in Burghausen)
  • Prof. emer. Dr. Gui­do Poll­ak (ehe­mals Lehr­stuhl für All­ge­mei­ne an der Päd­ago­gik Uni­ver­si­tät Pas­sau, Vor­sit­zen­der der Kommission) 
  • Dr. Ste­fan Ram­mer (His­to­ri­ker, Publi­zist und Journalist) 
  • Josef Rückl (Poli­zei­di­rek­tor i.R.)
  • Micha­el Stein­dorf­ner (Minis­te­ri­al­di­rek­tor a.D.; als Ver­tre­ter der Betroffenen)

Stän­di­ge Gäs­te sind:

  • Herr Wolf­gang Bei­er (Rich­ter a.D.; Unab­hän­gi­ge Ansprech­per­son bei Ver­dachts­fäl­len im Bis­tum Passau) 
  • Frau OR Anto­nia Murr (Kanz­le­rin und Jus­ti­zia­rin des Bis­tum Pas­sau; Inter­ven­ti­ons­be­auf­trag­te des Bistums) 
  • Frau Bet­ti­na Sturm (Prä­ven­ti­ons­be­auf­trag­te des Bis­tums Passau)
  • Frau Rose­ma­rie Weber (RAin; Unab­hän­gi­ge Ansprech­per­son bei Ver­dachts­fäl­len im Bis­tum Passau)

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